Wilhelmshaven - Wo der Kern des Problems beim Wilhelmshavener Ruderclub liegt, kann Vorsitzender Reiner Berns in einem Satz zusammenfassen. „70 der 130 Mitglieder sind über 70 Jahre alt.“ Und weil auch Berns zu dieser Kategorie gehört und kein Nachfolger in Sicht ist, wird der Name des 113 Jahre alten Klubs bald von der sportlichen Landkarte in Wilhelmshaven verschwinden.
Warum es mit dem Rudern unter anderem Namen auf jeden Fall weitergehen soll – dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.
Haben sich die Probleme des WRC angedeutet?
Leidensdruck hatte sich an der Rüstringer Brücke schon im Laufe der letzten Jahre aufgebaut. Problematische Altersstruktur, absehbar keine Trainer mehr – all das, was in der Vergangenheit mit Erfolgen der Leistungsruderer wie Christian Henze oder Darg Ingber, Kooperationen mit Schulen (Cäci, NGW) oder dem Einsatz von FSJlern aufgebaut worden war, drohte trotz gesunder Finanzen zu reiner Vereinshistorie zu werden.
Im März 2022 wollte Vorsitzender Reiner Berns (78) dann eigentlich zurücktreten. Auch der Kompromiss-Vorschlag, noch ein Jahr dran zu hängen und in dieser Zeit einen Nachfolger einzuarbeiten, verhallte ungehört. Deshalb verschaffte sich der Vorstand das 31:1-Mitgliedervotum, mit anderen Vereinen Kontakt bezüglich einer Fusion aufzunehmen. Das Ziel: Rudern in Wilhelmshaven soll erhalten werden. Warum kann WRC-Schriftführerin Iris Müller ganz einfach erklären. „Rudern ist einfach ein toller Sport.“
Wie steht der WSSV zu einer Ruderabteilung ?
Mit Fusionen oder Verschmelzungen kennt sich der Verein aus. Zuletzt ging 2018 der Wilhelmshavener Turnerbund geräuschlos und mit einem einhelligen Mitgliedervotum auf beiden Seiten im WSSV auf. Deswegen gab es keine Berührungsängste, nur grundsätzliche Überlegungen der WSSV-Vorständler Gerald Legrand („Ob wir das schaffen, wissen wir nicht“) oder Michael Fisch („Liegenschaften kosten Geld“). Klar ist: das fachliche Know-how in Sachen Rudern hat niemand beim Verein, wie Verschmelzungen unter anderem durch notarielle Begleitung funktionieren, durch die Vergangenheit schon. Legrand: „Rudern würde unser Sportangebot erweitern. Und warum soll es nicht künftig Freiwasser-Schwimmen oder Stand up-Paddling an der Rüstringer Brücke geben?
Wie geht es auf beiden Seiten jetzt weiter?
Damit sich der WSSV einen Überblick über den Fusionspartner verschaffen kann, wird der Ruderclub alle nötigen Infos in Sachen Mitglieder, Finanzen, (Erbpacht)-Liegenschaft und Versicherungen zusammenstellen.
Auch gegenseitige Besuche in den Vereinen könnten eventuell helfen, Fragen der Mitglieder im Vorfeld aus dem Weg zu räumen, nachdem beide Vereinsvorsitzende zunächst nur eine Absichtserklärung für die Fusion unterschrieben haben.
„Ab jetzt kostet es Geld“, stellte Legrand mit Blick auf künftige Vertragswerke wie Verschmelzungsbilanzen fest.
Klar ist auch: Am Ende müssen die Mitglieder beider Vereine – wie zuletzt beim Zusammengehen von WSSV und WTB oder vom STV Voslapp und Blau-Gelb (2015) – in außerordentlichen Mitgliederversammlungen mit einer Dreiviertel-Mehrheit der Verschmelzung zustimmen. Dann wäre der WRC von 1909 Geschichte.
