Ostfriesland/Oldenburg - Der Friesische Klootschießer Verband (FKV) hat derzeit mit einigen personellen Baustellen zu kämpfen. Im Vorstand sind noch Posten vakant und die nächsten Lücken bahnen sich an. Neben Joachim Karsjens (Wiesederfehn), der als Justiziar dem Verband seit 2007 in rechtlichen Belangen zur Seite steht, denkt auch Boßelfachwart Alwin Jurisch (Pfalzdorf) ans Aufhören. Doch damit ist noch lange nicht Schluss, denn auch der Vorsitzende Jan-Dirk Vogts (Hollwege) hat angekündigt, dass es nach 20 Jahren im Vorstand und 16 Jahren an der Spitze des Verbands Zeit wird, das Zepter weiterzureichen. Auch sein Stellvertreter, Johannes Tränapp (Hage) wird seinen Posten wohl zur Verfügung stellen. Tränapp wird demnächst 65 und wird dann auch als Bürgermeister in Hage ausscheiden. Nach vier Jahrzehnten ehrenamtlicher Arbeit im Friesensport will er künftig mehr Zeit für die Familie haben. Bevor er als zweiter Vorsitzender beim FKV anfing, war er unter anderem lange Vorsitzender des ostfriesischen Landesverbandes.

Zumindest eine der Lücken kann der FKV nun aber schließen. Als Kandidat für den Posten des Vorsitzenden ist der Verband in Friedeburg fündig geworden. Helfried Goetz soll das Amt von Jan-Dirk Vogts übernehmen. „Der Verband ist an mich herangetreten. Das ist eine Position die mich reizt und die ich mir gut vorstellen kann“, erklärt Goetz. Der Friedeburger Bürgermeister ist selbst seit vielen Jahren als Friesensportler aktiv. Er boßelt beim KBV „Frisch weg“ Wiesedermeer und hat sich gerade als Klootschießer seine Meriten verdient. Mit der Mannschaft sicherte er sich 2012 in Pesaro (Italien) die Goldmedaille.

Nun soll er den Vorsitz beim FKV übernehmen. Sicherlich eine glückliche Wahl, denn mit seiner Erfahrung als Friesensportler und dem Wissen um die Verwaltungsarbeit aus dem Rathaus ist Goetz einer, der die großen Aufgaben im Verband überblicken und angehen kann. Ganz oben auf der Liste stehen dabei die offenen Stellen im Vorstand. „Es ist nicht einfach, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren wollen und können“, weiß Goetz um die Problematik. Die Europameisterschaft 2024 im Kreisverband Esens sieht er als Riesenaufgabe, doch der Fokus müsse zunächst auf dem Tagesgeschäft liegen, macht er deutlich. Saisonbetrieb, Championstour, Verbandsmeisterschaften. „Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Damit sind die Verbände schon ganz gut beschäftigt“, sagt er.

Bis er das Amt von Vogts offiziell übernehmen kann, wird es noch etwas dauern. Die Jahreshauptversammlung, auf der die Vorstandswahlen anstehen, ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. „Gegenwärtig wäre eine Präsenzveranstaltung das falsche Zeichen. Wir müssen erst einmal abwarten, wie es weitergeht“, erklärt Jan-Dirk Vogts. Angedacht ist ein Termin im dritten Quartal. „Dann, wann es wieder geht“, sagt Helfried Goetz diplomatisch. Die Verzögerung hat auch ihre guten Seiten. Denn sie verschafft dem Verband mehr Zeit, auch für die weiteren Posten geeignete Leute zu finden.

Goetz wünscht sich einen sanften Übergang. „Nicht so wie in Amerika, wo die Amtsgeschäfte von einem Tag auf den anderen an einen neuen Präsidenten übergehen“, erläutert er. Es soll eine Einarbeitungszeit geben, in der er von der Erfahrung des aktuellen Vorstandes profitieren kann. „Dann kann ich noch was lernen und mich überall bekannt machen“, erläutert Goetz den Plan.

Sollte die Versammlung Goetz als neuen Vorsitzenden wählen – was als nahezu sicher gilt – behält der Verband seine Tradition bei, den Vorsitz abwechselnd nach Oldenburg und Ostfriesland zu vergeben. Offen ist dann allerdings, wer von oldenburgischer Seite das Amt des Stellvertreters übernimmt. Aber noch ist ja etwas Zeit, einen geeigneten Kandidaten zu finden.

Jochen Schrievers
Jochen Schrievers Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung