Weene - In 40 Jahren Ossiloop-Geschichte kommt viel zusammen. Viel Schweiß und Muskelkater, viele Freudentränen oder auch Tränen der Enttäuschung, viele tausend Namen, Zielzeiten, Etappen und Sieger. Vor allem bei den harten Fakten kann man schnell den Überblick verlieren – das weiß Harm Park. Bei ihm laufen Anfragen auf wie „Wie viele Etappen bin ich nun schon gelaufen?“ – „Wann hat mein Vater noch seinen Etappensieg gefeiert?“ – „Wie viele Starter waren es gleich bei meiner Jubiläumsetappe 1998?“ All das sind Fragen, auf die Harm Park eine Antwort weiß. Nicht, weil er alles im Kopf hat, sondern weil er weiß, wo es steht. Der 67-Jährige ist der mittlerweile offizielle Statistiker des Ossiloops und hat im Laufe der Zeit mehr als drei Millionen Daten zusammengetragen. Auf der Homepage seines Heimatvereins TuS Weene, dessen Vorsitzender er ist, sind all diese Informationen zu finden. Sage und schreibe 57 Excel-Dateien hat er dort hinterlegt – Tendenz steigend. Die Word-Dokumente mit zusammengefassten Daten kommen noch dazu.

„Ich habe als Kind schon in frühesten Jahren alles gezählt und aufgeschrieben“, erzählt Harm Park. „,Gib mir zwei Zahlen – ich mach’ eine Statistik draus’, habe ich schon immer gesagt. Darin konnte ich mich ausleben und wohlfühlen.“ War kein Papier mehr vorhanden, wurden die Zahlen auf Tapetenrollen niedergeschrieben. Ob es das Wetter war, Wimbledon-Sieger, Formel-1-Fahrer – Harm Park hat einfach alles in Tabellen und Übersichten gebracht.

Neben seiner Vorliebe für Zahlen war der Sport von Kindesbeinen an ein treuer Begleiter des Aurichers. Vor allem Leichtathletik und Handball zählten zu seinen Leidenschaften, dem Laufsport ist er bis heute treu geblieben. 1990 nahm er zum ersten Mal am Ossiloop teil, der damals noch in deutlich kleineren Dimensionen daher kam. Sein bestes Ergebnis erzielte Harm Park 1993, als er Elfter des Gesamtklassements wurde. „Wo stehe ich damit wohl in der Gesamtstatistik?“, fragte er sich nach dem Erfolg. Das war die Geburtsstunde der Ossiloop-Statistik. Der Erfinder und Ausrichter des Laufes, Klaus Beyer, schaute einigermaßen erstaunt, als der damals 40-jährige Park ihn nach den Listen und Übersichten der vergangenen Läufe fragte, händigte ihm die Dokumente aber aus. Lediglich die Zahlen aus dem Premierenjahr 1982 fehlten. Da allerdings wurde Harm Park beim Ossiloop-Urgestein Hilde Steinke fündig.

Ein dreiviertel Jahr dauerte es, ehe der Auricher Athlet alle Namen und Etappen herausgeschrieben und Durchschnittsgeschwindigkeiten berechnet hatte. „Leider waren die nicht so recht vergleichbar, weil sich die Streckenführung zwischendurch ja auch geändert hat“, sagt Harm Park und denkt zurück an Etappen, bei denen es Crosslauf-artig über Feld und Wiesen ging, bei denen die Kühe nur mit Bändern davon abgehalten wurden, die Laufstrecke zu kreuzen.

Nachdem er alles zusammengestellt hatte, druckte er sein Ergebnis einmal aus – und auch nur einmal. „Das war wahnsinnig viel Papier“, erinnert er sich. Eine Lösung für die breite Masse war das auf jeden Fall nicht. So speicherte er die Daten auf Disketten und fand bei 40 bis 50 Ossiloop-Freunden tatsächlich auch Abnehmer.

Seitdem wächst das Archiv Jahr für Jahr weiter und die Anforderungen an Harm Park wachsen ebenso. „Man kann das sehen: Etwa einen Monat vor dem Ossiloop wird der Zustrom immer größer und die Klicks auf die Seite werden mehr. Die meisten interessiert, wie viel Etappen sie schon gelaufen sind“, erzählt er. Schwieriger wird seine Arbeit zum einen durch die schiere Masse der Läufer, aber auch die im Laufe der Zeit hinzugekommenen Wertungen für Firmen und Schulen macht die Zuordnung von Personen nicht einfacher. „Einige tragen sich mit immer anderen Geburtsdaten ein. Vielleicht wollen die sich jünger machen“, grübelt Harm Park. „Aber wenn ich nur den Namen Johann Janßen zum Beispiel habe, ohne irgendeinen weiteren Anhaltspunkt, dann wird es schon schwierig.“

Denn er muss alles manuell prüfen. Bei den kleinsten Abweichungen in der Schreibweise entstehen schon Fehler, und die will der 67-Jährige möglichst minimieren. Gefeit ist er davor natürlich nicht, aber er setzt auf die Mitarbeit der Läufer, die seine Seite besuchen. So hat sich einmal ein Sportler bei ihm gemeldet mit der Bitte, bei seinen gelaufenen Etappen doch bitte eine abzuziehen. Er habe einmal geschummelt und jemand anderen Laufen lassen. Da zwackte das schlechte Gewissen. Aber auch solchen Anfragen kommt Harm Park gerne nach, er liebt eben korrekte Zahlen. „Hätte ich gewusst, dass es ein Landesstatistikamt gibt... Das wäre sicher auch was für mich gewesen“, sagt er schmunzelnd. Aber auch in der Kämmerei der Stadt Aurich hat er sich über 30 Jahre lang gut aufgehoben gefühlt.

Dieser Tage schnürt Harm Park wieder selbst die Laufschuhe, mit der Startnummer 3019 absolviert er seinen insgesamt 32. Ossiloop. Die Etappen 169 bis 174 stehen an, das große Jubiläum zur 175. Etappe kann er dann hoffentlich im nächsten Jahr vor Zuschauern feiern. Und sollten Sie, lieber Leser, jetzt neugierig geworden sein, wo Sie gerade stehen und was Ihre statistischen Daten hergeben, so lohnt sich ein Blick auf die Seite von Harm Park.

Kathrin Kraft
Kathrin Kraft Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung