Wilhelmshaven - Hannes Kurth findet am Ultimate Frisbee einfach alles cool. Und alles umfasst beim Zehnjährigen eine ganze Menge.

Also: natürlich der Sport an sich, bei dem sich zwei Mannschaften gegenüberstehen und jeweils versuchen, das Frisbee in der Endzone des Gegners unterzubringen. Und cool ist es natürlich auch, dass der Begriff „Gegner“ eine komplett andere Bedeutung hat als zum Beispiel beim Fußball, wo Hannes in seinem früheren Sportlerleben für den WSC Frisia die Schuhe geschnürt hat.

Denn Ultimate Frisbee ist körperlos, bringt Alt und Jung zusammen, funktioniert auch als Mixed-Sportart wunderbar – und hat neben dem Endergebnis auch eine „Spirit-Wertung“, in der unter anderem das Fairplay bewertet wird. Die findet Hannes, der über eine Ferienspaßaktion zur den „Windhosen“ des WSSV fand, übrigens sogar „total cool“.

Gleich gilt auch, wenn man wie Hannes als Anfänger einsteigt. „Du fragst einfach die anderen, wie das funktioniert. Das ist alles ganz entspannt. Oder du fragst unseren Trainer Jakob Willich. Ein cooler Typ – und der weiß alles über Ultimate Frisbee.“

Das gilt mittlerweile aber für die ganze Familie, denn auch Vater Thomas (44) und Mathis (13) haben dem Fußball ade gesagt und gehören jetzt zu den „Coolen“. Beide sind fast seit der Gründung der „Windhosen“, der mittlerweile rund 30 Aktive umfassenden Ultimate Frisbee-Gruppe des WSSV, im Juni 2020 mit dabei.

Sozialpädagoge Thomas, der an der Franziskusschule arbeitet, wurde dafür einer DJK-Hobbyfußball-Truppe mit Rainer Bittner und Bernd van Kampen untreu. „Bei Kirchenfreizeiten haben wir viel Frisbee gespielt, aber erst beim WSSV habe ich es richtig gelernt.“ Richtig – das heißt unter anderem, auch einen Vorhandwurf mit einer anderen Grifftechnik zu beherrschen oder einen Overhead, Scoober oder Knife. Wen jetzt die vornehmlich englische Begrifflichkeit des Sports abschreckt, den kann Mathis Kurth beruhigen. „Das ist wie beim Radfahren. Wenn du es einmal kannst, dann kannst du es.. Egal, wie es heißt.“

Dass Ultimate Frisbee „voll entspannt“ (Mathis Kurth) ist, kann Vater Thomas allerdings nur bedingt bestätigen. „Durch die Haken, die man schlagen muss, um sich freizulaufen, machst du viele Wege umsonst. Und mit Blick auf sieben Akteure in einem Team und einem Spielfeld, so groß wie beim Fußball, denke ich mir manchmal schon: Gesund ist das auch nicht. Auf der anderen Seite kenne ich keinen Sport, der so perfekt von den unterschiedlichsten Menschen zusammen gespielt werden kann.“

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung