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Fußball Frank Löning ist neuer Trainer von Germania Wiesmoor

Wiesmoor - Wenn die Bezirksliga-Fußballer des VfB Germania Wiesmoor am 2. Juli zum Vorbereitungsspiel nach Wallinghausen fahren, ist es für ihren neuen Trainer eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. Frank Löning durchlief in Wallinghausen die Jugendabteilung, ehe ihn sein Weg als Spieler quer durch die Republik führte. Dass er nun in Wiesmoor den Trainerposten übernommen hat, ist nicht zuletzt eine Entscheidung für die Familie gewesen, die nach wie vor in Ostfriesland wohnt. Während seiner Zeit als Spieler ist die Familie oft zu kurz gekommen.

Fußball stand immer ganz oben

„Das stand immer hinten an“, sagt er rückblickend. An erster Stelle stand immer der Fußball. Ob bei Krankheit oder Familienfesten – Frank war oftmals nicht vor Ort. „Ich habe meine eigenen Geburtstage verpasst“, erklärt er. All das, weil er ein klares Ziel vor Augen hatte: Er wollte hochklassig Fußball spielen. Und das hat er geschafft. Von Wallinghausen wechselte der heute 39-Jährige in die Niedersachsenliga zum TuS Esens. Weiter ging es beim BSV Kickers Emden und dem SV Wilhelmshaven. Mit dem SVW stieg er 2006 in die Regionalliga auf. Von der Jade ging es an die Weser. Mit dem SV Werder Bremen II warf er den 1. Köln und den FC St. Pauli aus dem DFB-Pokal und spielte mit der ersten Mannschaft im Ligapokal gegen Bayern München. Die nächste Station hieß SC Paderborn. Dank der Tore des Stürmers aus Ostfriesland gelang in der Relegation der Sprung in die zweite Liga. Auch mit dem SV Sandhausen stieg Löning in die zweite Liga auf. Es folgten Engagements in Aue, Chemnitz und bei RW Essen, ehe er 2017 seine Profi-Karriere beendete.

Dem Fußball blieb er aber treu. Direkt nachdem er als Spieler aufgehört hatte, machte er seinen Trainerschein. Doch statt als Coach arbeitete er zunächst als Fanbeauftragter bei seinem alten Verein SV Sandhausen. Eine Position, die aus mehreren Gründen nicht gerade erfüllend war. Zum einen fehlte Löning die Arbeit auf dem Platz. Zum anderen hatte der Verein den Posten wohl nur geschaffen, „weil man sowas eben braucht“. Strukturen oder ein festes Aufgabengebiet gab es nicht. Am Ende hatten Löning und der Verein recht unterschiedliche Auffassungen, wie der Job zu erledigen sei. 2019 wurde er Trainer der U 23-Mannschaft und sollte das Nachwuchsleistungszentrum leiten. Was sich zunächst nach einem Posten mit vielen Möglichkeiten und guten Strukturen innerhalb eines Proficlubs anhört, entpuppte sich als organisatorische Herausforderung. Hinzu kamen Meinungsverschiedenheiten mit dem neuen Geschäftsführer. Es folgten Mobbing, die Trennung und die Rückkehr in die ostfriesische Heimat.

Berufsausbildung macht sich spät bezahlt

In Wiesmoor wurde die VfB-Arena zu seiner neuen beruflichen Heimat. Allerdings waren in der Soccerhalle zunächst nicht Bälle, sondern Wattestäbchen sein Arbeitsgerät. Bevor Löning Fußballprofi wurde, hatte er eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht. „Meine Eltern haben darauf bestanden, dass ich erst einmal einen Beruf lerne“, sagt er und lächelt. Das ist ihm nun im Corona-Testzentrum zugute gekommen. Künftig will er sich aber wieder voll und ganz auf die Arbeit mit dem Fußball konzentrieren, sowohl in der Arena als auch als Coach des Bezirksliga-Teams. Nachdem er in Sandhausen mit vielen strukturellen Problemen zu kämpfen hatte, war Löning positiv überrascht, wie gut die Wiesmoorer aufgestellt sind. „Die haben hier gute Leute und in den vergangenen Jahren vieles aufgearbeitet“, lobt er seinen neuen Arbeitgeber.

Als Trainer des Bezirksliga-Teams steht er jedoch neuen Herausforderungen gegenüber. Zum einen kann noch niemand einordnen, wo die Mannschaft nach der langen Zwangspause sportlich steht. Und anders als bei der Oberliga-Truppe in Sandhausen sind kurzfristige Absagen oder Verspätungen beim Training nicht selten. „In Sandhausen war die U 23 ja quasi eine Profi-Truppe. Da wusstest du vormittags genau, wer abends beim Training ist. Das ist hier anders, die sind eben alle berufstätig“, erklärt Löning. Aus privaten Gründen ein Training oder gar ein Spiel zu verpassen, das hätte er sich selbst nie erlaubt. Da er aber aus eigener Erfahrung weiß, was das für das soziale Umfeld bedeutet, hat er dafür durchaus Verständnis. „Wenn einer lieber mit seiner Freundin essen gehen will, soll er mir das ehrlich sagen“, erklärt er grinsend.

Klare Vorstellungen und kleine Probleme

Sportlich hat er klare Vorstellungen, wie in Wiesmoor künftig gespielt werden soll. Als ehemaliger Zweitliga-Stürmer setzt er auf eine eher offensive Ausrichtung. Wann er was umsetzen kann, vermag er noch nicht zu sagen, dafür kennt er sein Team noch nicht gut genug. „Einige verstehen sofort, was ich von ihnen will und setzen das um. Andere brauchen eben etwas länger“, erklärt er. Aber das sind eben die üblichen Schwierigkeiten im Amateurfußball. Seine Erfahrungen als Spieler kommen ihm aber in vielerlei Hinsicht zugute. „Ich war nie der Schnellste oder Fitteste. Ich hatte auch immer ein paar Kilo mehr drauf als andere“, sagt er. Daher sei es umso wichtiger gewesen, frühzeitig zu erkennen, was rund um ihn herum los ist. Und genau das versucht er den Wiesmoorern im Training zu vermitteln. Und den Worten lässt er Taten folgen. Im Trainingsspiel lässt er sein Gegenüber regelmäßig mit kurzen Antritten stehen. Dass er im Torabschluss die ersten Versuche am Gehäuse vorbei zirkelt, sorgt bei seinen Spielern für den einen oder anderen Lacher. „Der kann das ja gar nicht mehr“, merkt einer lautstark an. Doch das war etwas voreilig, der nächste Schuss landet präzise im Netz und nun grinst der Trainer.

Profibereich weiter im Visier

Langfristig will Löning zurück in den Profibereich. Eigentlich wollte er die A-Lizenz schon in der Tasche haben, aber durch den Lockdown fielen die Lehrgänge aus. Nun heißt es warten. Als Schritt zurück sieht er den Weg von der Oberliga in die Bezirksliga aber nicht. „Eher als Schritt zur Seite“, erläutert er. Die Fehler, die Spieler machen, seien schließlich dieselben wie in der Bundesliga. Lediglich die Intensität und die Fehlerhäufigkeit seien eine andere. Und sein neues Team habe ihn durchaus positiv überrascht. Frank Löning freut sich über die neue Herausforderung und will die Mannschaft weiter voranbringen. „Wir werden Spiele gewinnen und sicherlich auch welche verlieren. Entscheidend ist die Entwicklung, die das Team macht“, erklärt er.

Dem heutigen Testspiel will er dabei keine allzu große Bedeutung beimessen. „Die sind alle heiß und wollen erst einmal wieder spielen“, sagt er und will seine Jungs einfach laufen lassen. Am liebsten würde er selbst wieder die Schuhe schnüren und mitkicken. Nach der langen Pause juckt es den ehemaligen Profi eben doch im Fuß.

Jochen Schrievers
Jochen Schrievers Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung
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