Wilhelmshaven - Der Leitspruch für den „bewegten“ Ulf Popken steht im Flur seines Hauses in Heppens an der Wand. „Never Give Up“ – gibt niemals auf, heißt es da. Und die Belege, dass der 41-jährige Spätstarter das auch nicht getan hat, hängen bunt aufgereiht darunter.

Aktuell ist gerade die Medaille der Nordsee-Challenge dazugekommen, ein virtueller, 450 Kilometer langer Lauf, der der Strecke von Sylt nach Borkum entspricht. 37 Läufe und knapp vier Monate hat der Zollbeamte dafür gebraucht. Am 25. Dezember war der letzte Lauf absolviert, an Silvester kam die Medaille mit der Post.

Das virtuelle Laufen, da ist sich Popken sicher, wird das reale nie verdrängen können. In Zeiten, in denen aber Läuferinnen und Läufer nicht gemeinsam ihrem Hobby nachgehen können, bieten die virtuellen Läufe, so der Wilhelmshavener, eine gute Möglichkeit, sich ein Ziel zu setzen und einer Herausforderung zu stellen.

Im persönlichen Highlight-Ranking allerdings nimmt sein erster Marathon im Oktober 2018 in Bremen unangefochten die Spitzenposition ein. Ulf Popken: „Ich bin Werder-Fan, der Marathon führt durchs Weser-Stadion – dazu die vielen Leute an der Strecke. Das war eine großartige Marathon-Premiere.“

Und eine, bei der auch die Nettozeit – 3:52:09 Stunden – das allgemeine Wohlbefinden und die gute Vorbereitung (Popken trainierte nach einem Zehn-Wochen-Plan von Herbert Steffny für eine Zeit unter vier Stunden) widerspiegelte. Ulf Popken: „Es lief einfach richtig rund. Und wenn dann jenseits der 30 Kilometer die Probleme etwas größer werden und der Mann im Ohr dich fragt, warum du dir das antust, dann bist du bereits auf der Promenade und siehst schon das Weser-Stadion. Und dann hörst du als Werder-Fan nicht auf. Denn du willst schließlich irgendwo bei Kilometer 38 von Stadionsprecher Christian Stoll begrüßt werden. Und wenn du dann über die Ostkurve das Stadion verlässt und auf den Osterdeich einbiegst, ist es auch schon nicht mehr weit ins Ziel. Dann hörst du erst recht nicht auf.“

Der Marathon – er war für den Wilhelmshavener ein „Muss“. „Ich wollte ihn gelaufen haben, bevor ich 40 Jahre alt werde. Und ich wollte die Premiere da laufen, wo ich mich wohlfühle.“

Apropos: Schreckliche Nachwirkungen hat es seinerzeit nicht gegeben. Zwei Wochen und drei Trainingsläufe später bestritt Ulf Popken den Halbmarathon in Oldenburg – und das in ebenso respektablen 1:44:50 Stunden. Dann allerdings war erst einmal die Luft etwas raus. Mehr als zwei Monate lang ging gar nichts mehr, wie ein schneller Blick in die unbestechliche Lauf-App bestätigt.

In Sachen Laufen ist Ulf Popken aber eher ein Spätberufener. Denn Kindheit und Jugend bestimmte das Kartfahren bei den Motorsportfreunden Schlicktown. Anschließend folgten ein paar Jahre als Hobbyfußballer („Kicken macht Spaß. Ich habe nur kein besonderes Talent dafür“), bevor 2014 der Cooper-Test – ein Zwölf-Minuten-Lauf, – im Rahmen der Eignungsprüfung für den mittleren nicht technischen Dienst beim Zoll dazu führte, dass Ulf Popken sich Laufschuhe zulegte.

Und nachdem dann die Vorteile des Laufens im Rahmen der Zoll-Ausbildungsbestandteile in Lehnin (Brandenburg) immer klarer zu Tage traten („Laufen ist ideal, um nach einem anstrengenden Tag den Kopf frei zu bekommen“), blieb der Wilhelmshaven am Ball. 2015 folgte als erster Eckpunkt (Popken: „Die Fünf-Kilometer-Läufe habe ich ausgelassen“) beim Gorch-Fock-Lauf ein Zehn-Kilometer-Zieleinlauf in 54:25 Minuten.

Um in den zurückliegenden Monaten die wettkampflose Zeit und die rund 30 bis 50 Wochenkilometer sinnvoll zu füllen, absolvierte der Wilhelmshavener die virtuelle, 450 km lange Nordsee-Challenge, bei der ganz nebenbei auch noch der „New York Liberty Run“ abfiel, während der virtuelle Silvesterlauf in Bremen über zehn Kilometer nur beim Veranstalter selber einsortiert wurde.

Dass als Wilhelmshavener die Nordsee-Challenge am Anfang der virtuellen Laufkarriere stehen sollte, lag für Popken letztlich auf der Hand. Mit seinen knapp vier Monaten, die der 41-Jährige für die Strecke benötigte, gehört Popken im Feld der bisher 900 „Challenger“ (siehe Kasten) eher zu den „Langläufern“. Im Schnitt, so der Anbieter „Great Virtual Challenges“, benötigen die Teilnehmer 58 Tage für die 450 Kilometer. Nur fünf Tage hat der schnellste Einzelstarter (zu Fuß und mit dem Fahrrad) für seine virtuelle Nordsee-Challenge benötigt; 24 Tage waren der schnellste Läufer und der schnellste E-Bike-Fahrer unterwegs, 26 Tage brauchte der schnellste Wanderer für die Distanz.

Die (touristischen) Höhepunkte der Strecke, die den virtuellen Weg nach Borkum begleiten, haben den Wilhelmshavener eher nicht interessiert. „Du siehst dann, dass du 15 Kilometer nach dem Start das Naturschutzgebiet Morsum Kliff auf Sylt erreichst. Das habe ich zur Kenntnis genommen, statt der geografischen Informationen ging es mir aber um die Medaille.“

Die nächste Herausforderung ist trotzdem bereits gebucht. Der 41-Jährige hat sich für die 1700 km lange Königstour von der Zugspitze nach Sylt angemeldet und die ersten 116 Kilometer „eingeloggt“. Schließlich wartet am 26. September der Berlin-Marathon auf Ulf Popken. „Hertha BSC reizt mich zwar nicht so wie Werder, aber Laufkollege Jörn Kirschner will da seine Marathon-Premiere feiern.“

Einziges Problem: Für den mehrfach verlegten Hamburg-Marathon hatte sich der Wilhelmshavener auch angemeldet. Rückt der jetzt in den Herbst, könnte es kompliziert werden. Ulf Popken: „Über den Ausfall im April 2020 war ich wegen der Sanierung meines Hauses ganz froh. Wie ich zu zwei Marathonläufen kurz nacheinander stehe, muss ich mir aber noch einmal überlegen.“

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung