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NWZonline.de Mann, Kinners!

„Ich mache dich gleich kaputt!!!“

16.10.2019

Oldenburg „Ich mache dich gleich kaputt!!“. Fritz ist aggro. Aber so richtig. Auch wenn niemand, ihn eingeschlossen vermutlich, so recht weiß, warum. Trotzdem: er beißt die Zähne aufeinander, sein Kopf wird langsam rot. Er zittert ein bisschen und schlägt mir dann mit all seiner Wucht gegen das Bein. Und wieder. Und wieder. Lässt sich nicht belabern, auch Ermahnungen bringen nichts. Als ich ihn schließlich am Arm packe und wegziehe, werde ich mit der ganzen Verachtung eines Dreijährigen gestraft. „Mann!“ rotzt es mir entgegen, bevor Fritz sich schmollend in sein Zimmer verzieht.

Seit gut einem Jahr geht das so. Zuerst dachte ich an die klassischen Revierkämpfe. MAMA MIR GEHÖRT. DU WEG! Doch auch Muttern bekommt ihr Fett weg, beziehungsweise ihre Prügel verpasst. Der Neidfaktor sollte also rausfallen. Darum stelle ich mir still die Ari-Gold-Frage: „Hey dickhead, what’s the beef?“

Aggression nicht diskriminieren

Der im Juli diesen Jahres verstorbene dänische Familientherapeut Jeseper Juul forderte in seiner Streitschrift „Aggression - warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist“, die Aggression nicht zu diskriminieren, sondern plädierte für einen positiven Umgang damit.

Eltern, Erzieher und auch Lehrer müssten Aggressionen zulassen, ohne dass das kindliche Verhalten dann von vornherein als „böse“ und unartig abgestempelt würde. Dafür sei jedoch Geduld und Einfühlungsvermögen nötig, meint Juul: „Es braucht eine Kindheit lang, um zu lernen, aggressive Gefühle zu integrieren und konstruktiv und kreativ zu nutzen. Wenn wir eine Welt ohne Krieg haben wollen, müssen wir dafür sorgen, dass unsere Kinder spätestens bis 15, 16 gelernt haben mit ihren Aggressionen umzugehen.“

Gut und schön, denke ich mir. Sehen wir das ganze positiv. Fritz weiß eben noch nicht, wie mit seinen Emotionen umzugehen. Da bricht es halt manchmal aus ihm heraus. Und von nichts kommt ja auch nichts: Ich hatte zum Beispiel noch in der Grundschule Probleme mit aggressivem Verhalten und so etwas schlägt wohl auf die nächste Generation durch.

Das Drei-Stufen-Programm, das nichts bringt

Verurteilen will ich ihn deshalb wirklich nicht. Und wer nicht gut drauf ist, den will ich auch nicht dazu zwingen. Schließlich laufe ich auch 85% der Zeit mit dem resting-bitch-face herum. Aber für das Zusammenleben hätte ich doch gerne sowas wie ein Ventil. Oder zumindest eine Strategie, wie ich mit des Nachwuchses Wut umgehen kann.

1. Versuch: Ignorieren

Während Fritz weiter auf mein Bein einprügelt, gehe ich in die Küche und mache mir einen Kaffee. Gucke ins Handy. Oder führe auch mal ein Telefonat. Irgendwie geht das alles schon. Aber irgendwann nerven die kleinen Fäuste dann doch so sehr, dass ich Fritz anpflaume. Worauf dieser natürlich wieder beleidigt abzieht.

2. Versuch: Reden

„Würdest du das bitte lassen“. „Willst du nicht ein bisschen spielen gehen.“ „Warum tust du mir denn weh, das mag ich nicht“. Nichts scheint durchzudringen. Auf Rücksichtnahme kann ich nicht hoffen, also gehe ich wieder zur Versuchanordnung 1 zurück.

3. Versuch: Kontra

Ich packe die kleine Hand, halte sie fest, dass Fritz nicht mehr schlagen und sich auch nicht entziehen kann. „LASS DAS SEIN! Wenn du nicht aufhörst, darfst du heute kein Fernsehen gucken und musst früh ins Bett“. Haha, die gute alte frühere Bettgehzeit. Die muss doch ziehen. Tut sie aber nicht. Fritz wird nur noch stinkiger und wir sind wieder beim 1. Versuch.

Nix war’s also mit der schnellen Lösung. Na gut, „da muss man wohl einfach durch“. Ich will schon resignieren, da kommt Fritz gut gelaunt aus seinem Zimmer stolziert und zeigt mir seinen „Lego“-Flieger. „Guck mal Papa, der fliegt ganz schnell“, schreit Fritz und rennt mit dem Flieger in der Hand um den Tisch. Fünf, sechs Runden, dann kommt er fröhlich zu mir stolziert und kuschelt sich an. Eben war ich noch echt angepisst, jetzt kann ich ihm nicht mehr böse sein. Wir kuscheln ein bisschen und schließlich offenbart Fritz doch noch den Grund für seinen plötzlichen Sinneswandel: „Papa, kann ich eine halbe Stunde Fernsehen? Nur kurz!“. Gut, dann wollen wir mal nicht so sein. Nicht, dass jemand noch sauer wird.

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