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NWZonline.de Mann, Kinners!

„Mann, Kinners“ über Freizeit und Alltag: Wo ist die Zeit geblieben?

15.02.2021

Oldenburg Das Phrasen-Schwein wird sich bedanken, aber dennoch schreibe ich es: Wo ist die Zeit geblieben? Eine Frage, die manch einer dem älteren Semester zuschreibt, das auf sein Leben und den Nachwuchs zurückblickt. Die Frage kann aber auch anders gestellt werden. Knappe sechs Monate sind wir jetzt zu dritt und es gibt Momente, in denen ich mich frage: „Was habe ich ohne dieses Kind den ganzen Tag gemacht?“

Ein Buch, für das ich sonst vielleicht drei Wochen gebraucht hätte, lese ich mittlerweile seit zwei Monaten – und habe erst knapp über die Hälfte geschafft. Wir sind froh, wenn wir zusammen die Tagesschau gucken können. Einen Film haben wir seit ebenjenen knappen sechs Monaten nicht mehr gesehen. Dabei gucken wir an sich gerne Filme, wahlweise mit einer Tafel Schokolade oder etwas Salzigem. Meine Frau sagt jetzt ab und an wenn der Nachwuchs schläft: „So, jetzt eben schnell ein Stück Schokolade für die Nerven.“ Noch meldet sich unser Sohn, nahezu zuverlässig wie ein Uhrwerk, etwa vierzig Minuten nachdem er abends eingeschlafen ist das erste Mal.

Fünfe gerade sein lassen

Das Lustige: Ich vermisse die Filme gar nicht wirklich. Zugegebenermaßen hätte ich etwa Christopher Nolans Tenet gern gesehen. Was bisweilen fehlt sind die Abende unter Leuten. Gut, die sind zurzeit sowieso nicht wie gewohnt möglich, aber mal abends alle Fünfe gerade sein lassen bei Bier oder Wein in netter Gesellschaft – dafür fehlt mir nicht nur die Zeit, sondern einfach auch die Energie. Frei nach dem Motto: „Ui, schon 21 Uhr? Ich bin auch schon ganz schön müde.“

Und wenn mal Zeit ist, weil das Kind schläft oder mit Mama unterwegs ist, ist das ja nicht automatisch Freizeit. Dann steht der Haushalt an, oder der liegengebliebene Brief an die Krankenkasse, den Vermieter, den Energieversorger, muss endlich geschrieben werden. Und wie lange läuft überhaupt mein Handy-Vertrag noch? Die Freizeit ist quasi dafür da, derartiges zu erledigen.

Ist das normal?

Und ich frage mich: Ist das normal? Vor besagten sechs Monaten habe ich sowas eher nebenbei erledigt. Hat sich einfach mein Empfinden geändert? Apropos Empfinden: Glücklicherweise stören mich diese Alltagspflichten nicht. Komischerweise haben sie mich vor der Geburt meines Sohnes gestört. Nur mein Arbeitszimmer, das müsste ich wirklich mal wieder aufräumen. Dazu fehlt allerdings etwas Zeit.

Und wo wir gerade beim Thema Zeit sind – wir waren noch nie das total spontane Pärchen, wir haben es gerne halbwegs geplant und pünktlich. Und wir legen Wert darauf, dass unser Sohn den Schlaf bekommt, von dem wir meinen, dass er ihn braucht. Das führt nur mitunter dazu, dass wir Verabredung quasi auf den letzten Drücker fix machen. Schläft er da nicht gerade? Dann kommt Oma am besten doch eine halbe Stunde später. Paradoxerweise wirkt sich also unser Zeitmanagement für unser Kind negativ auf das Zeitmanagement anderer aus. Das vermute ich zumindest. Wir bringen unsere Schäfchen gern ins Trockene, bekamen wir jüngst zu hören. Und auch das war damit sicherlich gemeint.

Wie schaffen die anderen das?

Eine Frage schleicht sich bei mir immer wieder in den Hinterkopf: Wie schaffen die anderen das? Wir haben ein Kind und es ist zeitintensiv. Wie zeitintensiv müssen dann drei Kinder sein? Wie wenig Zeit müssen Alleinerziehende haben? Wie funktioniert das alles im Lockdown mit Homeschooling und Homeoffice? Ich bin froh, dass dieser Kelch an uns vorüberzugehen scheint. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben, heißt es. Ich vermute stark, dass der oder die Urheber/in dieses Zitats mehrere Kinder hatte. Denn nicht umsonst heißt es weiter: Aber manchmal wachsen diese schneller als er.

Die Aufgaben, die unser Kind uns stellt, werden jedenfalls nicht weniger. Wir haben zu Beginn unserer Eltern-Karriere sehr oft gehört: Nach drei Monaten wird das besser. Gemeint war damit so ziemlich alles, was das Leben mit Baby für die Eltern so fordernd macht. Mehr (Frei-)Zeit habe ich noch nicht wieder, den letzten Tatort haben wir vor etwa sechs Monaten gesehen. Wo ist die Zeit nur geblieben?

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