Wilhelmshaven -
Herr Stasch, der WHV-Innenblock bestand einmal aus Vladimir Bojanovic und Stanko Sabljic. Gefühlt war das eine drei Meter breite und sieben Meter hohe Abwehrwand. Der eine konnte nach der Insolvenz nicht weiterbeschäftigt werden, der andere hat sich gerade verletzt. Ärgerlich für einen Torwart, der dahinter im Verbund mit der Abwehr Lösungen finden muss?
Levin StaschAch, das geht. Was wir jetzt den Lübeckern als Aufgabe stellen, ist nicht besser oder schlechter, es wird halt anders. Wenn kein Riesenblock vorhanden ist, muss der Spieler halt beim Wurf gestört werden. Wenn das passiert, kann ich mich darauf einstellen.
Weil Sie wissen, was auf Sie zukommt?
StaschNatürlich. Das gilt aber für jedes Spiel. Trainer Christian Köhrmann schneidet uns immer acht bis zehn Minuten aus zwei Spielen zusammen – meist das Hinspiel und das letzte Spiel des Gegners. Ich schaue mir darüber hinaus aber immer noch mindestens zwei Spiele des Gegners im Ganzen an.
Und basteln sich daraus eine Zettelwirtschaft zusammen mit unterschiedlichen Stiften für unterschiedliche Würfe. So war das zumindest bei Ihrer Station in Altjührden. Gilt das immer noch?
StaschNa klar. Denn dieses System hilft mir zusammen mit den Hinweisen, die ich vom Trainer bekomme. Denn irgendwann – besonders wenn die Kraft nachlässt – verfallen Spieler in ihre Muster. Und vorher muss man als Torhüter halt so flexibel sein, auf andere Wurfbilder reagieren zu können.
Ihr Trainer lobt Sie dafür, dass Sie Hinweise abspeichern, umsetzen und kühlen Kopf bewahren.
StaschMich nicht verrückt machen zu lassen, gehört zu meinem Naturell. Denn ich weiß ja, was ich an Informationen habe und was ich auf den Videos gesehen habe. Generell sind Würfe aus dem Rückraum mein Ding, gegen Angriffe von Außen finde ich meine Leistungen noch etwas schwankend.
Apropos: Sie sind zunächst als dritter Torhüter und als Nummer 1 für die Verbandsliga-Reserve gekommen. Dann gab es die „Lebensversicherungen“ Primoz Prost und Jens Vortmann. Und dann ist Jens im Zuge der Insolvenz nach Hamburg gewechselt. Und dann . . .
Stasch. . . war ich so selbstbewusst mir zuzutrauen, das Vertrauen, dass der Verein in mich hatte, zu rechtfertigen. Und mein Ziel war es von Anfang an, mindestens zweiter Torwart zu werden. Grundsätzlich habe ich von beiden Vorgängern viel gelernt, denn es geht immer darum, Kleinigkeiten zu verbessern.
Beim ersten Auftritt in Großwallstadt waren Sie allein auf weiter Flur. Ivan Eres wurde erst kurze Zeit später verpflichtet.
StaschWir haben schon darüber geflachst, ob Matej Kozul oder Duncan Postel ins Tor gehen, wenn mir etwas passiert. Aber letztlich blende ich, wenn das Spiel losgeht, alles aus.
Blenden wir die Großwallstadt-Bilanz ein: Sie haben das Spiel mit 16 Paraden beendet, aber der WHV ging 27:36 ein.
StaschDann lieber so etwas wie in Hamm. Ich halte nur drei Bälle , aber wir gewinnen 32:21. Denn Handball ist ein Teamsport. Wenn wir verlieren, braucht es ein, zwei Tage, bevor ich mich dann doch über ein persönlich gutes Spiel freuen kann.
Am Samstag gastiert der Tabellenvierte aus Lübeck in der Nordfrost-Arena. Sind alle Zettel beschriftet?
StaschNa klar. Und in eigener Halle können wir jeden Gegner ärgern.
