Wilhelmshaven - In der 3. Handball-Liga Nord steigt an diesem Samstagabend (19.30 Uhr, Nordfrost-Arena) das Derby zwischen dem Wilhelmshavener HV und dem Nachbarn OHV Aurich. Ein echter Klassiker, fast immer (und egal in welcher Spielklasse) mit ganz klarer Rollenverteilung: Der WHV ist Favorit – Aurich klarer Außenseiter.

An dieser Konstellation will auch aktuell kein Verantwortlicher auf beiden Seiten rütteln. Klar ist aber: Selten war die Chance für die Ostfriesen so groß wie in diesen Tagen. Das sieht auch der in Wilhelmshaven geborene OHV-Rückraumspieler Jonas Wark so: „Vielleicht ist unsere Zeit jetzt endlich mal gekommen.“Eine gute Halbzeit
wird nicht reichen

„Es wird zur Sache gehen – da brauchen wir uns nichts vormachen“, sagt WHV-Trainer Christian Köhrmann. „Man kennt sich aus zahlreichen Vergleichen, egal ob in der Liga oder in der Vorbereitung. Die letzten Derbys waren immer eng. Wir freuen uns auf die Herausforderung, auf viele Zuschauer und eine tolle Stimmung in der Arena.“

Beim jüngsten Auswärtssieg in Nienburg begnügten sich die Jadestädter mit einer vernünftigen Halbzeit, in der man den 14:16-Pausenrückstand schnell wettmachte und den Aufsteiger am Ende noch halbwegs standesgemäß in die Schranken wies (32:26). „Das wird uns gegen Aurich natürlich nicht reichen“, weiß Köhrmann. Deshalb fordert der Trainer: „Wir müssen von der ersten Sekunde wach sein, die Zweikämpfe sofort annehmen und über 60 Minuten abliefern.“

Schweigart: „Zufrieden
ist hier niemand“

Wer kennt den Gegner besser als WHV-Spielmacher Jonas Schweigart, der fünf Jahre lang das OHV-Spiel auf der Mitte ankurbelte und im Sommer an die Jade zurückkehrte. „Wir sind ja nicht die einzige Mannschaft, die bislang unter den Erwartungen geblieben ist“, sagt der 25-jährige Jadestädter mit Blick auf die 8:10-Bilanz der Ostfriesen, die zuletzt weitgehend chancenlos gegen den siebten Braunschweiger Feldspieler waren.

„Aber vor so einem Derby spielen die bisherigen Ergebnisse keine Rolle. Ich kenne den OHV als Mannschaft mit viel Charakter, vielen Emotionen, tollem Teamspirit und einer guten Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Von einer Krise ist der Gegner weit entfernt. Deshalb sind wir aus meiner Sicht zwar immer noch Favorit, wenn auch nicht so klar wie in den letzten Jahren.“

Charakter, Emotionen, Teamspirit – alles Handball-Tugenden, die Schweigart natürlich auch bei seiner eigenen Mannschaft sieht. „Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist gut, wir trainieren alle sehr hart und wollen endlich richtig in die Spur kommen“, sagt der 25-Jährige. „Und um das klarzustellen: Zufrieden ist hier niemand. Wir haben als Mannschaft noch Luft nach oben. Auch bei mir. Immer verlassen konnten wir uns bislang auf unsere Torhüter, die immer abgeliefert haben. Insgesamt flutscht es einfach noch nicht, aber das kriegen wir schon hin.“Weiter Sorgen um
Schwolow und Maas

Personell sind die Sorgen aufseiten der Gastgeber nicht kleiner geworden: Neben den verletzten Rene Drechsler und Corvin Troschke (OP-Termin 18. November in Kiel) bangt Köhrmann noch um Tobias Schwolow und Sebastian Maas. „Beide haben nicht bzw. nur sehr eingeschränkt trainiert“, sagt der Coach. „Ich hoffe, es reicht für Samstag. Im Derby brauchen wir jeden Mann.“

Beim OHV wird nur Wilke de Buhr fehlen, und die Ostfriesen wittern Morgenluft. „Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe, das wir gewinnen wollen“, sagt Manager Ewald Meyer. „Der Zeitpunkt scheint aus meiner Sicht günstig, auch wenn sich der WHV garantiert steigern wird.“

Carsten Conrads
Carsten Conrads Sportredaktion