DELMENHORST - Gut Zehn Jahre nach „Nine Eleven“, dem Tag, der die Welt veränderte, wird die Politik von Angst und Scham getrieben. Diese Ansicht vertritt Elmar Theveßen. Der stellvertretender Chefredakteur des ZDF und gerade von einem Afghanistan-Aufenthalt Zurückgekehrte gilt als „Terrorismus-Experte“. Auf Einladung der Volkshochschule nahm er am Dienstagabend vor knapp 100 Zuhörern Stellung zu den Folgen des 11. September 2001 und schlug einen Bogen zu Heute.
Die damalige Bush-Regierung habe den Anschlag trotz Hinweisen im Vorfeld nicht verhindert. Doch nicht die Tat selbst, sondern die Folgen hätten gravierende Auswirkungen gezeigt. „Die Finanzkrise 2008 und die jetzige Eurokrise sind Folge davon“, so Theveßen.
Sichtbare Maßnahmen, wie „das Tütchenpacken am Flughafen“erhöhten die Sicherheit nicht, „solange man im Duty-Free-Shop alle erforderlichen Mittel kaufen kann, die ein Flugzeug in Gefahr bringen können“.
Von fragwürdigem Erfolg sei die Veränderung von 24 Anti-Terror-Gesetzen in Deutschland. Nationenübergreifende Abfragen von Konto- Reise- und Telekommunikationsdaten rechtfertigten kein Gefühl der Sicherheit. „Das ist politischer Aktivismus, der manchmal die richtigen Maßnahmen verhindert“, so Theveßen.
„Terrorismus ist die Anwendung von Gewalt, um Gruppen und Staaten dazu zu bringen, etwas zu tun oder zu unterlassen“, definierte er. Sorgten früher zumeist gewalttätige Gruppen für Angst, so gebe es jetzt den „Trend zum Einzeltäter“. Die Kommunikationsmöglichkeiten über moderne Medien und die Reisefreiheit innerhalb Europas erleichterten vieles: „Man kann im stillen Kämmerlein zum Terrorist werden.“
Zum Kampf gegen den islamistischen Terrorismus erklärte Theveßen: „Ob Bin Laden wirklich tot ist, spielt keine Rolle mehr, denn Al-Qaida ist zu einer Weltanschauung geworden, die weiterlebt.“ Als Ursachen für den „hausgemachten Terrorismus“ sieht der Experte eine persönliche, wirtschaftliche und soziale Benachteiligung und eine Doppelmoral in der Außenpolitik. Dadurch werde Extremisten fruchtbarer Boden bereitet. Die Gesellschaft müsse dagegen halten. Zur Afghanistan-Frage meinte Theveßen, dass dort mehr Hilfe zur Selbsthilfe statt der Ausbau militärischer Mittel erforderlich seien.
