Wilhelmshaven/Friesland - Sie dürfen offiziell wieder öffnen, die Fitness-Studios in der Region. Doch die Euphorie bei den Betreibern hält sich speziell in Wilhelmshaven noch in Grenzen. „Klar freue ich mich, dass ich Türen wieder öffnen darf“, sagt zum Beispiel Sebastian Ladner von „Be Fit“. „Aber das ständige Hin und Her mit den Inzidenzen nervt nicht nur mich, sondern auch viele meiner Kunden. Deshalb kann ich bei mir aktuell noch nicht von Euphorie sprechen.“
Die niedersächsische Landesverordnung sieht Folgendes vor: Ab einem Inzidenzwert von unter 35 dürfen die Studios unter Einhaltung des jeweiligen Hygienekonzepts wieder vollumfänglich genutzt werden. Tests und Termine sind nicht erforderlich. Liegt der Wert zwischen 35 und 50 – was in Wilhelmshaven seit dem Wochenende leider wieder der Fall ist – sind die Studios nur noch eingeschränkt nutzbar.
Heißt: Trainings-Termine müssen vorher gebucht werden, zudem sind tagesaktuelle Tests notwendig, sofern der Sportler nicht vollständig geimpft oder von Corona genesen ist. Und: Der Zugang wird beschränkt, da jedem Sportler 10 Quadratmeter zur Verfügung stehen müssen.
Steigt die Inzidenz sogar wieder über 50, greift die „Notbremse“ mit den bereits bekannten Kontaktbeschränkungen, die in Wilhelmshavener in den letzten Monaten für die Schließung fast aller Studios gesorgt hatte.
Sportsfreund
Jan-Oliver Wulf, Chef beim lokalen Branchenführer „Sportsfreund“ weiß in diesen Tagen nicht, wo ihm der Kopf steht. Ab Mittwoch dürfen im Gewerbegebiet Groß Belt wieder fleißig Hanteln gestemmt werden, von Normalbetrieb kann aber längst keine Rede sein. „Laut Gesundheitsamt werden wir in den nächsten Tagen nicht unter die 35er-Marke sinken“, sagt Wulf. „Auch wenn die neue Verfügung erst ab Donnerstag gilt, öffne ich schon am Mittwoch nur mit leichten Einschränkungen. Wenn ich jeden Tag die Regeln ändere, halten mich die Leute ja für völlig verrückt.“
Heißt konkret: Sportsfreunde brauchen schon am Mittwoch bei ihrer Rückkehr einen negativen Coronatest, oder sie sind vollständig geimpft bzw. genesen. „Eine Terminbuchung ist trotzdem nicht erforderlich, da wir hier über so viel Fläche verfügen, dass es zu keiner Zeit personelle Einschränkungen geben wird“, erklärt Wulf.
In weiser Voraussicht hat der „Ober-Sportsfreund“ mit Blick auf die schwankenden Inzidenzen in den letzen Tagen ein eigenes Testzentrum (auf dem Parkplatz hinter der Anlage) auf die Beine gestellt. „Ich weiß, dass der Ruf solcher Einrichtungen in letzter Zeit doch arg gelitten hat“, gibt Wulf zu. Aber: „Ich will, dass die Leute endlich wieder Sport machen können. Bei uns gibt es Corona-Test und Fitness in einem Paket.“
Um längere Wartezeiten zu vermeiden, empfiehlt Wulf seinen Mitgliedern (und auch allen anderen Testwilligen), sich vorab im Internet unter www.schnelltest-whv.de einen Termin für den Coronatest zu buchen. „In diesem Fall bekommt der Kunde sein Ergebnis in nur 15 Minuten – ganz bequem auf’s Handy.“
Da der Studio-Umbau für rund eine Million Euro erst im Herbst abgeschlossen sein wird, stehen Umkleiden und Duschen sowie die Sauna noch nicht zur Verfügung. Sollte die Inzidenz in Wilhelmshaven wieder über 50 klettern, werden die Türen im Groß Belt wieder geschlossen. Wulf: „Wir hoffen natürlich nicht, dass das so passiert. Endlich geht es los – jetzt kommen wieder bessere Zeiten.“
Be Fit
Mit gemischten Gefühlen blickt „Be Fit“-Chef Sebastian Ladner der heutigen Wiedereröffnung entgegen. „Auch ich habe das Go vom Ordnungsamt, befürchte aber, dass die Freude nicht von allzu langer Dauer sein wird“, sagt er. „Schon im Herbst könnten die Inzidenzen durch Urlaubsrückkehrer wieder steigen. Trotz allem bleibe ich vorsichtig optimistisch, richte mich aber eher auf Training mit Terminbuchung ein.“
Einen Nachteil hätten „Be Fit“-Mitglieder dadurch nicht. Nach Quadratmeter-Rechnung dürfte Ladner nämlich rund 170 Sportler gleichzeitig in seine Pyramide lassen. „So viele hatte ich noch nie hier. Deshalb würde ich wohl auch keinen einzigen Terminwunsch absagen müssen.“ Bei einer Inzidenz von über 50 würde auch Ladner wieder dicht machen. „Personen aus nur zwei Haushalten auf der Fläche machen wirtschaftlich nach wie vor keinen Sinn.“
Viva Fitness
Die Studios in Wilhelmshaven und Schortens sind ab sofort geöffnet und können unter Einhaltung des Hygienekonzepts genutzt werden. Duschen und Umkleiden stehen allerdings nicht zur Verfügung, wer Sport machen will, muss „trainingsbereit“ im Studio erscheinen. Dort gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern und Maskenpflicht. Nur am Trainingsgerät darf der Mund-Nasen-Schutz abgenommen werden.
McFit
Beim Marken-Riesen ist man im hohen Norden noch nicht ganz so weit. „Wir sind gerade dabei, die Wiedereröffnung unseres Studios in Wilhelmshaven vorzubereiten“, teilte Kommunikationsleiter Pierre Geisensetter auf Anfrage mit. „Sobald wir ein offizielles Eröffnungsdatum haben, werden wir unsere Mitglieder informieren und freuen uns darauf, dass es in Wilhelmshaven bald noch sportlicher wird.“
Fitness-World
In Schortens sind die Türen der Fitness-World längst wieder offen. Hier kann uneingeschränkt trainiert werden – dank der niedrigen Inzidenz. „Alles ist wie immer“, freut sich Studioleiterin Susanne Herrmann. „Allerdings sind wir in diesen Tagen permanent zu dritt am Telefon, um alle Anfragen beantworten zu können. Ich rate den Leuten dann immer: Lest die Zeitung – da steht doch alles drin.“
Während die Trainingsflächen komplett zur Verfügung stehen, sollen Sportler die Umkleiden und Duschen nur in Ausnahmefällen benutzen. Herrmann: „Auf der Fläche funktioniert unser Hygienekonzept, aber in der Umkleide können wir nicht kontrollieren, um sich alle an die Abstände halten. Unsere Sportler wissen das und haben kein Problem damit.“
