Schortens - Wer in Schortens Tischtennis spielen will, hat die Wahl zwischen dem TuS Oestringen und dem Heidmühler FC. Beide bieten das Spiel mit dem kleinen weißen Ball als Sparte an. Als Erwachsener ging man bis 2018 lieber zum HFC, als Jugendlicher entschied man sich für den TuS – so scheint es. Denn was dem HFC damals an Jugendlichen fehlte, hatten die Oestringer, im Erwachsenenbereich war es andersherum. Die Verantwortlichen verhandelten über eine Spielgemeinschaft, um Kräfte zu bündeln und in allen Altersklassen konkurrenzfähig zu sein. Ziel war es, durch alle Altersgruppen am Spielbetrieb teilnehmen zu können.

Heute, knapp drei Jahre nach dem Zusammenschluss zur SG Schortens TT, ziehen Horst Bender (TuS Oestringen) und Dieter Ludwig (HFC) als Verantwortliche für die Jugend ein einigermaßen ernüchterndes Fazit. Im Erwachsenenbereich stellt die SG vier Herren- und eine Damenmannschaft im Spielbetrieb – kein Grund sich zu beschweren also. „Da ist das Personal da. Da hat sich die Kooperation ausgezahlt“, sagt Bender. Und in der Jugend? Eine spielfähige Mannschaft würde der Nachwuchs in der SG derzeit zustande bringen, „das ist nicht mehr als vorher“, bringt es Bender auf den Punkt.

Wehmütig denkt er an die 70er Jahre zurück, als er Jugendwart beim Heidmühler FC war. „Da habe ich 25 Tische in der Halle aufgebaut, da rannten 50 und mehr Jugendliche rum“, schwärmt er, „aber die Zeiten sind lange vorbei.“ Damals seien die Kinder von allein gekommen – die Auswahl war eben nicht groß. Heute sei das Grundinteresse am Tischtennis nicht mehr da und es gebe zu viel Konkurrenz durch andere Sportarten, aber auch durch die Medien. „Die Nachwuchsgewinnung ist richtig schwer geworden“, erklärt Horst Bender und denkt an seine eigenen drei Enkelkinder. „Wenn ich die nach Tischtennis frage sagen die ,Opa, bist du verrückt? Wir wollen Fußball spielen!‘.“

Dabei ist die SG Schortens TT mit zwei verfügbaren Hallen in einer äußerst komfortablen Lage, um die sie so mancher Verein beneiden würde. „Wir könnten 20 Jugendliche beschäftigen“, sagt Bender – stattdessen bleibt es ziemlich ruhig in der Halle. Die Corona-Pandemie hat ihr übriges dazu beigetragen, das Interesse abflauen zu lassen und die Zeiten vor den Konsolen oder ähnlichem zu erhöhen. Zwar ist das Training unter Auflagen aktuell möglich, allerdings nur mit vier Jugendlichen. Da fällt der eine oder andere, der auf dem Papier noch gelistet ist, hinten runter. „Den einen oder anderen kann man nach Ende der Pandemie sicher wieder motivieren, aber der Tischtennis scheint mir eine aussterbende Sportart zu sein“, fasst Horst Bender zusammen.

So schwarzmalen möchte sein Kollege Dieter Ludwig nicht. Er macht in erster Linie die Pandemie für die Jugendmisere in der SG verantwortlich und hofft darauf, bald wieder in die Schulen gehen zu können, um Nachwuchs zu suchen. Den letzten Schnupperkurs hat er vor zwei Jahren angeboten, wann der nächste stattfinden kann, weiß niemand. „Wir können einfach keine Werbung machen im Moment. Wenn ich jetzt in eine Schule gehe und sage, ich will einen Tischtennis-Schnupperkurs machen, dann schmeißen die mich raus“, sagt Ludwig. Auch die Tischtennis-Minimeisterschaft für Grundschüler musste ausfallen. „Eigentlich habe ich es jedes Jahr geschafft, dass Kinder dabei bleiben. Das waren keine zehn, aber zwei oder drei schon. Und wenn doch mal niemand kam oder dabei blieb, dann habe ich weiter gemacht. Immer weiter“, berichtet er von seinen Ambitionen.

Seine Begeisterung für den Tischtennissport ist spürbar, als er vom Training berichtet, das er und Matthis Garbis geben. Langeweile kommt dort nicht auf, Balleimertraining, Spiele zur Auge-Hand-Koordination, Techniktraining und allerhand mehr stehen auf der Tagesordnung. Auch eine Überalterung des Trainerteams kann es nicht sein, was die Jugendlichen vom Tischtennis abhält, Matthis Garbis ist erst Mitte 20. Und doch fühlt Horst Bender Enttäuschung, wenn er an die erhofften, aber nicht erreichten Ziele der SG Schortens denkt. Dieter Ludwig aber will den Kopf nicht in den Sand stecken und schmiedet Pläne für die Zeit nach Corona, wenn er wieder Schnupperkurse und Minimeisterschaften anbieten kann.

Kathrin Kraft
Kathrin Kraft Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung