Wilhelmshaven/Schortens - Der „Traum vom Ärmelkanal“ lebt: Im August 2022 will der Schortenser Schwimmer Marc Philipp Kraus Europas meist befahrene Wasserstraße bezwingen und nur mit einer Badehose und einer Badekappe bewaffnet die rund 33 Kilometer vom französischen Calais zur englischen Küstenstadt Dover schwimmen. Bei der für die Registrierung verantwortlichen „Channel Swimming Association“ (CSA) hat Kraus sein Vorhaben bereits verbindlich angekündigt – die Startgebühr hat seine Mutter (quasi als zusätzliche Motivationshilfe) schon vor Monaten überwiesen.
Nach wochenlanger Vorbereitung an Land hat der 45-Jährige nun seinen ersten Härtetest im Wasser bestanden. „Ich bin vom Südstrand zum Arngaster Leuchtturm geschwommen – und natürlich auch angekommen“, berichtet der gebürtige Westerwälder. „Aus den 5 Kilometern Luftlinie wurden dank der äußerst gnädigen Strömung ungefähr 6 Kilometer, weil es mich zwischendurch schon ordentlich abgetrieben hat. Deshalb bin ich mit der Zeit von 2:20 Stunden auch komplett zufrieden.“
Team Ärmelkanal
Begleitet wurde der Schortenser dabei von einigen Mitgliedern vom „Team Ärmelkanal“, das der 45-Jährige bereits im Vorjahr gegründet hat, um sein Projekt auf eine möglichst professionelle Basis zu stellen. Im Begleitboot nahmen neben seiner Lebensgefährtin Stephanie Höhler auch die „Rettungshaie“ Melanie und Michael Fellensiek sowie Lennard Lippert und Stefan de Vries von der DLRG-Ortsgruppe Schortens-Jever Platz. Alle Beteiligten wurden zuvor (negativ) auf das Corona-Virus getestet.
Doch warum trug der Schortenser beim ersten Härtetest – entgegen der „Vorschriften“ der CSA – einen Neoprenanzug? „Rein aus Sicherheitsgründen“, sagt Kraus. „Meine DLRGler haben mir dringend dazu geraten, einen Neoprenanzug zu tragen, um ein zu schnelles Auskühlen und damit auch Krämpfe zu verhindern. Nur zur Info: Die Wassertemperatur betrug 7,5 Grad Celsius. Und der Neopren hat auch nur in der ersten Stunde was gebracht.“
Und noch etwas fiel auf: Kraus nahm die Passage zum Arngaster Leuchtturm mit einer orangenen Rettungsboje in Angriff. „Auch die dient meiner Sicherheit, falls ich unterwegs einen Krampf bekomme und meine Helfer nicht rechtzeitig da sind“, sagt der 45-Jährige. Die Boje wurde ihm von der „Channel Swimming Association“ für Trainingszwecke zur Verfügung gestellt.
Nicht am Limit
Mit seiner Zeit war der 45-Jährige zufrieden, dennoch sieht Kraus mit Blick auf die Zukunft auch Gesprächsbedarf mit seinem Team. „Unterwegs lief sicherlich noch nicht alles optimal. Da werden wir in den nächsten Tagen sicherlich noch über ein paar Details reden, die in Zukunft besser laufen müssen. Aber wir haben ja noch Zeit.“
Die Belastung – Kraus schwamm bei seinem Härtetest etwas ein Sechstel der Strecke, die in 15 Monaten auf ihn wartet – hat er gut verkraftet. „Klar, spüre ich die Belastung. Am Leuchtturm angekommen, war ich schon kaputt. Aber am Limit war ich noch lange nicht“, sagt der frühere Leistungsschwimmer und Zehnkämpfer. „Ich habe noch viel Luft nach oben.“
Und wie geht es nun weiter? Schon im Juni steht der nächste Härtetest an. „Dann werde ich die rund 15 Kilometer lange Strecke zum Leuchtturm Mellumplate in Angriff nehmen“, verrät Kraus. „Es könnte aber sein, dass wir den Termin noch ein wenig nach hinten schieben – Details werde ich mit meinem Team besprechen. Wir müssen noch an Stellschrauben drehen.“
Die Welt verbessern
Den „Traum vom Ärmelkanal“, den er schon in jungen Jahren mehr als einmal träumte, will sich Kraus ganz persönlich erfüllen. Auf dem Weg dahin wollen er und ein Team aber auch etwas Gutes tun. „Wir befinden uns nun schon seit vielen Monaten in einer Situation, in der es Kindern aufgrund der Pandemie nicht möglich ist, das Schwimmen zu erlernen“, sagt Kraus. „Und genau das wollen wir ändern.“
Zusammen mit Christoph Rickels, dem Gründer der Stiftung „first togetherness“, will der Westerwälder aus allen jungen Nichtschwimmern aus Friesland und Ostfriesland echte Schwimmer machen. „Auch mir hat das Schwimmen schon in jungen Jahren sehr viel gegeben“ so der 45-Jährige weiter. „Schwimmen zu können ist ein einzigartiges Erfolgserlebnis für jeden Menschen. Unser Ziel ist es, die Welt zumindest ein kleines Stückchen besser zu machen.“
Helfer, die Kraus und damit auch die Aktion unterstützen möchten, können dies auf verschiedene Art und Weise tun: „Man kann ganz einfach Teil unseres Teams werden, indem an einen unserer ‚Fan-Artikel’ (wie Pullover, T-Shirts oder Kaffeebecher) bei unserem Partner Gecko-Druck in Schortens kauft“, erklärt der 45-Jährige. „Auf Wunsch auch mit dem eigenen Namen drauf – also ein Unikat.“
Für Geldspenden, die mindestens genauso erwünscht sind, haben Kraus & Co. ein Spendenkonto eingerichtet. Mehr Infos gibt’s von Kraus per E-Mail unter team_aermelkanal@web.de.
