Wilhelmshaven - Wer im Internet nach dem Namen Matthias Müller und dem Stichwort Segeln sucht, landet bei einer Wassersport-Firma in Rostock, einem Jüngsten-Obmann aus Stuttgart und einem Segler, der vor zwei Jahren vor einer Atlantik-Überquerung von den Bermudas nach Hamburg stand.
Der gebürtige Wilhelmshavener Matthias Müller, am Wochenende mit seinem Boot bei der Horum-Regatta am Start, trägt das mit Fassung – und einer Portion Humor, die nicht das letzte Mal aufblitzen wird. „Müller, Meier, Schulze – angesichts meines Nachnamens ist es wohl nicht so ungewöhnlich, dass die Google-Trefferquote etwas zu wünschen übrig lässt.“
Dabei hat der 35-Jährige durchaus schon Spuren hinterlassen. Denn der studierte Maschinenbauer segelt seit Jahrzehnten. „Ich habe als Kind schon mit Begeisterung bei meinem Vater im Boot gesessen und dann mit einem Opti angefangen, selber zu segeln. Und genauso früh stand für mich fest, dass Fußball gegen das Segeln keine Chance hat.“
Eine zweijährige Pause diktierte nur die Geburt des ersten Sohns in die sportliche Biografie. Matthias Müller verkaufte seinen Katamaran, doch das blieb nur ein Intermezzo an Land. Und als dann die Familie ähnliche Wassersportambitionen hegte wie Müller selbst als Kind, war der Weg zum neuen Boot nicht weit.
Mittlerweile hat der 35-Jährige auch „sein“ Boot gefunden. Im Herbst 2019 entdeckte der Wilhelmshavener eine gebrauchte Farr 1104 im Internet. „Ebay-Kleineinzeigen bietet da einen Riesenmarkt.“ Und das elf Meter lange Segelboot eroberte sofort das Herz des Maschinenbauers. „Ich war auf der Suche nach einem sportlichen Boot. Und Form und Schnitt haben mir bei der Njord einfach zugesagt.“
So schnell wie dann alles ging („Ich bin sofort nach Rostock gefahren und habe zugesagt“), so erinnerungsträchtig war die Überführung der Yacht. „Mitte Oktober kann es auf der Nordsee schon einmal nicht so schön sein, aber ich wollte das Boot unbedingt vor dem Winter schon in Wilhelmshaven haben. Eine grundsätzlich gute Idee. Aber unterwegs kamen mir Zweifel. Das war irgendwo zwischen sehr anspruchsvoll und grenzwertig angesiedelt.“
Die Eile war letztlich nicht zwingend nötig, denn Corona bremste im März anfangs auch die Segler aus – und pulverisierte nicht nur bei der Familie Müller Urlaubspläne, die sich häufig auf das Chartern von Booten im Mittelmeer (Kroatien, Sardinien) beziehen. Matthias Müller: „Letztlich sind wir hier an der Küste noch glimpflich davon gekommen. Der Regatta-Kalender wurde zwar gefleddert, aber immerhin konnten wir auch unsere Mittwochs-Regatten verspätet aufnehmen – wenn auch wie sonst üblich ohne Gäste. Und natürlich gibt es an einem Boot, auch wenn es im Hafen liegt, immer etwas zu tun.“
Jetzt freut sich der 35-Jährige aber erst einmal darauf, dass es nach der Jade-Regatta mit der Horum-Regatta noch eine weitere Segelsport-Veranstaltung in der Region gibt. Die allerdings wird für Steuermann Matthias Müller – mit Partnerin Silke und Sohn Lasse an Bord – eher Genuss-Charakter haben. „Ich fahre mit wechselnden Crews. Und davon hängt immer auch die sportliche Zielsetzung ab.“
Etwas anderes gehört für Matthias Müller, der nach zwei Jahren bei der Lürssen-Werft für eine Firma in Varel Windkanal-Modelle und Prototypen für den Flugzeugbau entwickelt, aber auch zum Segeln. Aber darauf müssen die Teilnehmer – gemeldet sind für die 51. Auflage derzeit mehr als 50 Boote – am Samstag verzichten. „Keine Steuermannsbesprechung, keine Siegerehrung, keine Regatta-Fete – das ist schon nur der halbe Spaß, denn Segler können Feiern. Aber es ist besser als nichts und ich bin mir sicher, dass sich alle schon jetzt auf eine hoffentlich normale nächste Saison freuen.“
Der Bootsname „Njord“ bezieht sich im Übrigen in der nordische Mythologie auf einen Gott des Meeres. Seine Fürsprache werden Matthias Müller und seine Regatta-Mitstreiter am Samstag vermutlich auch gebrauchen können. Denn die Wetterberichte melden ein Ende des Sommers und deutlich auffrischenden Wind. Den Njord-Steuermann macht das aber nicht nervös. „Ich freue mich auf einen schönen Tag an Bord. Denn bei allem Ehrgeiz ist Segeln für mich die größte Entspannung, die man haben kann.“
