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WSC Frisia-Spieler Patrick Degen „Wir hätten die Saison lieber richtig beendet“

Wilhelmshaven - Seit Samstag – dem Verbandstag des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) – ist es amtlich: der WSC Frisia spielt in der kommenden Saison in der Fußball-Landesliga.

Einer, der überzeugt ist, dass der richtige Verein den Aufstieg geschafft hat, heißt Patrick Degen, spielt seit einem Jahr für eben diesen Klub und ist zweiter Kapitän des Teams hinter Melvin Lamberty. „Wir haben gezeigt, dass wir die bessere Mannschaft als der SVW sind. Wir waren in den direkten Duellen das bessere Team und haben zweimal klar gewonnen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.“

Die Monate der Ungewissheit – und der Zeit ohne Mannschaftstraining – nach dem Abbruch der Saison Mitte März haben den 31-Jährigen trotzdem „extrem genervt“. „Du lebst dafür, auf das nächste Spiel hinzutrainieren – ein Rhythmus, der seit Jahren mein Leben bestimmt. Und dann ist plötzlich alles auf Null. Dass ist mit Blick auf die damalige Situation natürlich völlig unerheblich. Aber wir alle hätten die Saison lieber richtig beendet und beim letzten Spiel noch auf dem Platz angefangen zu feiern. Das wäre ein ganz anderes Gefühl gewesen, als auf eine Abstimmung angewiesen zu sein und auf sie so lange zu warten.“

Nicht nur die guten Rahmenbedingungen führten zu Frisia

Riesenjubel brach deshalb im Frisia-Lager am Samstag nicht aus, eher machte sich Erleichterung breit, jetzt endlich den Blick nach vorne werfen zu können. Patrick Degen: „Gut, dass wir nach dem 4:2-Sieg beim SVW noch Essen waren. Das war so eine Art Meisterfeier. Ab jetzt geht es aber darum, mit einer qualitativ guten Mannschaft in der kommenden Saison den Klassenerhalt zu schaffen. Und eins ist doch auf klar: Es gibt immer ein, zwei Mannschaften, die in einer Spielzeit überraschen. Und warum sollen wir das nicht sein. Da will ich nichts ausschließen, aber auch nichts beschreien.“

Fakt ist aber: Patrick Degen kam aus genau diesem Grund von Oberligist Atlas Delmenhorst. Der 31-Jährige ist einer, dem man Führung übertragen kann, weil das für ihn keine Last, sondern Ermutigung ist voranzumarschieren. „Führungsspieler zu sein ist auch mein Anspruch und eine Rolle, in der ich mich wohl fühle.“

Dass der Offensivspieler den Weg in den Sportpark fand, hat allerdings neben den guten Rahmenbedingungen bei den Frisianern, die der 31-Jährige ausdrücklich lobt, etwas mit einer Neuorientierung zu tun. „80 Kilometer drei bis viermal in der Woche zum Training. Dazu die Spiele am Wochenende und ein Vollzeitjob als Edelstahl-Einkäufer für einen Großhändler in Rastede – das bedeutete einen hohen zeitlichen Aufwand. Hinzu kam die Erkenntnis, dass ich nicht mehr 25 Jahre alt bin und die Oberliga das Limit ist.“

Lange beim BV Bockhorn aktiv

Nach „drei richtig geilen Jahren“ bei Atlas Delmenhorst und einem Stammspieler-Status in der Landesliga und anschließend in zwei Oberliga-Jahren war deshalb Schluss. Degen ging zum WSC Frisia und ordnete auch im Umfeld sein Leben neu. Der ehemalige Bankkaufmann und Wirtschafts-Student arbeitet seit Mai für einen Personaldienstleister aus Wilhelmshaven und ist auch auf der Suche nach einer Bleibe in der Jadestadt.

Es war aber auch schon einmal noch einfacher. Sportlich groß wurde Patrick Degen beim BV Bockhorn. Und da wohnte Degen 400 Meter neben dem Sportplatz und gehörte bereits als A-Jugendlicher zum Kader der ersten Mannschaft. „Ich hatte damals bereist viele Spielanteile im Herrenbereich, wäre aber nie auf die Idee gekommen, enttäuscht zu sein, wenn ich mal nicht gespielt habe. Außerdem hätte ich mich nicht getraut, den gestandenen Spielern etwas erzählen zu wollen. Dann hätte es was auf die Stöcker gegeben.“

Lange Jahre war Patrick Degen bei den Bockhornern – vor und nach seinem zweijährigen Intermezzo beim VfB Oldenburg (Oberliga, Landesliga) – als „Zehner“ zusammen mit Sturmpartner Wilke Runkel die personifizierte Torgefahr. 33 Treffer kamen für den Bezirksligisten seinerzeit einmal in einer Spielzeit zusammen.

Beim WSC Frisia fühlt sich der 31-Jährige wohl

Zur Spielzeit 2016/2017 schloss sich Patrick Degen dann dem SV Atlas Delmenhorst an – und erlebte zusammen mit dem heutigen Frisia-Trainer Jürgen Hahn die weitere Renaissance des Traditionsclubs, der in dieser Spielzeit den Aufstieg in der Regionalliga Nord geschafft hat. Degen: „Jürgen Hahn hat in der Landesliga auf mich gesetzt und dieses Vertrauen wollte ich zurückzahlen. Aber ich war immer bereit, mehr zu machen als nötig war. Vor der Vorbereitung des Teams habe ich immer eine eigene Vorbereitung gemacht. Und je älter man wird, desto mehr muss man investieren.“

So wurde der Linksfuß bei Atlas zum Stammspieler – und zur flexiblen Offensivkraft auf der rechten und linken Außenbahn oder im zentralen Mittelfeld. „Atlas – das war schon etwas Besonderes. In der Landesliga hat uns ein Filmteam begleitet, dass eine Dokumentation über die Wiederauferstehung des Vereins gedreht hat. Den haben wir uns dann im Kino angeschaut. Das war schon verrückt. Auch der Sieg im Niedersachsen-Pokal gegen Bersenbrück war ein besonderer Moment. Schließlich war das ja das Ticket für das DFB-Pokalspiel ins Weser-Stadion gegen Werder Bremen, das ich natürlich gerne mitgenommen hätte.“

Bei den Frisianern fühlt sich der 31-Jährige unabhängig von seiner tollen Atlas-Zeit extrem wohl. „Ich schätze die professionelle Arbeit in allen Bereichen. Deswegen war das Gespräch über mein weiteres Engagement bei Frisia auch nach 20 Sekunden vorbei. Aber ich war nie ein Spieler, der wegen 20 Euro mehr zum nächsten Verein zieht.“

Aber Patrick Degen war immer ein Spieler, der nicht nur Spieler war. Aus dem Nachwuchstrainer in Bockhorn wurde der DFB-Stützpunkttrainer in Jever; derzeit trainiert der 31-Jährige dort u.a. zusammen mit seinem künftigen Mannschaftskollegen Henning Röbke den Jahrgang 2006. Alle drei Wochen bittet der Frisianer die U 15 Regionalauswahl in Lastrup zum Training. Seine klare Botschaft an den Nachwuchs. „Viele Spieler bringen Talent mit. Um sich durchzusetzen, muss man mehr machen als andere. Oder anders. Zufriedenheit ist Stillstand.“

Martin Münzberger
Martin Münzberger Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung
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