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NWZonline.de Mann, Kinners!

„Fingerfarben? Hast du im Atomkraftwerk geschlafen?“

26.11.2019

Oldenburg Geschenke an Kinder sind etwas Tolles – sofern man als Elternteil die Kontrolle behält. Doch so kurz man den Draht zum Weihnachtsmann auch hält und so bewusst zusammengestellt die Geschenkekiste im Spielzeugladen auch ist: Unter den Schenkern gibt es immer wieder Solokünstler, die aus der Reihe tanzen. Sie meinen es (meistens) gut. Doch vielen ist gar nicht bewusst, was sie mit ihrer vermeintlichen Wohltat anrichten. Fünf Dinge, die nur Menschen schenken, die selbst keine Kinder haben (oder die den Eltern eins auswischen wollen).

1. Musikinstrumente

Bild: Imago

Musikalische Früherziehung ist nicht zu verachten. Doch liegt der Fokus in dieser Begriffskombination auf der Erziehung, also eine Art des Formens des kleinen Menschen, in dessen Prozess einer strengen Aufsichtsperson die Verantwortung obliegt, alles in die akustisch richtigen Bahnen zu lenken. Flöte, Keyboard oder gar Schlagzeug in ungeübter Hand ohne diesen Rückhalt (weil zum Beispiel auch den Eltern jedwede Art von musikalischer Früherziehung verwehrt blieb) müssten eigentlich unter das Waffengesetz fallen. Man hätte dem Nachwuchs auch einen Flammenwerfer schenken können, die Schmerzensschreie der Menschen in seiner Umgebung wären ähnlich laut gewesen.

Mitunter hat es sich bereits herumgesprochen, dass die unaufgeforderte Ausgabe von Musikinstrumenten an die Kinder stets den Subtext „Mit euch wollen wir sowie so nichts zu tun haben“ mit sich führt, weshalb wahre Freunde und liebende Verwandte davon absehen. Doch leider sind Geburtstage und Feiertage nicht die einzigen Möglichkeiten, an solch Teufelswerkzeug zu geraten. Offenbar hat gerade das fahrende Volk der Schausteller eine Freude daran, seinen halbwüchsigen Kunden bereits beim Hauch eines Treffers beim Dosenwerfen ein musikalisches Geschenk unterzujubeln.

Erst kürzlich zeigte der Große nach dem Einsatz an der Jahrmarkts-Bude zielgerichtet auf eine Plastik-Blockflöte. Die panische Aufforderung von uns Eltern, sich doch lieber für den pädagogischen viel wertvolleren Killerroboter mit Kettensäge und Maschinengewehr zu entscheiden, wischte er beiseite. Der Rest der Erinnerung wird untermalt von einem gleichbleibenden Tinnitus.

2. Steckspiele

Bild: privat

Man nehme ein paar bunte Farben, Raum für die kindliche Kreativität und die Förderung der Feinmotorik: Fertig ist die Kleinteilhölle. Was kann man mit den kleinen Plastiksteckern nicht für farbenfrohe Gemälde zaubern – vor allem flächendeckend auf dem Fußboden. Denn weit mehr als diese Fummelei auf dem Steckbrett erfreut die Kleinen doch die Möglichkeit, Grundlagen der physikalischen Gesetze in gefühlt tausendfacher Weise zu erforschen.

Um den Bildungsauftrag vollkommen zu erfüllen, folgt daraufhin die medizinisch angelegte Studie, welches Schmerzniveau der Papa ertragen kann, wenn sich im Dunklen vergessene Einzelteile in das Fleisch seiner entblößten Füße hineinpressen. Denn - das weiß jeder, der diesen Versuch schon einmal unternommen hat – trotz ausgedehnter Aufräumaktionen mit Suchscheinwerfern und Vergrößerungsglas ist die komplette Rückführung aller Plastiksteckteile in das vorgesehene Gefäß nach der Verteilaktion ähnlich wahrscheinlich wie die längerfristige Beschäftigung eines HSV-Trainers.

3. Knete

Bild: Imago

Knete, die – scherzhaft für Geld, auch bekannt als Moneten, Kies, Moos, Mäuse, Zaster, Zunder, Knete, Kröten, Pulver, Kohle, Piepen, Schotter – und in dieser Form eine wunderbare Sache. Immer her damit. Leider gibt es noch eine andere Definition.

Knete, die – umgangssprachlich für Plastilin, teigige, nicht klebende Modelliermasse in vielen Farben. So steht es jedenfalls im Online-Lexikon. Das könnte man ergänzen: widerliches Scheiß-Zeug, das vom Nachwuchs genutzt wird, um Türschlösser zu verstopfen, um es an die Wand zu werfen und um es in kleinen Würsten und Krümeln überall im Haus zu verteilen. Beliebt sind auch dazugehörige Plastikspielzeuge, die die Kleinen dazu nutzen, um in ihrer Spielküche bunte Desserts zu zaubern, die der Papa dann mit einem „Mmmm, lecker“ goutieren muss, während er mit Feinmechanikerwerkzeugen versucht, die Reste der Knete aus den Ritzen und Löchern der Zubehörteile zu kratzen und gleichzeitig FSK-18-Flüche zu unterdrücken.

Da das eigentlich weiche Zeug natürlich niemals fachgerecht gelagert wird, verwandeln sich die Klumpen im Trocknungsprozess recht schnell zu steinharten und dafür umso mehr krümelnden Monolithen. Die farbenfrohe Phase hat die Knete zu diesem Zeitpunkt meist schon lange hinter sich. Denn durch intensivste Vermengung sorgen die Kinderhände dafür, dass Rot, Grün, Gelb und Lila schnell in einer gemeinschaftlichen Verbindung stehen, die optisch wirken, als hätte ein saudischer Prinz einen regimekritischen Clown stückchenweise in kleinen Plastikdosen entsorgt.

4. Sand

Bild: privat

Sand. Ich wiederhole: SAND. Wer es noch nicht glauben mag: Es geht wirklich um das feinkörnige Gekröse dieser Erde, das gegenüber dem herkömmlichen Dreck nur deshalb einen besseren Ruf genießt, weil es zufällig tonnenweise am Meer gelagert wird. Und wer es immer noch nicht glauben mag: Es gibt tatsächliche Menschen (sofern man sie danach noch als solche bezeichnen möchte), die Sand als Spielzeug verschenken. Für drinnen! Im Haus!!! Solche Gäste brächten womöglich auch ein Kilo Hausstaub als Gastgeschenk mit, gäbe es ihn nur fertig abgepackt zu kaufen.

Natürlich wird kein schnöder Strand-Sand verschenkt. Nein, es gibt doch diesen tollen kinetischen oder Zaubersand. Versetzt mit einigen Zutaten bilden die Körner eine zusammenhängende Masse, mit der sich einzigartige Kunstwerke erstellen lassen und bei der (theoretisch) kein Sandkorn verloren geht. Wenn man denn - wie für die meisten Kinder typisch - diszipliniert, mit größter Geduld und ohne hektische Bewegung damit umgeht. Bei allen anderen kleben die zusammenhängenden Sandflatschen auch beeindruckend flächendeckend an der Wand, werden an Klamotten und Sofas abgeschmiert oder landen häufchenweise auf dem Fußboden.

Da das Zeug vom Kilopreis her von Biofleisch kaum zu unterscheiden ist, werden die Reste natürlich regelmäßig aufgeklaubt oder gefegt, um sie der Hauptmasse wieder hinzuzufügen. Leider landen auf diese Weise auch Brötchenkrumen, Katzenhaare, Knetekrümel (siehe oben) und andere Kleinstteile in diesem Sandberg. Was dazu führt, dass der Haufen schnell einen höheren Nährwert hat als das Frühstücksmüsli und optisch vom bereits erwähnten herkömmlichen Dreck nicht mehr zu unterscheiden ist.

5. Fingerfarben

Bild: Imago

Um dem Kunstverständnis des Nachwuchses und daraus folgend der Entwicklung des Kreativzentrums auf die Sprünge zu helfen, sind schnell Farben bei der Hand, oder besser: in der Hand. Denn Fingerfarben tragen die Anwendungsweise bereits im Namen und sorgen auf Elternseite bereits beim Gedanken daran für panische Reaktionen. Wissen wir doch, dass Kinder ihre kleinen Fingerchen nur unter Zwangsmaßnahmen im gewünschten Umfeld lassen, deren Anwendung allerdings in den Bereich der gesetzlichen Grauzone fällt.

Das wäre ja kein Problem, wenn man wüsste, dass der hochtalentierte Spross im Rahmen seines Kunstexkurses Rembrandts Nachtwache oder wenigstens einen stylishen Banksy großflächig an die Wohnzimmerwand patschen würden. Solcherlei Aktionen böten zumindest Potenzial für einen erfolgreichen Instagram-Kanal. Lieder sind die technischen Fertigkeiten von Kleinkindern in den meisten Fällen noch nicht so weit ausgereift, so dass ein Kunstprojekt ohne entsprechende Aufsicht schnell hohe Umsatzsteigerungen in der Wandfarbenabteilung des örtlichen Baumarkts zur Folge haben kann.

Es ist also kein Wunder, dass kürzlich ein dem Autor bekannter Vater auf den Vorschlag der eigenen Frau, doch vielleicht Fingerfarben für die einjährigen Zwillinge zu kaufen, nach einer kurzen Panikattacke mit einer legendären Antwort reagierte, in der die für Männer typische Gelassenheit in jedem Wort mitschwingt (bitte aufs Bild klicken).

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