Wilhelmshaven - So schnell kann es gehen: 2019 war Julian Müller noch ein völliger Duathlon-Anfänger. Aber noch vor dem ersten Schultag an der Grundschule Wiesenhof wünschte sich der Sechsjährige einen Start beim NordseeMan. Und der lief prächtig. Nach 5:28 Minuten zwischen Laufen, Radfahren und Laufen und zwei leckeren Melonenstücken stand das eindeutige Fazit fest. „Das war anstrengend, hat aber richtig doll Spaß gemacht.“

Drei Jahre später ist Julian Müller schon ein alter Hase, hat ein richtiges Trikot des TSR Olympia an und kennt Ausdrücke wie ein Großer. Ein bisschen „Hungerast“ hätte er verspürt, ließ die Startnummer 53 wissen, deswegen lief es nicht optimal.

Wie bitte? Kurze Rückfrage diesbezüglich bei „Dr. Google“: „Hungerast führt zu einer Ermüdung des zentralen Nervensystems, mit den Symptomen, Schwindel-Benommenheit, mentale Verwirrung und übermächtiger Müdigkeit.“

Das Problem wurde aber bereits analysiert und kann am Frühstückstisch 2023 abgestellt werden. Julian: „Ich hatte nur ein halbes Brötchen. Das war wohl ein bisschen wenig. Das nächste Mal brauche ich eine Banane und ein Müsli.“

Es ging auch anders: Mink und Henk de Vries (6 und 9 Jahre alt) aus Isernhagen verschliefen die Wettkampfvorbereitung weitgehend im Auto von Mutter Mirja auf dem Weg nach Wilhelmshaven. Die Erschöpfung war verständlich. Erst am Abend vorher war die Familie aus dem Niederlande-Urlaub zurückgekehrt. Mirja de Vries: „Und dann hatte Henk nicht vergessen, dass er unbedingt in Wilhelmshaven starten wollte.“ Die weiteren Hinweise, sich vielleicht schon einmal die Wechselzone anzuschauen oder noch einen Schluck Wasser zu trinken, verhallten aber eher ungehört.

Jede Menge Fragen hatte dagegen Charlotte Müller – die Schwester des eingangs zitierten Neu-Profis Julian – vor ihrem ersten Start. Die wurden alle geduldig beantwortet, der wichtigste Hinweis für die Siebenjährige war aber ein anderer: „Einfach Spaß haben.“

Die größte Aufregung herrschte wie immer bei den Jüngsten. Der Wechsel zum Rad und vom Rad weg lief nicht immer störungsfrei – helfende Hände waren aber immer in der Nähe. Die richtige Einordnung für den Umgang mit Einsteigern lieferte Kampfrichter Dirk Dahme: „Motivieren und sortieren – dann klappt das und alle können mit einem guten Gefühl zu den Eltern zurück.“

Ein richtig gutes Gefühl hatte Carina Ceronio als Fünfte bei der Jugend B/A nicht. Die 15-Jährige vom TSR Olympia wollte auf einem Podestplatz landen wie Teamgefährtin Melina Mattfeld, verpasste den aber um mehr als fünf Minuten. Warum Ceronio, seit 2017 beim TSR dabei, ausgepumpt auf dem Boden hockte, vermochte die 15-Jährige klar zu benennen: „10 Grad weniger wären mir lieber gewesen. Wegen der hohen Temperaturen war es sehr anstrengend.“

Bereits am Nachmittag war das aber wieder vergessen. Da war der gesamte TSR-Nachwuchs bei den Ligenwettkämpfen schon wieder helfend im Einsatz.

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung