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Eintracht Sengwarden Hartmut Wolfteich ist seit 45 Jahren im „Tischtennis-Geschäft“

Sengwarden - IT-Experte Hartmut Wolfteich ist seit 45 Jahren Tischtennis-Spieler, hat als Spielleiter mittlerweile auf Kreis- und Bezirksebene fast 100 Staffeln betreut, ist seit 2006 Sportwart im Tischtennis-Kreis, hat dort sieben Jahren die Pressearbeit verantwortet, ist seit zwei Jahren bei Spielen als Oberschiedsrichter im Einsatz und kümmert sich aktuell um die Spielansetzungen bei seinem Heimatclub, dem TuR Eintracht Sengwarden.

Angesichts dieses großen Zeitfensters ließe sich der Einstieg in die Geschichte des 60-Jährigen aus Sengwarden – für seine Verdienste vom Tischtennisbezirk Weser-Ems mit der Ehrennadel ausgezeichnet – auch anders formulieren.

Denn Hartmut Wolfteich kommt aus einer Zeit, in der Bälle kleiner und Beläge nicht zu erkennen waren, ein Satz bis 21 Punkte ging, Spielberichte noch per Post versandt wurden, ein Modem beim Versuch, sich mit der (Tischtennis)-Welt zu verbinden noch merkwürdig sphärische Geräusche machte, die allwissende Tischtennis- „click-tt“-Welt – dort werden deutschlandweit alle Staffeln verwaltet – noch Zukunftsmusik war (und Wolfteich auf einer eigenen Homepage Ergebnisse veröffentlichte), und ein Pressewart schließlich noch eine Olympia-Schreibmaschine im Haus hatte, auf der getippt und das Ergebnis anschließend kopiert wurde.

Über den Fußball letztlich zum Tischtennis gekommen

Und aus einer Zeit, in der der SV Wilhelmshaven neben einer großen Fußball- auch noch eine Tischtennis-Abteilung besaß. Dort jedenfalls landete der gebürtige Voslapper (Wolfteich: „Und das ist wörtlich zu nehmen. Ich war schneller als die Hebamme und bin zu Hause zur Welt gekommen“), weil es im Fußball im fünften Jahr nicht so recht voranging. „Als Kind leidet der Spaß, wenn du zu der Gruppe gehörst, die bei Punktspielen nicht so lange auf dem Feld steht.“

Und weil Hartmut Wolfteich an der heimischen Tischtennis-Platte den Eltern keine Chance ließ – und beim STV niemand vom Gast in der Grundschul-Turnhalle Notiz nahm, landete der 15-Jährige 1975 beim SVW, der seinerzeit in der Schellinghalle trainierte – ein Standort, der sich im weiteren Verlauf als nicht so schlecht erwies. Wolfeich: „Im Graf-Spee-Heim gegenüber konnte hinterher alles analysiert werden.“

Zunächst einmal analysierte SVW-Jugendtrainer Waldemar Schindler den Neuzugang. Und monierte eine nicht unbedingt schulbuchmäßige Schlägerhaltung. Hartmut Wolfteich: „Ich hatte mir durch das Heimtraining ein nicht so tollen Stil angewöhnt. Nachdem ich gegen meinen Trainer zwei Monate später aber gewonnen habe, war das kein Thema mehr.“

Sein Stil – ein Thema für sich. „Eher defensiv“, stuft der 60-Jährige seine Zermürbungstaktik ein, die einmal sogar dazu geführt hat, dass sein Gegner aufgab, weil er keine Lust mehr hatte gegen diese auf Fehler wartende Gummiwand.

Trotz allem landete Wolfteich in der Bezirksliga

Merkwürdiger Schlägerhaltung und allen „Stilblüten“ zum Trotz, führte der Weg Wolfteichs bis in die Bezirksliga. Und Mitte der 90er-Jahre zum WSSV, dann zum VfL und nach dessen Auflösung der Sparte zu Eintracht Sengwarden, wo der 60-Jährige in dieser Saison in der fünften Mannschaft Position 1 bekleidet und in 2. Kreisklasse mit dem Team Rang 2 belegt.

Eintracht Sengwarden – noch so ein Thema. Denn der Dorfverein ist mit seinen sieben Männerteams mittlerweile im Wilhelmshavener Tischtennis das Aushängeschild und wächst gegen den rückläufigen Trend vor der eigenen Haustür. Die erste Mannschaft spielt im zweiten Jahr als ranghöchstes jadestädtisches Team in der Bezirksoberliga; insgesamt gibt es sieben Männerteams.

Auch wenn die Abteilung quantitativ von der Auflösung des VfL profitierte – im Kern wird die Dynamik von „Sengwarder Jungs“ (Wolfteich) befeuert. „Rainer und Thorsten Grimm haben in der Kreisliga bereits Trainerstunden bei Zbigniew Stefanski genommen, um sportlich weiter voran zu kommen. Und wenn man Rainer heute spielen sieht – das macht Spaß. Er ist die personifizierte Abteilung Attacke.“

Konkrete Gründe, warum in Sengwarden etwas wächst und bei den Männern fast alle Klassen besetzt sind, während drumherum der Tischtennis-Trend negativ ist, vermag der 60-Jährige aber nicht zu benennen. Eher geht es um Grundsätzliches. Wolfteich: „Tischtennis funktioniert oft in kleinen Vereinen besser. So war Blexen immer die Nummer 1, von Nordenham hört man dagegen nichts. Vielleicht finden sich dort eher Menschen, die sich engagieren und die Vereinstreue ist etwas größer.“

Im Tischtennis werden die Dinge einvernehmlich geregelt

Seit zwei Jahren wird Hartmut Wolfteich nach einem erfolgreich absolvierten Lehrgang bei höherklassigen Spielen auch als Oberschiedsrichter eingesetzt – zuletzt bei den Frauen des TuS Sande, in dieser Saison bei den Oberliga-Männern des MTV Jever. „Bislang hatte ich noch nichts auszustehen. Im Tischtennis regelt man die Dinge einvernehmlich untereinander.“

Die Schläger-Geschichten, die Noppen-Außen-Spieler Wolfteich erzählen kann, klingen aber trotzdem spannend. Und nach kleinen Fluchten, wo immer sich die Möglichkeit bietet. Denn da, wo heute rote oder schwarze Seiten des Schlägers dem Gegner zeigen, womit gespielt wird – zusammen mit dem Recht, sich vor dem ersten Aufschlag den Schläger zeigen zu lassen – herrschte früher unter dem Tisch Anarchie. Es wurde gedreht und gewendet, und weil auch zu hören ist, mit welchem Belag aufgeschlagen wird, fingen findige Akteure an, gleichzeitig mit dem Fuß aufzustampfen. Wolfteich: „Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Aber es gilt immer noch die Regel: Wer aus Jähzorn seinen Schläger zertrümmert, muss mit dem Flodder-Produkt weiterspielen.“

Ach ja: Gefährliche Gegner für Defensivkünstler Wolfteich gibt es natürlich auch im eigenen Haus, auch wenn die Zeiten aus der Kindheit, wo eine eigene Platte im Garten stand, vorbei sind. Ehefrau Heike spielt an Position 3 beim Bezirksoberligisten TTG Holtriem. Wer da gewinnt? Antwort Hartmut: „Wir zählen nicht.“ Antwort Heike: „Er kann so schlecht verlieren.“

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung
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