Wilhelmshaven - Es gibt zahlreiche „verlorene“ Sportplätze in Wilhelmshaven und Umgebung. Und vielerorts erinnern Relikte an die glorreiche sportliche Vergangenheit. An der heutigen Friedrich-Paffrath-Straße (eingangs des Stadtparks und unweit des Klinikums) aber erinnert nichts mehr an die großen Zeiten des TuS Schaar, der kurz nach dem Krieg 1947 im „Schützenhof“ aus der Taufe gehoben wurde und in den folgenden Jahrzehnten zu einer Macht im Feldhandball aufstieg.

Ein Zeuge dieser glorreichen Zeiten ist der Jadestädter Helmuth Heckmann. „Ich bin 1967 in den TuS Schaar eingetreten“, erinnert sich der 78-Jährige, der zuvor beim TSR Fußball gespielt hatte. „Mein Freund Christian Lindemann hatte mich zu den Handballern des TuS gelotst. Und damit ich nicht mehr so viel laufen musste, habe ich für die Position des Torhüters entschieden.“

Keine schlechte Entscheidung, denn spätestens Ende der 60er-Jahre waren die Grün-Weißen die Nummer eins im Feldhandball – und das nicht nur in Wilhelmshaven. 1973 stiegen die Schützlinge des damaligen Erfolgstrainers Hein Hauptmann in die höchste deutsche Spielklasse – die Regionalliga – auf und wurden dort in der Folgesaison auf Anhieb Staffelsieger.

Zu den Leistungsträgern zählten Torhüter Holger Heinrich, Achim Diekmann, Norbert Frank, Helmut Quiel oder Gerold Ueckert. Zum ganz großen Wurf sollte es aber nicht reichen: Im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft zog man gegen den sowohl im Feld als auch in der Halle schon renommierten TSV Birkenau knapp den Kürzeren. „In diesem Spiel habe ich einem kleinen Jungen das einzige Autogramm in meiner Karriere gegeben“, sagt Heckmann, damals hinter Heinrich die Nummer zwei im TuS-Tor.

Gespielt wurde zu diesem Zeitpunkt aber schon an der Friedenstraße, auch weil die Platzqualität am Stadtpark viele Wünsche offen ließ. Heckmann: „Der Rasen wurde nie gesprengt. Wir Spieler haben die tiefen Risse auf dem Platz immer wieder mit Sand ausgebessert. Trotzdem wurde auf diesem Platz so manche Schlacht geschlagen.“

Für die Leichtathletik-Sparte wurde bereits 1954 eine 100-Meter-Laufbahn mit angrenzender „Sandkiste“ für die Weitspringer errichtet. Auch Fußball wurde beim TuS kurzzeitig gespielt, etablierte sich aber nicht. 1962 wurde die alte Holzbaracke, die als Umkleide und später als Pferdestall diente, abgerissen und von den Mitgliedern in Eigenleistung durch ein massives Umkleidegebäude ersetzt.

„Ende der 70er Jahre hat sich unser Vorstand verstärkt um eine Fusion mit einem anderen Verein bemüht“, blickt Heckmann zurück. 1979 schlossen sich die Grün-Weißen schließlich dem heutigen WSSV an. Hier ist Heckmann auch heute noch in der Eisstock-Sparte aktiv.

Carsten Conrads
Carsten Conrads Sportredaktion