Sande - Findet eine Eishockeysaison in der Regionalliga Nord statt oder nicht? Dürfen Zuschauer zu den Spielen kommen? Was passiert, wenn ein Team in Quarantäne muss? Fragen, die Nick Hurbanek, Sportlicher Leiter des ECW Sande, derzeit umtreiben und deren Antworten noch niemand genau kennt. Die Coronakrise hat die Eishockeysaison 2019/2020 früher, als allen Beteiligten lieb war, beendet. Daraufhin wurde die Eisfläche in der Halle abgetaut. Seitdem weiß keiner genau, wann es weiter bzw. wieder los geht. Fest steht beim ECW einzig und allein: Es geht irgendwann wieder los, entweder in dieser Saison oder in der nächsten.
„Finanziell hat uns diese Krise nicht so hart getroffen wie andere Vereine. Klar fehlen uns ein paar Zuschauereinnahmen aufgrund der ausgefallenen Spiele, aber wir stehen trotzdem gut da“, erklärt Nick Hurbanek. Bereits in der vergangenen Woche wollte Eishallenbetreiber Witalij Saitz die Eishalle wieder öffnen. Doch daraus wurde nichts, zu ungewiss ist die derzeitige Lage. Der Wiedereröffnungstermin wurde auf Anfang Oktober verschoben. Ob dann auch die Regionalligamannschaft direkt wieder ins Training einsteigt, ist noch nicht klar, denn es steht noch immer nicht fest, ob es eine Saison 2020/21 geben wird.
Möglicher Start der Eishockeysaison
Der Verband erklärte den 20. November als letztes mögliches Startdatum, danach sei eine Saison nicht mehr spielbar. Kann die Saison im Oktober beginnen, wird eine Doppelrunde gespielt, sodass die Teams viermal aufeinander treffen. Die Saison wäre mit 28 Spieltagen angesetzt. Die Mannschaften auf den Plätzen eins bis vier würden in die Playoffs um die Meisterschaft einziehen. Beginnt die Saison aber erst im November, wird nur eine 1,5-fache Runde gespielt, in der die Teams nur dreimal aufeinander treffen. Die Entscheidung wird in den nächsten drei bis vier Wochen fallen. Bis dahin wird sich herausstellen, ob überhaupt alle Teams ihre Eishallen wieder öffnen können und ihre Teams melden. „Wir haben in der Liga beschlossen, falls ein Team nicht meldet oder seine Halle nicht öffnen kann, dass keine Saison stattfindet“, erklärt der Sportliche Leiter des ECW Sande.
Auflagen für Spiele
Wenn eine Saison stattfinden sollte, gilt es für die Teams auch einige Auflagen zu erfüllen. Auf der Strafbank muss ab sofort eine Maske getragen werden, die Betreuer haben dazu Einwegmasken bereit zu legen. Außerdem muss es festgelegte Trinkpausen geben. Die Flaschen müssen hierzu mit Namen beschriftet sein. In den Duschkabinen muss der bekannte Mindestabstand eingehalten werden. Demzufolge darf nur jede zweite Dusche genutzt werden.
Zuschauerregelung
Was die Zuschauerplanung angeht, gilt es, eine finale Entscheidung des Verbandes abzuwarten. Bisher rechnet Hurbanek damit, dass 300 bis 380 Fans in die Halle gelassen werden dürfen und auch ein Alkoholausschank möglich sein wird. Wie die finale Entscheidung dazu jedoch aussehen wird, muss abgewartet werden. Eine mögliche Alternative sei eine kostenpflichtige Liveübertragung der Spiele im Internet, berichtet der Ex-Kapitän von seinen Überlegungen.
Kaderplanung beim ECW Sande
Die aktuelle Situation, bei der sich nahezu jeden Tag etwas ändert, erschwert Hurbanek auch die Kaderplanung für eine mögliche Saison. Neben seinem Karriereende und vielen Abgängen wie Christian und Ludwig Synowiec (EC Nordhorn), Christoph Josch (ECW 1b), Lubumir Sivak (Karriereende), Viktors Jasjonis (Riga), Sergey Tichshenko (Leipzig) und Franz Bastron (beruflich bedingt), hat der Verein mit Sebastian Sobczak, der vom REV Bremerhaven kommt, erst eine Neuverpflichtung zu verkünden. „Unser Team ist einen kleinen Kader gewohnt, dadurch kriegt jeder mehr Spielzeiten, was jeder Eishockeyspieler gerne will. Wir kriegen drei Reihen zusammen, das ist genug“, erklärt Hurbanek.
Neuverpflichtungen seien derzeit schwer. Viele Angebote kämen rein. Aber die Spieler verlangen viel Geld, um Eishockey zu spielen. Corona-Klauseln, in denen festgeschrieben steht, dass beim frühzeitigem Abbruch einer Saison kein Gehalt mehr ausgezahlt wird, würden die Spieler nicht akzeptieren. „Anders machen wir das aber nicht. Ohne Planungssicherheit riskieren wir nichts. Da stapeln wir lieber tief und werden vielleicht nur Fünfter, als uns finanziell zu weit aus dem Fenster zu lehnen“, stellt der ehemalige ECW-Kapitän klar.
Was wäre wenn?
Beschäftigt sich der 42-Jährige aber mit einem möglichen Ausfall der Saison, so bereitet ihm eines trotz der guten finanziellen Lage des Vereins Sorgen: der Nachwuchs. „Unsere jungen Spieler wollen spielen. Wenn die jetzt über ein Jahr raus sind aus dem Spielbetrieb, könnte es sein, dass viele abspringen und sich neue Hobbys suchen – fernab vom Eis. Das wäre sehr schade, denn auf Nachwuchs sind wir immer angewiesen.“ Keine Gedanken hingegen macht er sich derzeit um die ausländischen Spieler seines alten Kaders. „Unser Spieler sind hier heimisch und haben sich familiär in der Region niedergelassen. Einer will sogar ein Haus bauen. Sollte die Saison nicht stattfinden, ist das zwar schade, aber unsere Spieler müssen sich dann nicht groß Sorgen machen, und finanziell überstehen würden wir das auch. Wir haben viele kleine Sponsoren, die uns weiterhin unterstützen und zu uns halten.“ Damit bleibt Hurbanek zumindest ein wenig Sicherheit in einer Zeit, in der nichts so richtig sicher zu sein scheint.
