Wilhelmshaven - Menninga-Verhaftung, Insolvenz, Gehaltseinbußen, Verletzungen, zahlreiche Spielerab- und zugänge – und trotzdem leben sie noch, die Zweitliga-Handballer des Wilhelmshavener HV. Die Bilanz nach Abschluss der Hinrunde (mit dem Nachholspiel in Eisenbach/24:36) ist zwar ausbaufähig. Mit zwölf Punkten aus 18 Spielen haben die Jadestädter ihr Schicksal im Kampf um den Klassenerhalt aber weiterhin selbst in der Hand.
Nach Siegen in den Rückrundenpartien in Hamm (32:31) und gegen Fürstenfeldbruck (35:32) steht der WHV inzwischen sogar schon bei 16 Zählern. Vier davon werden dem Aufsteiger aber ja bekanntermaßen nach Saisonende noch abgezogen, da der Club insolvenzbedingt den wirtschaftlichen Träger wechseln musste.
„Die Saison ist in jeder Hinsicht eine besondere“, sagt Trainer Christian Köhrmann beim Blick zurück auf die 18 Partien der Hinrunde, in der sein Team nach gutem Start (6:2 Punkte) weitere wichtige big points holte, aber auch einige sportliche Rückschläge verkraften musste. „Wenn ich überlege, was in den letzten Monaten mit uns und um uns herum passiert ist, kann ich vor meiner Mannschaft und allen Mitarbeitern im Umfeld nur den Hut ziehen. Wir alle mussten viel verkraften und deshalb bin ich mit dem Verlauf der Hinrunde auch sehr zufrieden.“
Auch für den erfahrenen Coach ist die Zeit seit dem 16. September 2020 – dem Tag der Verhaftung von Hauptsponsor Maik Menninga – die größte Herausforderung seiner Karriere. Insgesamt 25 Spieler (!) standen seit Saisonbeginn bei den Jadestädtern unter Vertrag. Davon blieben nur Juan de la Pena (heute Bietigheim), Nils Torbrügge (Nordhorn) und der nach wie vor verletzte Sebastian Maas ohne Pflichtspieleinsatz. Alle anderen haben gespielt, wenn auch nur sporadisch – wie im Fall von Tim Rozman (1 Spiel, 2 Tore, heute TuSEM Essen).
„Es nicht natürlich nicht einfach, bei laufendem Betrieb immer wieder neue Spieler auf Schlüsselpositionen zu integrieren“, sagt Köhrmann. „Von der ursprünglichen Personalplanung ist ja kaum etwas übrig geblieben. In einigen Bereichen mussten wir immer wieder bei Null anfangen – sportliche Rückschläge sind vor diesem Hintergrund wenig überraschend.“
Nun hofft der Trainer zumindest auf einen Hauch Normalität, denn die hat es bei den Jadestädtern aus Sicht von Köhrmann bislang nicht gegeben. „Es gab immer wieder Unwägbarkeiten – wie zuletzt die Verletzungen von Vorontsov und Pust oder den Weggang von Vortmann. Neue Spieler sind gekommen und müssen schnell integriert werden. Das erfordert viel Arbeit und eine gute Planung – auch dieser Herausforderung werden wir uns annehmen.“
Bei der Frage nach den Höhe- und Tiefpunkten der Hinrunde will sich Köhrmann nicht mit Negativem beschäftigen. „Wir haben viele direkte Konkurrenten geschlagen und in vielen Spielen auch gute Nehmerqualitäten bewiesen“, sagt der WHV-Coach. „Aber auch mit Spielen, die knapp verloren wurden, war ich durchaus zufrieden. Die Jungs hatten bislang kaum Zeit, sich auf den Handball zu fokussieren. Trotzdem bin ich optimistisch, dass wir in der Rückrunde die Früchte unserer harten Arbeit ernten werden.“
