Wilhelmshaven - Der niedersächsische Volleyball-Verband hat Fakten geschaffen: Während die übrigen Fachverbände diskutieren, wie die aktuelle Spielzeit noch gerettet werden kann, hat das NWVV-Präsidium beschlossen, den Spielbetrieb auf Landesebene für die Saison 2020/21 auszusetzen und auf den Auf- und Abstieg zu verzichten. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Die Fortsetzung eines geordneten Spielbetriebes ist perspektivisch nicht durchführbar. Somit wird es keine Wertung für die Saison 2020/21 in den Kreisklassen bis zur Oberliga geben. Dies gilt auch für den Jugendspielbetrieb. Eine Entscheidung für die Regionalligen und 3. Ligen wird Ende Januar getroffen.“
Das Saisonaus – für die heimischen Vereine kam es weder überraschend, noch gibt es Widerspruch. „Das ist die richtige Entscheidung. Corona ist ja, auch wenn jetzt Impfungen einsetzen, nicht weg. Jeder Spieltag wäre ein potenzieller Hotspot geworden. Dann lieber aussetzen und wenn es möglich ist, gesund und gefahrlos wieder ins Training einsteigen“, stellt Mario Hauser, Spielertrainer des Bezirksligisten STV Wilhelmshaven, fest.
Der Landesliga-Absteiger schaute 20/21 komplett in die Röhre. Alle bisherigen Spiele waren abgesagt oder verlegt worden. Auch deshalb ärgerlich, weil nach dem frühen (theoretischen) Saisonstart, auf den hintrainiert worden war, eine mehrwöchige Pause gefolgt wäre. Viel Pritschen und Schwitzen für nichts – und trotzdem hält der STVer die Entscheidung für richtig. „Selbst eine Einfachrunde wäre eventuell zeitlich schon problematisch geworden. Und in einer Siebenerliga hat sie auch wenig Aussagekraft.“
Ansonsten ist für den STV-Coach nach der abgesagten Saison vor einer neuen – im Idealfall mit einer Beach-Vorgeschichte. Ansonsten aber mit einem behutsamen Neustart, bei dem ihm zwei Spieler, weil sie dann wieder mit ihren Fregatten im Einsatz sind, definitiv fehlen werden. Und über eines gibt sich der Volleyballer, der sich im Keller mittlerweile einen eigenen Fitnessraum eingerichtet hat, keinen Illusionen hin. „Es ist ja nicht so, dass die Spieler bisher Bewegungsaufgaben eingefordert haben. Wir werden da ganz vorsichtig anfangen müssen.
Guter Start: Absage für WSSV-Frauen besonders ärgerlich
Ärgerlich ist die Absage für die Landesliga-Frauen des WSSV. Drei Spiele, drei Siege – mit dieser Startbilanz hatte sich der Aufsteiger an die Spitze geschmettert. Dementsprechend groß war die erste Enttäuschung. Philipp Pech, der das Team zusammen mit Luciana Matheja seit dieser Spielzeit trainiert: „Dass der Verband so früh vorprescht und keine Entscheidung auf Bundesebene abwartet, habe ich nicht verstanden. Insgeheim hatten wir natürlich gehofft, dass die Hinrunde zu Ende gespielt wird und dann als Abschlusstabelle dient. Letztlich – so lauteten eigentlich durchgängig die Rückmeldungen der Spielerinnen – finden die Entscheidung alle schade, haben sie aber kommen sehen und Verständnis dafür. Das einzig Positive ist, dass jetzt viele angeschlagene Spielerinnen ihre Verletzungen auskurieren können.“
Beim Vareler TB fallen die Reaktionen ähnlich aus. Sowohl Andreas Sinke (Landesliga Frauen) als auch Christian Jünger (Bezirksliga Männer) halten ein Ende mit Schrecken für besser als einen Dauer-Mix aus Hoffnungen und Hallenschließungen. „Der Verband hat besonnen zum Wohle der Aktiven gehandelt“, so Sinke. Und ähnlich wie Mario Hauser in Wilhelmshaven dürfte auf „AHA“ ein bisschen „ABC“ folgen. Sinke: „Eventuell müssen wir noch einmal ein paar Grundfertigkeiten ins Gedächtnis rufen.“
Während Sinke einen Neustart wann auch immer für problemlos hält, sieht Christian Jünger für sein – eher mit älteren Spielern besetztes – Team dunkle Wolken aufziehen. „Die unvollendete Vorsaison und die abgebrochene aktuelle haben gleich mehrere Stammspieler genutzt, um sich aus den verschiedensten Gründen vollständig oder zumindest zeitweise zurückzuziehen. Für jeden Einzelnen nachvollziehbar, in der Summer aber kaum aufzufangen und leider auch enttäuschend für den Rest des Teams.“
