Wilhelmshaven - Tobias Schwolow ist beim Punktspiel seiner Mannschaft nicht dabei – wieder einmal. Der Rückraumlinke des Wilhelmshavener HV fehlt nicht wegen schlechter Leistungen. Im Gegenteil: Gerade erst hat ihn die HBL in die Wahl zum Zweitliga-Handballer des Monats März aufgenommen. „Ich habe ja aber nur zwei Spiele gemacht“, erklärt Tobias Schwolow und winkt ab. Beim Heimspiel seiner Mannschaft sitzt er nun auf der Pressetribüne und beurteilt die Partie als Co-Kommentator für das Online-Portal „sportdeutschland.tv“. Er fiebert mit, verzieht die Mundwinkel, wenn seine Jungs einen Treffer hinnehmen müssen und beugt sich weit nach vorne, wenn es eng wird, um nichts zu verpassen. Es ist eine eher frustrierende Saison, die der mittlerweile 30-Jährige durchlebt.
„Es steckt einfach der Teufel drin, mit den ganzen Dingen, mit denen ich mich rumschlagen muss“, blickt der Rückraum-Shooter auf das vergangenen halbe Jahr zurück. Insolvenz der WHV-Sportmarketing GmbH und Coronakrise sind dabei nur zwei Dinge, die natürlich nicht nur ihm arg zu schaffen machen. Hinzu kommt eine Verletzungs- und Krankheitstortur, die schon lange Zeit – und jetzt erneut– aufs Gemüt schlägt. Bereits vor dem Saisonbeginn musste er sich einer Knie-Operation unterziehen. „Zur Säuberung des Kniegelenks“, wie der 30-Jährige erklärt. Danach sah es zumindest sportlich gut aus. Zum ersten Punktspiel war der „Mann mit dem Hammer“, wie er gerne vom Hallensprecher nach Torerfolgen genannt wird, wieder fit und steuerte zum 32:29-Auswärtssieg vier Treffer bei – ein anständiger Auftakt.
Am Cortison-Tropf
Doch dann warf ihn eine Entzündung der Regenbogenhaut im Auge weit zurück. „Das Auge wurde klatschrot und hat beim Scharfstellen der Pupille weh getan“, erzählt Tobias Schwolow. Zweimal lief er noch auf, dann war Schluss. „Ich habe Cortison bekommen und zusätzlich pupillenweitende Augentropfen, musste sogar zwei Wochen ins Krankenhaus. Da hing ich dann am Cortison-Tropf.“ Das Auge wurde mit den Tropfen praktisch stillgelegt. „Ich konnte gar nichts mehr sehen, denn durch die Tropfen waren meine Augen sehr lichtempfindlich. Allein der Aufenthalt in der Halle mit der hohen Beleuchtung war unangenehm. Handballspielen wäre viel zu gefährlich gewesen.“
In der Zwangspause folgte ein Wechsel-Wirr-Warr mit dem Drittligisten VfL Eintracht Hagen, nachdem Schwolow zunächst aus beruflichen Gründen die Entwicklung zurück in Richtung Heimat suchte. Für die Eintracht absolvierte er aber Corona-bedingt kein Spiel und kehrte wegen der drückenden Personalmisere beim WHV zurück an die Nordseeküste. „Das war für mich und meine Familie eine nervenaufreibende Situation. Es war eine schwere Zeit, aber langsam lichtet sich das Feld.“
Hoffnung bis zum Bruch
Mit Beginn der Rückserie sah es gut aus. Auch wenn ihm bislang niemand sagen konnte, warum sein Auge solche Kapriolen geschlagen hatte und im Wissen, dass es jederzeit wieder geschehen kann, ging es zurück aufs Handballfeld. Am 6. Februar lief er gegen die HSG Konstanz wieder auf. Der WHV gewann 33:32, der 30-Jährige netzte dreimal. Sieben Spiele später brach er sich am 20. März in Emsdetten den Daumen an der Wurfhand. „Ich habe mich durchgesetzt, werfe aufs Tor, will mich abfangen, aber mein Gegenspieler kracht mir dabei auf die Hand. Das war zuviel Druck für den Daumen und der bricht dann links und rechts einmal. Ich habe noch gespielt und auch noch aufs Tor geworfen, aber der Ball ging drei Meter drüber, weil ich ihn nicht mehr festhalten konnte.“ Sechs Wochen Verletzungspause sitzt er aktuell ab, bis der Knochen wieder zusammengewachsen ist. Eine Rückkehr ist für Ende Mai anvisiert. Mit Glück, je nach Heilungsverlauf, kann es auch ein wenig früher möglich sein.
„Ich glaube, ich bin da schon recht fortgeschritten“, zeigt er sich optimistisch. Dann heißt es erneut: rankämpfen – zum vierten Mal in dieser Saison. Was macht das mit einem Sportler? „Schlimm war vor allem die Augengeschichte, weil ich bis heute nicht weiß, wo es herkommt und es jederzeit wieder geschehen kann. Ich nehme jetzt noch die Spiele mit, die ich noch spielen kann, denn ich will Mannschaft und Verein helfen, dass es auch zukünftig Zweitligahandball an der Nordseeküste gibt. Wer weiß, was alles noch passiert, je nachdem ob wir auch noch mal in Quarantäne müssen oder nicht. Man sieht es in Ferndorf“, sagt Tobias Schwolow.
Bei allem Pech durfte er sich aber jetzt zumindest freuen, nach dem Ende seines Studiums in Wilhelmshaven einen Arbeitsplatz bei einem großen Unternehmen bekommen zu haben. Und das ist in diesen Zeiten ja auch keine schlechte Sache.
