Sande - Die Königsdisziplin macht auch Talea Fellensiek mit am meisten Spaß. Beim Rettungstriathlon, dann, wenn sie angespannt am Strand steht, das Wasser vor Augen, die Wellen, die leicht an Land schlagen und in der Ferne die zu umrundenden Bojen, die hin und her schaukeln. Dann fühlt sie sich wohl. Fällt der Startschuss, fällt auch die Anspannung schnell ab. Talea Fellensiek sprintet über den Strand zu ihrem Rettungsbrett, nimmt es auf und hechtet ins Wasser des Sander Sees, dass das Wasser um sie herum nur so schäumt. In nur wenigen Sekunden hat sie sich auf das Board gekniet und nimmt mit kräftigen, parallelen Zügen beider Arme Fahrt auf. Bis zu 700 Meter ist der Trapezkurs lang, den sie nun absolvieren muss. Als sie wieder an Land kommt, geht es im Sprint ein kurzes Stück zurück zum ursprünglichen Startpunkt. Hier steigt sie in ihren Surf-Ski, eine Art schmales, 5,80 Meter langes Kajak mit Pedalsteuerung, um erneut den Kurs zu bewältigen. Schon als sie zum zweiten Mal aus dem Wasser kommt, hat die Schortenserin einen gewaltigen Vorsprung vor ihrer Konkurrenz. Zum Abschluss wartet das Brandungsschwimmen. Erneut läuft Talea über den Sand zur Startlinie, biegt ab und stürzt sich ins Wasser, um nun einen etwas kürzeren Trapezkurs zu absolvieren. Für Talea Fellensiek ist das buchstäblich ein Heimspiel, immerhin ist die Sportlerin der Rettungshaie der DLRG Ortsgruppe Schortens-Jever auch Wettkampfschwimmerin beim Heidmühler FC. Die Konkurrenz braucht noch eine ganze Weile, als die 18-Jährige schon längst die Ziellinie überquert hat. Ähnlich beeindruckend haben schon vorher ihre beiden jüngeren Schwestern Milena und Svea ihre Wettbewerbe beherrscht.
Es ist nicht weniger als die Landesmeisterschaft im Rettungssport, die die drei Schwestern Fellensiek in ihren Altersklassen dominieren. Die Disziplinen, die auch den Sprint-Ausscheidungswettbewerb (Beach-Flags) beinhalten, sind praxisnah ausgelegt, d.h. Rettungssituationen sind das zentrale Element, das abgebildet werden soll. So hilft es den Sportlern häufig nicht, wenn sie beispielsweise „nur“ formidable Schwimmer sind. Beim DLRG-Rettungssport ist der Allrounder gefragt. Und der muss neben einer guten Technik vor allem Kondition und reichlich Kraft in den Armen haben. Denn er muss sich mit Wellen, Wind und Drift auseinandersetzen.
Für Talea Fellensiek ist der Rettungssport deutlich mehr als nur Ergänzung zum Schwimmen in der Schwimmhalle. Sie ist nahezu jeden zweiten Tag am Sander See, um zu trainieren. „Im Becken hat man nur die Kacheln unter sich, im Freiwasser sieht man den Boden nicht, man muss sich orientieren. Die Abwechselung mit den Geräten macht den Wettkampf spannender“, erzählt sie. „Der Sport kann Leben retten, denn die Geräte werden alle auch zum Leben retten genutzt“, betont Talea auch den großen Nutzen.
Im vergangenen Jahr hat die Familie Fellensiek einen vierstelligen Betrag in einen Surf-Ski investiert. Das Rettungskajak ist eine Erfindung aus Australien, wird dort produziert und hat sich vor allem an den endlos langen Stränden der australischen Küste bewährt. Da am Wochenende nicht jeder der angereisten Sportler ein solches Wettkampfgerät sein Eigen nennen kann, ist es für die Teilnehmer selbstverständlich, das Material untereinander auszuleihen. Der Teamgeist der Sportler untereinander, die Gemeinschaft abseits des Wettkampfs, beeindruckt. Und auch das gefällt Talea Fellensiek am DLRG-Rettungssport sehr.
