Sande - Solidarität mit Tjalf Caesar, dem Spieler des Hamburger SV, der vor wenigen Wochen in der Begegnung gegen die Jadehaie in der Eishalle in Sande schwer verunglückte.
Das konnten die Spieler des ECW auch nicht ausblenden, gibt deren Kapitän Nick Hurbanek zu: „Natürlich wussten wir schon, um was es geht. Es war das erste Heimspiel seit langem, die ganzen Spendenaktionen sind angelaufen, die ganze Sache ist immer Teil deiner Gedanken.“
Der Einstand in eigener Halle wurde dem ECW leicht gemacht. Die Spieler mussten nicht an ihre Grenzen gehen und hielten sich angesichts der klaren Überlegenheit auch mit körperlicher Härte zurück. Das hatte sich die Mannschaft vor dem Spiel allerdings nicht explizit vorgenommen. „Wir wissen, es ist Eishockey, der Unfall ist passiert, so, wie er im täglichen Leben auch passieren kann. Es ist schon eine andere Situation, man geht schon anders in den Zweikampf, das muss ich auch ganz ehrlich sagen“, erklärt Hurbanek. „Die Geschichte war die ersten zwei Wochen, jeden Tag, jede Stunde in meinem Kopf, und es ist definitiv immer noch vorhanden. Es wird langsam weniger.“
Das ging nicht nur ihm so. Auch ECW-Stürmer Johannes Mundt hatte in den vergangen Wochen schwer mit dem Thema Caesar zu kämpfen – deutlich direkter als seine Mannschaftskollegen. Am 1. Juni dieses Jahres war Mundt selbst schwer verunglückt. 15 Brüche hatte er sich bei einem Sturz außerhalb des Sports im Kopf-, Halswirbel- und Brustbereich zugezogen. „Dann ist natürlich solch eine Verletzung, wie die von Tjalf, mental sehr schwierig“, sagt Mundt. Auch Caesar hat sich einen Halswirbelbruch zugezogen. „Wenn du da jemanden siehst, der eine ähnliche Verletzung, ein ähnliches Trauma hat und bei ihm geht das so aus und ich stehe nach einem halben Jahr wieder hier und spiele Eishockey...“, läßt er seinen Gedanken freien Lauf.
Johannes Mundt ist von Beruf Physiotherapeut und kann deshalb noch ein Stück mehr einschätzen, welches Glück er gehabt hat, und wie es Tjalf Caesar nun geht. „Da kommen tatsächlich noch ein paar mehr Komponenten zusammen, und ich weiß noch, beim ersten Spiel in Bremen, da hat ein Zuschauer zu mir gesagt, Johannes, du hast ein bisschen mit angezogener Handbremse gespielt. Da habe ich geantwortet, ja an der Bande ist mir noch ein bisschen unwohl. Und ein Spiel später geschieht genau das mit Tjalf“, sagt Mundt. Er hat gesehen wie der HSV-Spieler in die Bande mit dem Kopf voran eingeschlagen ist. „Das war für mich auch ein Rückschritt für mein Selbstvertrauen. Da brauchte ich auch ein bisschen, aber ich denke, das gute Spiel heute hat uns alle ein Stück voran gebracht. Man hat gesehen, wie stark wir alle zusammenstehen.“
Das hat auch Eishockey-Deutschland in den vergangenen Wochen getan. Neben bislang etwa 36.000 Euro an Spendengeldern (Stand, 19. November) zugunsten der Familie Caesar laufen aktuell verschiedene Aktionen, die zur finanziellen Unterstützung beisteuern sollen. So versteigern die Jadehaie nicht nur ihre pinkfarbenen Sondertrikots vom Samstagabend, auch der Eishockey-Bundesligist Wolfsburg Grizzlys gibt seine Halloween-Eventtrikots für den guten Zweck unter den Hammer. Eine Familie aus Köln spendete zwei Originaltrikots des DEL-Profis Philip Gogulla. „Es ist eine Welle der Sympathie“, erzählt Nick Hurbanek. Steht die Eishockey-Familie in Deutschland noch enger zusammen als andere Sportfamilien? „Nein, das kann man nicht sagen. Ich glaube, auch im Fußball würden alle zusammenhalten. Generell gibt es im Sport die Verbundenheit. Auf dem Eis bist du der Gegner, aber wenn etwas passiert, halten alle zusammen“ ist sich der ECW-Kapitän sicher.
ECW Sande vs. Harsefeld Tigers: So lief das Spiel
Auch dem letzten Eishockey-Fan in der Eishalle Sande musste nach 15 Minuten klar sein, dass die Harsefeld Tigers eher zahnlose Miezekatzen waren. Da hatte Vitalijs Hvorostinins nämlich bereits das 5:0, sein drittes Tor, für die Jadehaie markiert, und es zeichnete sich ab, dass es für die Gäste eine zweistellige Klatsche geben würde. Weder den Jadehaien, noch den Fans in der Halle war der Schock des vergangenen Heimspiels anzumerken. Während die ECW-Spieler ein Feuerwerk auf dem Eis abbrannten, feierten die Zuschauer die entsprechende Party dazu. Das änderte sich auch im zweiten Drittel nicht, das die Jadehaie ebenfalls klar mit 5:0 für sich entschieden. Im letzten Drittel nahm der von Sergey Yashin trainierte Regionalligist das Tempo ein wenig raus. Das ermöglichte den Harsefeldern immerhin den Ehrentreffer, der von den Zuschauern den verdienten Applaus erhielt. Der ECW legte indes vier Treffer nach und freute sich vor 690 Zuschauern über den Heimsieg in einer äußerst fairen Partie.
