Wilhelmshaven - „Eine kuriose Saison. Gefühlt läuft alles Durcheinander“, stellt Martin Schumacher, 2. Vorsitzender des EHC Wilhelmshaven, mit Blick auf die aktuelle Landesliga-Spielzeit fest. „Immer wieder wurden coronabedingt Spiele abgesagt. Ein Rhythmus konnte so nie gefunden werden.“
Vor Ort präsent sein
Die Tabelle ist deshalb reichlich „krumm“. Während Tabellenführer REV Bremerhaven 1b die Saison mit zehn Spielen bereits abgeschlossen hat, war die jüngste Partie der „Eisbären“ gegen Harsefeld 1b (11:4) erst das sechste Saisonspiel des Teams von Spielertrainer Christopher Linne.
Trotzdem hat der Verein Großes vor. Gebaut werden soll in Wilhelmshaven eine Eishalle, um das bisherige Nomadentum zu beenden. Die Heimspiele der aktuellen Saison werden im „Paradice“ in Bremen ausgetragen, die erste Saison nach der Gründung im Mai 2019 in Sande und Bremen. Schumacher: „Wir sind ein Wilhelmshavener Verein. Um mit Sponsoren ins Gespräch zu kommen, müssen wir auch vor Ort präsent sein.“
Im Mai 2019 wurde der Eishockey-Verein EHC Wilhelmshaven „Eisbären“ gegründet. Am 9. Juli 2019 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. Um den Bezug zur Stadt Wilhelmshaven herzustellen, sind die Vereinsfarben Rot und Weiß. Vorsitzender ist seit der Gründung Manfred Leonhard (Sande). Neben der 1. Mannschaft gibt es ein Hobbyteam.
In der Spielzeit 2019/2020 nahm das Team erstmalig am Spielbetrieb teil. In der Landesliga – niedrigste Klasse im Eishockey – belegte das Team in einer SG mit den Weserstars Bremen den 3. Platz. Die Spielzeit wurde dabei vorzeitig abgebrochen. Anschließend ruhte der Spielbetrieb.
Platz 3 in der Gruppe A belegen die „Eisbären“ aktuell nach sechs von zehn Vorrundenspielen. Die ersten beiden Team der Gruppe bestreiten die Playoffs zur Verbandsliga gegen die beiden besten Team der Gruppe B. ERC Wunstorf 1b und Rostock führen dort die Tabelle an. Die Finalteilnehmer steigen auf.
Wo die Eishalle entstehen soll, haben die Vereins-Verantwortlichen bereits im Blick. Details ihrer Pläne wollen sie aber noch nicht an die Öffentlichkeit tragen; geplant ist aber eine Vorstellung im Sportausschuss. Auch mit der Stadt ist der Verein, so Schumacher, deswegen bereits seit längerem im Gespräch.
„Wir wollen das alles langsam, kontinuierlich und gut aufbauen“, sagt der 2. Vorsitzende gerade mit Blick auf die Vergangenheit, wo Eishockey-Luftschlösser nicht nur einmal in Wilhelmshaven kurz vor der Planungsreife standen.
Schumacher: „Der Standort wäre ideal, die Änderung des Bebauungsplans sollte auch keine Hürde sein. Und die Finanzierung des Vorhabens trauen wir uns auch zu.“
Halbe Million Euro
Minimal rund 500 000 Euro würde der Hallenbau verschlingen; die Kosten für Grund und Boden kämen hinzu. Schumacher: „Nach oben hin gibt es selbstverständlich keine Grenze, aber natürlich soll die Halle die aus unserer Sicht nötigen Anforderungen erfüllen – zum Beispiel ein Fassungsvermögen von 1500 Zuschauern.“ Zudem will der Verein nach einer Fertigstellung nicht nur Eishockey anbieten; Inspiration holten sich die Verantwortlichen diesbezüglich auch im Oktober 2021 bei der Fachmesse der Sport- und Freizeitbranche in Köln. Ein Bestandteil der Messe war ein Kongress des Deutschen Eishockey-Bundes zum Thema Neubau und die Sanierung von Eissporthallen in Deutschland.
Heimspiele in Sande?
Unabhängig vom Ausgang in dieser Spielzeit – Saisonziel ist der Aufstieg in die Verbandsliga – werden die „Eisbären“ zur kommenden Saison die Spielgemeinschaft mit den Bremern aufgeben, als eigenständiges Team an den Start gehen und alle Heimspiele in Sande absolvieren. Ziel ist es dann, ab der Saison 2023/24 in einer eigenen Halle auflaufen zu können.
Für Martin Schumacher würde sich damit ein Kreis schließen. Als Zehnjähriger fing Schumacher, heute Inhaber eines Malerbetriebs in Schortens, beim ECW unter Trainer Konstantin Becker mit dem Eishockey an. Nach einer Verletzung – der Stürmer kugelte sich die Schulter aus – war dann längere Zeit Schluss mit Eishockey. Mittlerweile ist der Spaß am Eishockey zurückgekehrt – und eine eigene Halle soll folgen.
