Wilhelmshaven - Rund 2000 Schlachtenbummler begleiteten den TSR Olympia im September 1972 nach Donnerschwee zum Auswärtsspiel beim VfB Oldenburg.

Bevor der Fußball-Regionalligist mit 1:2 verlor und sich TSR-Trainer Werner Banasch über die Brutalität der Oldenburger Spieler ausließ, muss allerdings erst einmal die Anreise unter die Lupe genommen werden.

Denn neben den 350 Bahnreisenden machte sich der Rest der TSR-Fans mit dem Auto auf die „beschwerliche Reise nach Oldenburg“, wie der WZ-Sport notierte.

Beschwerlich? Für Autofahrer, die auf der A 29 heute nur noch über ihre Höchstgeschwindigkeit nachdenken, ein kurzer Wikipedia-Exkurs in die Geschichte: Die Entscheidung für den Bau der Autobahn fiel erst im Mai 1969 durch den damaligen Bundesverkehrsminister Georg Leber. Erst im April 1984 rollten Autos über die A 29, deren Baukosten bei insgesamt 680 Millionen Mark lagen. Insbesondere das Teilstück zwischen Wilhelmshaven und Zetel erwies sich aufgrund des wenig tragfähigen Untergrundes im ehemaligen Gebiet des Schwarzen Bracks als extrem kosten- und zeitaufwendig.

Das TSR-Team war bereits am Freitag ins Trainingslager nach Westerstede gereist, um sich auf das Derby gegen den Aufsteiger vorzubereiten. Doch dann lief es nicht nach Wunsch. Rainer Pigors brachte die Gäste zwar in der 19. Minute in Führung, am Ende aber verloren die „durch grobe Fouls demoralisierten“ (Banasch) Wilhelmshavener mit 1:2. Und das, obwohl die von Helmut Mrosla trainierten Oldenburger das Spiel in Unterzahl beendeten. Doch auch das schrieb der TSR-Coach der Gangart des Gegners zu. „Unsere Mannschaft konnte nicht mehr zu ihrem Spiel finden, weil sie psychisch und moralisch fertig gemacht wurde.“

Zwei Jubiläen wurden gefeiert. Die Radballer des RC Jade – der Verein beschloss im Januar 2021 seine Auflösung – veranstalteten anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens ein Radball-Turnier mit neun Mannschaften, bei dem das heimische Team (Jürgen Reisig, Helmuth Betten) auf Platz fünf landete. Und seit 25 Jahren bestand im Jahr 1972 das Ballettstudio von Inge Stoffers. Dafür wurde ein großer Ballettabend im Stadttheater vorbereitet.

Die Jugendstandarte im Reiten ging zum zweiten Mal in Folge an den RSV Altengroden, der auf dem Gelände der Reitschule Klose sein traditionelles Turnier für den Nachwuchs ausrichtete. Zum erfolgreichen RSV-Team, das vor dem RuF Wilhelmshaven und Jever-Moorhausen gewann, gehörten Bärbel Schröter, Sybille Schay, Heike Danker und Ulrich Willmes. Der vom Sportausschuss-Vorsitzenden Friedrich C. Schüler übergebene Ehrenpreis der Stadt Wilhelmshaven ging an Monika Janssen (RuF Wilhelmshaven).

Fußball total – auch das gehörte zu den 1970er-Jahren in der Region. Allein die Fußballer aus Friesland starteten im September in vier Kreisklassen in die Saison. Die reichen heute für den Großkreis Jade-Weser-Hunte

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung