Wilhelmshaven/Sande - Michael Muche und die Frauen des Wilhelmshavener Handball-Vereins (WHV), eine Erfolgsgeschichte, die nun – nach einer langen Amtszeit und zwei „Feuerwehr-Einsätzen“ des Trainers – ihr Ende finden soll. „Es fällt mir nicht leicht, aber mein Wort steht“, sagt der 53-Jährige wenige Tage nach der Oberliga-Vizemeisterschaft. „Ich habe immer gesagt, dass ich nur bis Saisonende zur Verfügung stehe. Und dabei wird es auch bleiben.“
Dass ihm die Mannschaft in den vergangen rund zwölf Jahren (mit einigen Unterbrechungen) ans Herz gewachsen ist, daran lässt Muche keinen Zweifel. „Als ich dieses Team übernommen habe, waren die meisten gerade mal 17 oder 18 Jahre alt – heute sind viele Spielerinnen Mütter. Und: Die Frauen sind nicht nur gute Handballerinnen, sondern auch ganz feine Menschen.“
Die Ära Michael Muche begann noch zu Zeiten der HSG Wilhelmshaven: Nach dem überraschenden Oberliga-Aufstieg der damals jungen Mannschaft (noch unter der Regie von Nils Makovicka) bahnte sich schnell ein Trainerwechsel an. „Als Mitglied des damaligen Vorstandes habe ich versprochen, dass ich bis Jahresende einen Trainer finden werde – aber es hagelte nur Absagen“, erinnert sich Muche. An Silvester lief die Deadline dann ab – mit der Erkenntnis: „Dann mache ich es eben selbst.“
Mit Frauen-Handball hatte der Sander bis dahin nicht viel am Hut. Und es gibt bekannte Trainer, die mal das Motto vertreten haben, Frauen-Handball sei die moderne Form der Hallen-Blockade. „Soweit würde ich natürlich nicht gehen“, sagt Muche. „Aber, man muss auch ehrlich sein: Im Vergleich zum Männer-Handball ist das schon ein Stück weit ein anderes Spiel. Es gibt in der Oberliga vielleicht fünf Spielerinnen, die aus zehn Metern ein Tor werfen können. In Sachen Konzept, Athletik und Technik haben die Frauen in den letzten Jahren aber enorm aufgeholt.“
Dass die Mannschaft nie wieder in Abstiegsnot geriet und zum festen Inventar der Oberliga Nordsee reifte, lag auch an Muche und seinem eher „autoritären“ Führungsstil. „In der ersten Vorbereitung haben die Frauen sechs Wochen keinen Handball gesehen“, sagt der Coach. „Im Laufe der Jahre bin ich dann aber auch etwas weicher geworden. Man muss auch als Trainer mit der Zeit gehen, wenn man sein Team erreichen will.“
Was das angeht, hatten seine Nachfolger Reinhard Meyer und Hanjörg Helms weniger Glück. Auch Kathrin Busalski und Christian Schmalz brachten die Spielzeiten nicht ins Ziel, allerdings aus gesundheitlichen Gründen. „Diese Mannschaft ist nicht einfach, weil sie sehr fordernd ist“, erklärt Muche. „Und: Wir reden hier von Oberliga. Dann steht man auch als Trainer unter einem gewissen Druck.“
Drei Einheiten die Woche, Punktspiele, Videoanalyse – mit all dem will der 53-Jährige nun nichts mehr zu tun haben und freut sich auf die neu gewonnene Freizeit mit Ehefrau Claudia. „Viele sagen: Mach ich später. Ich sage: Nein, mach ich jetzt“, erläutert Muche seine Pläne. Einem Fahrrad-Urlaub auf Mallorca soll Ende August eine Skandinavien-Kreuzfahrt folgen. Die Frage nach einer möglichen Rückkehr auf die Trainerbank, lässt der Sander aber offen. „Sag niemals nie. Aber definitiv nicht kommende Saison.“
