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NWZonline.de Mann, Kinners!

„mann, Kinners“ Liest Bauernhof-Bücher: Nicht nur Ministerium zeigt falsches Bild der Landwirtschaft

07.07.2020

Oldenburg Die Landfrauen der Region schäumen: Die Illustration in der Broschüre des Bundesumweltministeriums mit dem Titel „Wir schafft Wunder“ zeigt ein Bild der Landwirtschaft sowie der Rolle der Frau aus dem vorigen Jahrhundert. Als Vater ist meine Vermutung: Die Illustratoren haben selbst Kinder und haben sich an einschlägigen Bauernhof-Bilderbüchern orientiert. Denn wenn eine Genre den Nachwuchs an die Welt der Vergangenheit (oder gar der Fantasie) heranführt, dann ist es dieses.

Lesen bildet, vorlesen erst recht, so die Devise in meiner Familie. Wie funktioniert ein Flughafen, welche Züge gibt es oder wo leben welche Tiere auf der Welt: Vor allem der Große ist in einem Alter, in dem er sehr offen ist für solch lehrreiche Unterhaltung. Und auch ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich die Informationen in den betexteten Bilderbüchern als Auffrischungslektüre oft ganz gut gebrauchen kann („Hast du das gewusst, Papa?“ – „Äh...ja klar!).

Mein Wissen reicht aber aus, um zu bemerken, dass eine Großteil der Bücher zum Thema Bauernhof in der Bücherei in der Sektion „Märchen“ oder wenigstens „Geschichte“ stehen sollte. Zu sehen sind nämlich fast durchweg idyllische Bauernhöfe, die es so nicht mehr gibt, in denen zwei Schafe, drei Schweine, vier Kühe plus Hund und Katze fröhlich um das Bauernhaus hüpfen. „Enten, Hühner, Schweine, Ziegen, – niemand bleibt am Morgen liegen. – Guten Morgen Bauer Klaus – wer schaut aus dem Stall heraus?“ Es ist natürlich eine Kuh, der Klaus liebevoll in Einzelbetreuung die Milchpumpe anlegt.

Milchhöfe sind vielleicht noch am realistischsten dargestellt. Freilauf auf der Weide ist doch recht verbreitet, automatische Melkroboter sind allgemein akzeptiert. Die harten Details werden allerdings weggelassen. „Gleich kommt frische Milch. Bekommt das Kälbchen auch etwas?“, fragt ein Buch. Es fehlt die Antwort: Nein, denn das Kälbchen wird schon kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt, damit mehr Milch in den Verkauf gehen kann.

Andere Publikation: Mama-Katze auf der Suche nach ihren Kitten. „Gemeinsam gehen sie zu Mama-Schwein. Glaubst du, hier könnten die Kätzchen sein“? Natürlich nicht, müsste die Antwort lauten, denn im Gedränge des Groß-Schweinestalls wäre die junge Katze schon lange zerdrückt worden. Und Mama-Schwein braucht sie nicht fragen, die kann sich eingezwängt im Kastenstand ohnehin nicht umschauen. Stattdessen zu sehen: zwei lächelnde Schweine (natürlich nicht kupiert) mit Platz wie im Penthouse.

Auch folgenden Reim suche ich vergeblich: „Der Kunde wird nur richtig munter, geht der Kilopreis fürs Schnitzel weiter runter. Um das zu schaffen, ist doch klar, helfen Masse und Antibiotika“ (verzeiht den holprigen Rhythmus).

Es gibt einige Bücher, die von der Agrar-Lobby herausgegeben oder finanziert werden. Dass hier ein bestimmtes Bild von der Landwirtschaft vermittelt wird, ist klar. Davon abgesehen würde ich mir mehr Bücher wünschen, die ein Bild vom Leben auf dem Bauernhof zeigen, das zumindest kindgerecht die Problematik des Systems deutlich macht. Ich habe meinen Kindern von Anfang an erklärt, dass für Fleisch beispielsweise Tiere sterben müssen. Denn nur wenn sich ein breites Bewusstsein für die Zusammenhänge von Ernährung und Art der Landwirtschaft etabliert, gibt es die Chance, dass sich die Realität auf den Bauernhöfen dem Bilderbuch-Idyll zumindest wieder annähert.

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