Moordorf - Diesmal war es eine WhatsApp-Nachricht, im vergangenen Jahr ein Anruf – Martina Goldenstein hat bereits zum zweiten Mal recht kurzfristig erfahren, dass sie für den FKV beim Boßelturnier um den Titel Queen of the Roads im irischen Ballincurrig an den Start gehen wird.
„Ich konnte es gar nicht glauben und hab’ sofort Anke angerufen“, erinnert sie sich ans vergangene Jahr zurück. Anke Klöpper hat seinerzeit auf ihren Startplatz verzichtet. Auch in diesem Jahr war die Championstoursiegerin vom KBV Südarle gesetzt. Doch private Gründe haben ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Als erste Nachrückerin sagte Feenja Bohlken (KBV Halsbek) zu. Aber auch sie musste passen. Gesundheitliche Probleme machten eine Teilnahme unmöglich. Also kam der Edeljoker des FKV wieder ins Spiel. „Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich freue mich tierisch, aber es tut mir auch wahnsinnig Leid für Feenja“, sagt Martina Goldenstein.
Erfahrungen aus dem Vorjahr nutzen
Auch wenn sie nicht ganz oben auf dem Treppchen der Championstour stand, ist sie keineswegs zweite Wahl. Seit Jahren zählt die 36-Jährige Moordorferin zu den besten Eisenkugelwerferinnen, die Oldenburg und Ostfriesland zu bieten haben. Und mit der Erfahrung aus dem Vorjahr will sie nun wieder angreifen.
Ein paar Dinge will sie anders machen, als bei ihrem ersten Auftritt in Irland. Zum Beispiel vor dem Wurf die Strecke noch einmal in Ruhe besichtigen. „Hier hast du freie Straße und siehst, wohin du wirfst. In Irland ist das anders“, berichtet sie. Die Kurven, der kaputte Straßenbelag und die vielen Zuschauer stellen Boßler aus Deutschland vor Probleme, die sie so nicht kennen. Mit den Erfahrungen, die sie und ihr Vater Hilbert als Bahnweiser gesammelt haben, soll diesmal einiges besser werden. „Aber in erster Linie will ich es genießen und Spaß haben“, sagt Goldenstein.
Doppelte Unterstützung auf der Strecke
Ihr Vater als Bahnweiser ist nur eine von mehreren Konstanten ihrer Boßelkarriere. Mutter Johanne ist der Ruhepol auf der Strecke und fängt die emotionale Tochter wieder ein, wenn es drauf ankommt. Auf die Frage, was beim Boßeln niemals fehlen darf, nennt sie darum auch an erster Stelle die Familie. Neben ihren Eltern und ihrem Sohn gehört auch ihr Freund inzwischen fest zum Team. Als gebürtiger Spiekerooger hatte Silas Nanninga lange nur wenig Berührungspunkte mit dem Friesensport. Nun wirft er selbst. „Wenn du sowas wie in Irland oder bei der EM gesehen hast, natürlich bist du dann angefixt“, erklärt Nanninga.
Kolleginnen helfen sofort
Als Bahnweiser hat er sich schon als würdige Vertretung von Vater Hilbert bewiesen, in Irland werden sie zusammen für Martina da sein. Sei es Zufall, Fügung oder Vorahnung, beide hatten das Irlandwochenende schon lange als frei geplant und mussten auf der Arbeit somit nicht Dienste tauschen. Bei Martina Goldenstein war das anders. Doch auch hier fand sich schnell eine Lösung. Kolleginnen waren sofort bereit, einzuspringen und ihr den Start in Irland zu ermöglichen. „Diese Unterstützung in der Familie, auf der Arbeit und im Verein ist schon toll“, sagt die Moordorferin glücklich.
Sportlich hat sie gleich zwei harte Nüsse zu knacken. Mit Europameisterin Lindsay Leussink aus den Niederlanden und der starken Irin Hannah Sexton warten erstklassige Gegnerinnen. Doch davon wird sich Goldenstein nicht aus der Ruhe bringen lassen. Sie wird ihren Wettkampf genießen, zwischendurch mit den Zuschauern plaudern und dann sehen was passiert. Mit dieser Einstellung hat sie schon gewonnen – egal wer im Ziel vorne liegt.
