Wilhelmshaven - Gary Gerr muss erst einmal seine Hausaufgaben erledigen. Und die haben etwas mit Tennis zu tun, seiner Lieblingssportart. Derzeit absolviert der 14-jährige IGS-Schüler sein dreiwöchiges Berufspraktikum – passenderweise bei der Jade Tennis Gesellschaft, wo sich Trainer Miro Nekic seit einem Jahr um das Nachwuchstalent kümmert.
Zunächst einmal muss der Neuntklässler die Praktikumsmappe mit seiner Lehrerin durchsprechen, die dafür einen Abstecher an die Freiligrathstraße gemacht hat. Am Ende wird eine Präsentation für die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 stehen, die für alle „Praktikanten“, egal in welchem Bereich, verpflichtend ist.
Zu erzählen hat der 14-Jährige genug über sein Ziel, irgendwann im Profitennis Fuß zu fassen. Jahrelang gab es in seinem Alter kaum ernsthafte Konkurrenz, sodass Gerr früh gegen deutlich ältere Gegner antrat. Dann kam der 26. Dezember 2020 – das Turnier-Datum hat der Schüler noch genau im Kopf – , als Gerr bei einem Netzangriff umknickte und anschließend wochenlang ausfiel.
Die Zwangspause nutzten Gerr und seine Eltern, um das „Unternehmen Profitennis“ neu aufzustellen. Neben den wöchentlichen Fitness-Einheiten im Stadtpark bei Reiner Schumacher und den drei Tennis-Terminen pro Woche in Oldenburg bei Landestrainer Daniel Greulich, trainiert WTHCer Gary Gerr seit Januar 2021 bei Miro Nekic (JTG), um sein Spiel weiter zu verbessern.
Und das mit Erfolg, wie beide Seiten unabhängig voneinander feststellen. Gerr: „Ich bin in meinem Spiel sicherer geworden. Ansonsten haben wir speziell an meinem Aufschlag gearbeitet, meine Vorhand umgestellt und Slice und Volley deutlich verbessert.“
Ähnlich sieht das sein Coach. „Gary hat sich positiv entwickelt. Und für mich am Wichtigsten: Er gibt in jedem Training 100 Prozent.“
Das größte Problem für das Nachwuchstalent ist derzeit aber nicht, was der rechte Arm, sondern was der Kopf macht. Exemplarisch zeigte das im Sommer ein Match beim Henner-Henkel-Cup in Celle. Gegen die Nummer 1 in seiner Altersklasse in Niedersachsen, Noel Albes (HTV Hannover), verlor Gerr nach einer 6:4 und 3:1-Führung noch mit 6:7 und 5:10. „Als ich gemerkt habe, wie gut ich bin, fing plötzlich das große Zittern an.“
Das Mentale in den Griff zu bekommen, ist auch für den JTG-Trainer das große Thema. „Drei Jahre lang hat er fast alles gewonnen. Aber das ist nicht das wahre Tennis-Leben. In dem ist er jetzt angekommen. Und da belohnt er sich im Augenblick noch nicht für seine gute Arbeit, weil ihm der Glaube an den Erfolg noch zu schnell abhanden kommt. Aber er soll lieber jetzt Partien verlieren als in zwei Jahren.“
Auch der Blick des 14-Jährigen auf seine 2021er-Bilanz fällt selbstkritisch aus. „Klar, kann man nicht immer nur gewinnen, aber ein paar Erfolge mehr hätten es schon sein dürfen.“
Bei den U 14-Landesmeisterschaften im Sommer in Oldenburg schied Gerr im Halbfinale in drei Sätzen gegen den späteren Turniersieger aus. Und bei den „Deutschen“ in Ludwigshafen am Ende der Sommerferien gingen gegen die besser gesetzten Gegner alle drei Gruppenspiele sehr deutlich in jeweils zwei Sätzen verloren.
