Wangerooge - Hannah Lang lächelt, als sie den Platz an der Seite von Laura Bente verlässt. Dass sie gerade mit 0:6, 1:6 verloren hat, stört sie kaum. In der Sommerrunde spielt sie für die Tennisfreunde Grün-Weiß Bergisch Gladbach in der Kreisliga und ist in der LK 23, der untersten Leistungsklasse einsortiert. Ihre Gegnerin ist da schon ein anderes Kaliber. Laura Bente wird in der Deutschen Rangliste auf Rang 429 geführt, hat bereits in der Bundesliga gespielt und läuft aktuell für den DTV Hannover in der Regionalliga auf. „Ich werde es genießen“, sagte Hannah Lang etwas eingeschüchtert vor der Partie, wohl wissend, dass es sportlich nicht viel zu holen geben wird. Doch sie kämpfte, bekam Szenenapplaus von den Rängen für gute Aktionen und verkaufte sich teuer. In den kurzen Pausen unterhielten sich die beiden Tennistalente intensiv. So rückte das Ergebnis schnell in den Hintergrund. Der Spaß am Tennis verbindet eben.

Und diese Verbindung zieht sich wie ein roter Faden durch die Begegnungen, die noch bis Freitag auf der Anlage auf Wangerooge ausgetragen werden. Zwar sind alle mit Ehrgeiz dabei, doch auf der Nordseeinsel ist der Sport eben nicht alles. Das wurde schon am Montagmorgen deutlich, als die ersten Partien der Herren 50 ausgetragen wurden. Die meisten Partien verliefen recht einseitig, doch eine Erklärung war schnell gefunden. Der letzte Ouzo, den es nach der Anmeldung am Sonntag im griechischen Restaurant an der Tennisanlage gegeben hat, muss schlecht gewesen sein. Diese Begründung würde einer genaueren Untersuchung zwar nicht standhalten, doch zeigt sie, wie entspannt die Sportler mit ihren Leistungen umgehen.

Doch für einige geht es auf Wangerooge um mehr. Zum einen kämpfen sie um ihren Teil der insgesamt 4200 Euro Preisgeld, zum anderen geht es um Punkte für die Deutsche Rangliste. Bei den Jüngsten spielen auch Familientraditionen eine Rolle. Anton Tolsdorff, vom Tennis-Club Berlin Tiergarten, bestritt auf der Insel sein erstes richtiges Turniermatch. Seine Großeltern hatten sich vor vielen Jahren beim Tennis auf der Insel kennengelernt und sind Stammgäste beim Turnier, auch wenn inzwischen nur noch die nächsten Generationen zum Schläger greifen. Beim Spiel von Anton in der Tennishalle war die Familie zahlreich vertreten. Doch die Unterstützung blieb zumindest mit Blick auf das Ergebnis wirkungslos. Anton musste sich seinem Kontrahenten klar geschlagen geben.

Die Pausen zwischen den Partien nutzen alle unterschiedlich. Die einen verbringen die Freizeit mit ihren Familien am Strand, andere verfolgen gespannt die Auftritte der Konkurrenz. Einer der viel Zeit auf der Anlage verbringt, ist Ole Heine. Selbst greift er für den Oldenburger TeV zum Schläger und gehört als amtierender Doppel-Landesmeister und 357. der Deutschen Rangliste zu den großen Talenten. Wenn er nicht selbst auf dem Platz steht, ist er in den Räumen der Turnierleitung zu finden. Dort kümmert er sich um gerissene Sehnen auf den Schlägern der anderen Aktiven und sorgt für neue Bespannung. Für entspannte Phasen am Strand bleibt ihm abends aber noch genug Zeit.

Jochen Schrievers
Jochen Schrievers Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung