Wilhelmshaven - Von der Krisensitzung zur Meisterfeier – so könnte der Arbeitstitel der Geschichte von „Liek up lang“ Bohlenberge und der Wilhelmshavenerin Michaela Kamsteeg lauten. Das Frauenteam ist in die 1. Kreisliga aufgestiegen – mit der 48-Jährigen als festem Mitglied der Holzgruppe.
Dass die Meisterfeier auch ein paar Wochen nach dem letzten Wettkampf noch nicht stattgefunden hat, nimmt die Wilhelmshavenerin locker. „Wir werden nicht nach Mallorca fliegen und mit Fußballern am Ballermann konkurrieren. Und ein Termin zum gemeinsamen Essen wird sich schon noch finden.“
Wahrscheinlicher ist es aber, das Mannschaftsführerin Elke Kruse-Osterthun, die bei Wettkämpfen das Geschehen jeweils auf Plattdeutsch zusammenfasst, dort auch noch einmal den Blick zurückwerfen wird. Denn dass Kam-steeg & Co. überhaupt in der 2. Kreisliga an den Start gingen, war anfangs überhaupt noch nicht klar. „Wir hatten einige, die aus privaten oder beruflichen Gründen gesagt haben, nicht jeden Sonntag zur Verfügung zu stehen.“
Die Alternative wäre ein Rückzug aus der Liga gewesen, um deutlich klassentiefer eine Vierermannschaft an den Start zu schicken. Kam-steeg. „Letztlich waren wir uns aber einig, dass das auch nicht das ist, was wir wollen. Und als dann noch klar war, dass wegen Corona zweimaliges Absagen nicht automatisch einen Abstieg nach sich zieht, war klar: Wir wollen es versuchen.“
Daraus wurde dann nach einem verpatzten Auftakt (0:4 in Mooriem), schnell mehr. Vier Siege in Folge sorgten dafür, dass „Liek up lang“ um Championstour-Teilnehmerin Lisa Osterthun (25) in einer sehr ausgeglichenen Liga Herbstmeister wurde. Kam-steeg: „Vom Aufstieg hat trotzdem keiner geredet, denn das war ja alles andere als unser Saisonziel. Und zwischendurch sind wir auch wieder auf Platz drei abgerutscht, was aus dem gleichen Grund aber auch kein Problem war.“
Die seit 20 Jahren in Wilhelmshaven wohnende Michaela Kamsteeg hat ihr Engagement in Bohlenberge und das Boßeln an sich nie ernsthaft in Frage gestellt. Die 48-jährige Industrie-Kauf-frau wurde in eine Boßel-Familie hineingeboren. Vater und Mutter waren aktiv, Irmgard Papra (75), Kamsteegs Mutter, ist auch heute noch bei jedem Wettkampf dabei.
Und mit der gleichen Selbstverständlichkeit rutschte auch die 48-Jährige – Ehemann Markus war einer der Geschäftsführer der Peine GmbH in Wilhelmshaven – trotz „Nebentätigkeiten“ beim Turnen und Schwimmen in den Boßelsport. „Irgendwann wurde eine Kindermannschaft gegründet. Und dann bist du plötzlich in der Frauenmannschaft, denkst vielleicht mal daran, eine Saison auszusetzen, aber wenn du dann auf der Strecke bist, stellst du fest: Das macht einfach Spaß.“
In Sachen Nachwuchsarbeit ist die 48-Jährige allerdings eher pessimistisch, wenn nicht gerade wie in ihrem Fall die Eltern die Begeisterung an die Kinder weitergeben. Kam-steeg: „Wir haben damals alles versucht, sind an Schulen gegangen, haben Flyer in Neubausiedlungen verteilt, Ferienprogramme angeboten – alles ohne ernsthafte Resonanz. Boßeln kann da leider nicht so begeistern wie es mich begeistert hat. Und ich sehe es ja auch bei unserem 16-jährigen Sohn. Der hat mal ein paar Wurf gemacht, findet American Football aber deutlich spannender.“
Jetzt ist erstmal bis zu den ersten Übungswerfen im Juli oder August Pause. Und dann können sich die Teams der 1. Kreisliga schon auf die Heimstrecke von „Liek up lang“ freuen, auf der das Team in dieser Spielzeit ungeschlagen blieb. Michaela Kamsteeg: „Unsere Strecke führt an einer Ziegelei vorbei. Und das geklinkerte Stück wird durch die Lkw, die dort regelmäßig fahren, nicht schöner.“
