Schortens - Wenn Mathias Urban gerade in der „Fitness World“ in Schortens den Blick über die vier frisch abgeschliffenen aber menschenleeren Squashcourts gleiten lässt, dann macht der 48-Jährige, bei den Boast Busters Jeverland seit 30 Jahren Jugendtrainer, keinen Hehl aus seiner Gemütslage. „Natürlich ist es schön, dass die Zeit da war, die Courts auf Vordermann zu bringen. Aber es bleibt eine merkwürdige Situation.“

Und eine, die auch den Präsidenten des Niedersächsischen Squash-Verbandes umtreibt. Denn das ist der gebürtige Wilhelmshaven auch. „Wir könnten als Individualsport ja wie im Tennis auch eigentlich spielen. Aber nur ganz wenige Squashcenter in Niedersachsen haben geöffnet, weil sich das wirtschaftlich kaum lohnt.“

In Schortens hat Anlagen-Betreiber Olaf Brauer auch noch keinen Zeitplan, wann die „Fitness World“ wieder an den Start gehen wird. Und wann und ob wieder oder überhaupt noch an einen Punktspielbetrieb für die drei Teams der Boast Busters zu denken ist, darüber möchte Mathias Urban nicht spekulieren. „Unsere zweite Mannschaft, die aus eher älteren Spielern besteht, hat bereits signalisiert, nicht mehr spielen zu wollen, auch wenn das möglich ist. Ich könnte mir vorstellen, dass auch andere so denken. Wir werden uns in Niedersachsen die Situation von Monat zu Monat anschauen und dann hoffentlich die richtige Entscheidung treffen.“

Die hat Mathias Urban für sich bereits vor mehr als 40 Jahren getroffen. Mit 17 Jahren war der A-Jugend-Fußballer des Heidmühler FC, nach drei Jahren in Berlin mit den Eltern nach Schortens gezogen – auf der Suche nach einem anderen Sport. „Meine Kumpels waren wegen der Mädels alle beim Kegeln in Schoost. Und an einem Grillabend hat sich mein bester und im Wortsinn dickster Freund damals zum Squashtraining verabschiedet.“

Der Rest ist nicht logisch, passierte aber trotzdem. Erstens: Urban hatte keine Ahnung, was Squash ist. Zweitens: Urban landete trotzdem bei den Squash-Bären, wie sich die Aktiven der HFC-Sparte seinerzeit nannten. Gespielt wurde im kurz zuvor eröffneten Squash-Center am jetzigen Standort im Gewerbegebiet, wo zuvor u.a. ein Bau- sowie ein Getränkemarkt zuhause waren.

Und dann ging es ganz schnell: Als sich 1991 die Jugendtrainer Marion und Uwe Winter verabschiedeten, lautete die klare Botschaft in Richtung Urban: Du bist der Richtige. Der Angesprochene war sich da zwar nicht so sicher („Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich gut genug spiele“), traute sich das Ganze aber schließlich zu.

Und die Zeiten waren andere als heute. Mathias Urban: „Squash boomte. Viele Vereine entdeckten die Sportart für sich. Und auch in der Region war eine Menge los: Rüstersiel, WTB, die „Sandhoppers“ in der heutigen Eishalle in Sande – überall gab es Courts und Teams.“ Mit Blick auf die eigenen rund 40 Mitglieder – die Boast Busters übernahmen 1996 die Mitglieder der HFC-Sparte, die sich aufgelöst hatte – und die generelle Situation treiben Mathias Urban, der für den Verein bereits rund 200 Turniere organisiert hat, aber Sorgen um. „Es gibt Anlagen wie das Sportwerk in Hamburg mit zwölf Courts, wo es dank eines guten Trainers wie Bart Wijnhoven brummt und ein Bundesliga-Team mit jungen Spielern entstanden ist, ansonsten kämpft der Sport aber mit einer ungesunden Mischung aus fehlender Jugendarbeit und einem schleichenden Anlagen-Schwund.“

Die Boast Busters sind diesbezüglich noch ganz gut dran. Urban: „Wir haben über die Ferienaktionen Talente dazugewonnen, von denen viele heute noch dabei sind und sich wie zum Beispiel Tom Matzeschke oder Tjark Toben toll entwickelt haben.“

Deshalb wird sich der 48-jährige Kommunikations-Elektroniker, der beim Bildungswerk der niedersächsischen Wirtschaft in Leer als Ausbilder tätig ist, auch künftig jeden Freitag von seinem Wohnort in Heede (Emsland) aufmachen, um die 96 Kilometer nach Schortens zu fahren.

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung