Wilhelmshaven - Eigentlich hätte Kuno Schauer, Rückraumspieler des Wilhelmshavener HV, nach der 25:32-Niederlage bei Spitzenreiter HSV Hamburg gar nichts mehr sagen müssen. Alle Gesten gegen Ende der Handball-Zweitliga-Partie, alle Blicke, das Schulterzucken – das sprach Bände.

Und aus dem Mund Schauers, zuvor 60 Minuten lang einer der agilsten Gästespieler, folgte dann auch nur noch die Bestätigung. „In Hamburg musst du nicht gewinnen. Aber zwischenzeitlich haben wir ordentlich verteidigt, einige Bälle gewonnen, diese Chancen dann aber zu häufig weggeworfen.“

Wie die Gäste beim Spitzenreiter zum Erfolg kommen wollten, war schnell klar. Die Angriffe wurden extrem lange ausgespielt, allerdings ging das auch zu Lasten der Überraschungseffekte. Die Folge: nach dem ersten Treffer des Spiels durch Rene Drechsler zur einzigen Gästeführung nach einem 96 Sekunden langen Angriff, fehlten Durchschlagskraft und Tempo. Hamburg nutzte das zu einem (etwas schnelleren) 4:1 – auch weil Vedran Delic vom Siebenmeterpunkt am ehemaligen Teamkollegen Jens Vortmann scheiterte und immer wieder wegen des drohenden Zeitspiels aus schlechten Positionen abgeschlossen werden musste.

Trotzdem blieben die Wilhelmshavener dran, weil auch die Hamburger nicht gerade ein Feuerwerk abbrannten. Mit zwei Ausnahmen: Kreisläufer Niklas Weller demonstrierte, warum der 27-Jährige, der für Hamburg 2015 schon in der Oberliga aktiv war, vor der Partie mit 138 Treffern der beste Torschütze war. Den egal, welcher WHV-Akteur sich links oder rechts von ihm aufbaute, Weller fand immer eine Lücke. Sieben Treffer im ersten Durchgang und insgesamt neun bis zur seiner Auswechslung sprachen Bände.

Der zweite HSV-Akteur, der so variantenreich, sprungstark und durchsetzungsfähig auftrat wie befürchtet, war Leif Tissier. Immer wenn beim HSV nichts mehr zu gehen drohte, zauberte der Spielmacher noch einen Wurf oder ein Anspiel aus dem Ärmel.

Die frühe Entscheidung fiel dann unmittelbar nach der Pause. In Überzahl kamen die Wilhelmshavener zwar zu Ballgewinnen, warfen diese Chancen aber gleich mehrfach weg. Schlimmer noch: die Mixtur aus falschen Entscheidungen und Fehlpässen führte zu direkten Ballverlusten, direkten Gegenstößen und einem 4:0-Lauf der Gastgeber, die nach dem 20:11 (34.) alles im Griff hatten. Zweimal lag der WHV anschließend zweistellig zurück (18:28/52., 20:30/54.), ließ sich von auf mehreren Positionen wechselnden Hamburger aber zumindest nicht „abschießen“.

Unwidersprochen durfte Leif Tissier auf Hamburger Seite aber einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg bilanzieren, während WHV-Trainer Christian Köhrmann mit den halben Dutzend Fehlern nach Balleroberungen haderte.

Viel Zeit, alle wieder aufzurichten, bleibt nicht. Bereits am Mittwoch (20 Uhr), 12. Mai, gastieren die Bietigheimer (am Freitag 41:31 gegen Emsdetten) in der Nordfrost-Arena. Angesichts der akuten Abstiegsgefahr des Aufsteigers ist ein Sieg gegen den Tabellenachten – mit Ex-WHV-Spieler Juan de la Pena – eigentlich fast schon Pflicht.

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung