Wilhelmshaven - Schiedsrichter haben es nicht leicht – egal in welcher Sportart oder Spielklasse sie zur Pfeife greifen. Nicht wenige verlieren nach ersten Rückschlägen schnell wieder die Lust an der Schiedsrichterei. Warum sollte man sich auch für ein paar Euro beleidigen lassen – und das auch noch in seiner Freizeit?
„Da muss man am Anfang einfach durch“, sagt Lara Wolf. Und sie muss es wissen: Seit die junge Jadestädterinnen vor einigen Jahren ihre Karriere als Fußball-Schiedsrichterin begann, geht es für sie steil bergauf. In der kommenden Saison ist die erst 21-Jährige nun sogar für Einsätze in der 2. Frauen-Bundesliga vorgesehen.
Leicht hatte es die nur 1,60 Meter große frühere Triathletin auf ihrem Weg nicht. „Ich hatte Glück, weil mir schon früh die richtigen Leute die richtigen Ratschläge gegeben haben“, blickt Wolf auf ihre ersten Einsätze zurück. Ein Dank an die Tippgeber Alessandro d’Andrea und Jan Horvat. „Sie haben gesagt, dass ich mich durchsetzen muss – mit entsprechendem Auftreten und der richtigen Körpersprache.“
Der Fußball war schon immer fester Bestandteil der Familie Wolf: Vater Matthias war viele Jahre als Kicker und Trainer aktiv, während der ältere Bruder Janek ebenfalls früh zur Pfeife griff. „Ich habe mir seine Spiele immer gerne angeschaut“, sagt Lara Wolf über den Ursprung ihrer Schiedsrichter-Leidenschaft, die heute weite Teile ihrer Freizeit bestimmt. „Ich habe auch selbst mal Fußball gespielt, aber heute fehlt mir einfach die Zeit dazu. Außerdem macht mir das Pfeifen einfach viel zu viel Spaß.“
Dass aus Spaß manchmal Ernst wird, erfuhr die 21-Jährige bereits am eigenen Leib, als ihr ein A-Jugend-Spieler bei einem Bezirksliga-Spiel vor einigen Jahren auf die Schuhe gespuckt hat. „Hätten ihn seine Mitspieler nicht zurückgehalten, wäre noch mehr passiert“, berichtet Wolf.
Was die Jadestädterin am meisten bedauert, ist nicht der Fall an sich, sondern dass sie das Spiel damals nicht sofort abgebrochen hat. „Das war ein Fehler, der mir heute nicht mehr passieren würde. Der Spieler wurde nur ein paar Wochen aus dem Verkehr gezogen – hätte aber viel mehr verdient gehabt.“
Die Lust am Pfeifen hat sich die 21-Jährige dadurch nicht nehmen lassen. Im Gegenteil: Mit guten Leistungen und ihrer Zuverlässigkeit machte Wolf Saison für Saison auf sich aufmerksam und kletterte die Karriere-Leiter hinauf. In der Saison 2021/22 kommt sie auf 18 Einsätze in der B-Juniorinnen-Bundesliga bzw. in der Regionalliga Frauen. Hinzu kommen viele weitere Spiele im unterklassigen Bereich, auch in der Männer-Bezirksliga.
„Es gibt Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfußball“, sagt die 21-Jährige und lacht. „Frauen reden auf dem Platz einfach weniger. Bei Männern ist das erst in höheren Spielklassen der Fall – und so soll es ja auch sein. Zur Sache geht es aber bei beiden Geschlechtern. Da langen auch die Frauen mal hin.“ Ihre eigene Linie bezeichnet Wolf als „eher großzügig“. „Ich soll das Spiel leiten und nicht zerpfeifen“, sagt sie. „Deshalb ahnde ich auch nicht jede Kleinigkeit. Sollte das Spiel aber nicht dazu passen, kann ich meine Linie auch ganz schnell ändern.“
Den Beobachtern scheint diese Einstellung zu gefallen, immerhin darf Wolf in Zukunft auch in der 2. Frauen-Bundesliga pfeifen und in der 1. Liga assistieren – inklusive Übernachtung. „Ab einer gewissen Entfernung dürfen wir einen Tag vorher anreisen“, sagt Wolf. Auch das Finanzielle stimmt: Ein Zweitliga-Spiel wird mit 250 Euro honoriert, in der Jugend-Bundesliga werden 100 Euro gezahlt.
Ein Vorbild hat Lara Wolf nicht. Dass die ehemalige deutsche Vorzeige-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus ihre Karriere beendet hat, bedauert die 21-Jährige aber schon. „Sie hat viele junge Mädchen inspiriert und gezeigt, dass man es auch als Frau mit guten Leistungen ganz nach oben schaffen kann.“ Also doch Vorbild? „Es gibt viele gute Schiedsrichterinnen – ich freue mich, dass auch ich dazugehöre.“
