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NWZonline.de Mann, Kinners!

Wenn meine Kinder ihre Oma „Umweltsau“ nennen

31.12.2019

Oldenburg Wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Niemand hat eine Glaskugel, die alles verrät. Wollen wir ihn aber zumindest mal versuchen: den Ausblick auf das Jahr 2020 in der Familie:

Januar 2020: Der erste Schnee(regen)

Am 18. Januar fällt Schnee. Massig! Weite Bereiche der Nachbarschaft, alle Straßen, Häuser und Autos liegen unter einer dicken weißen Schneeschicht, als die Familie um 8 Uhr aufsteht. Begeistert ziehen sich die Kinder dicke Klamotten über, schnappen sich den Schlitten und jagen mit ihm den 1,30 Meter hohen Hügel am Spielplatz hinunter. Schneebälle fliegen, Schneemänner werden gestapelt, Kinderlachen überall. Dann wird es 15 Uhr. Es regnet in Strömen. Um 18 Uhr liegt nur noch Schneematsch. Am nächsten Morgen ist alles weg. Die Kinder warten noch zwei Wochen lang, auf dem Schlitten sitzend, auf die nächsten Flocken.

Februar 2020: Karneval mit Werder Bremen

24. Februar, Rosenmontag: In Köln, Mainz, Düsseldorf und Co. ist die Hölle los. In Ganderkesee und Damme immer hin noch eine kleine Vorhölle. Ansonsten ist der Nordwesten heute wie an jedem anderen Tag. Ausnahme: Kindergärten und Schulen! Eric verkleidet sich dieses Jahr als Werder-Spieler: Nach dem Aufstehen steigt er ab. Die Treppe zum Hausflur. Und Fynn wollte in diesem Jahr gerne als einer der drei „PJ Masks“-Helden gehen, nachdem er schon einmal Chase von „Paw Patrol“ war. Wir konnten es gerade noch verhindern: Nun geht er als lustiger Clown. Der traurige Clown ist ja sein Bruder schon.

März 2020: Kulturkampf mit Mark Forster

Endlich ist es soweit: Nach einem halben Jahr Dauergedudel erklärt Eric, dass er Mark Forster nicht mehr hören kann. Ich bin überglücklich und fühle mich befreit von den „Chören“ in der Dauerschleife. Problem: Seine CD reicht er weiter an Fynn, der sie nun von morgens bis abends laufen lässt. Er selbst folgt nun dem neuesten Musiktrend auf dem Schulhof – und kauft eine CD von Helene Fischer. Der Ohrenstöpsel-Verbrauch im Haus steigt sprunghaft an.

April 2020: Das Eier-Desaster

Am Ostersonntag liegen in unserem Garten 24 Schokoladen-Eier und zwei kleine Nester mit kleinen Geschenken darin versteckt. Mama und Papa haben sie schon früh am Morgen dort verteilt, jetzt sind auch die Kinder wach und stürmen noch in ihren Schlafanzügen hinaus. Blitzschnell sind die ersten Eier gefunden. Wir Eltern versuchen, die Jungs in unterschiedliche Richtungen zu steuern, damit jeder mehr oder weniger dieselbe Zahl an Eiern finden kann. Am Ende hat Fynn 12 und Eric 11. Es folgen eine Schimpftirade und kleine Handgreiflichkeiten. Dann stürmt Eric wutentbrannt ins Haus, tritt dabei auf das 12. Ei, das sie vorher übersehen hatten. Ostern fängt schon mal gut an.

Mai 2020: Eine Nacht im Kindergarten

Für Fynn, unseren Jüngsten, sind es die letzten Wochen im Kindergarten, bevor er in die Schule kommt. Traditionell steht für diese Kinder nun eine Nacht im Kindergarten an, mit Erzieherinnen und Erziehern und allen Kindern – die sich trauen. Fynn hat sich wochenlang darauf gefreut, aber als es wirklich ernst wird, scheint er einen Rückzieher machen zu wollen. „Mama soll mitkommen und da schlafen“, sagt er. Wir handeln ihn auf einen Mama-Schal hinunter, den er mit ins Bett nehmen kann. Deal! Am nächsten Tag kommt Fynn wieder nach Hause und ist hundemüde. Erst um 23.30 Uhr hatte er die Augen zugemacht. Beim Abendbrot zu Hause schlummert er friedlich ein.

Juni 2020: Schlechtes Gewissen zur EM

Die Fußball-EM beginnt. Alle Kinder in der Nachbarschaft sind voll im Fußballfieber. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Lütter mit Deutschland-Trikot durch die Straßen rennt. Auch Fynn und Eric tragen gerne weiß und eine Nummer auf dem Rücken. Die Shirts waren sehr günstig: 3,99 Euro. „Na, wo die wohl produziert wurden?“ frage ich mich kurz, lehne es aber ab, ein Original-Trikot für 55 Euro zu kaufen. Die werden in Bangladesch wahrscheinlich ohnehin in der Nachbar-Fabrik unter denselben schlechten Bedingungen gemacht, denke ich mir. Kurz habe ich ein schlechtes Gewissen, aber.... DEUTSCHLAAAAND!!1!

Juli 2020: Urlaubsreif im Urlaub

Endlich Sommerferien! Zu viert machen wir uns auf den Weg an die Ostsee. In den vergangenen Jahren waren wir eher in Süddeutschland unterwegs, aber gerade die Kinder haben stark dagegen protestiert, zu lange Strecken zurückzulegen. So waren es nur 245 Kilometer. Da Fynn zweimal kotzen musste, Eric eine Flasche Apfelschorle auslief und eine Reifenpanne kurz vor einem zweistündigen Stau bei Hamburg dazwischenkam, kamen wir nach neun Stunden um Urlaubsort an.

August 2020: Aller (Schul)anfang ist schwer

Fynn wird eingeschult: Voller Stolz trägt er die Schultüte vor sich her. Zusammen mit 1429 weiteren Eltern, Großeltern und anderen Verwandten schauen wir zu, wie eine Horde von Sechs- und Siebenjährigen voller Ehrfurcht und mit ein bisschen Angst sich von den anderen Kindern der Schule unterhalten lassen. Eric ist mittlerweile in der dritten Klasse und führt mit der 3d den Neulingen einen Willkommenstanz vor. Das heißt: Die Mädchen tanzen voller Inbrunst mit, die Jungs suchen sich währenddessen eine Alibi-Bewegung. Fynn ist es egal, er ist glücklich mit der neuen Umgebung und strahlt am Abend noch stundenlang seine Schultüte an. Drei Tage später kommt Fynn mittags in die Wohnung gestürmt, schmeißt seinen Schulranzen in die Ecke und schreit: „Ich habe keinen Bock mehr! Schule ist doof! Morgen gehe ich wieder in den Kindergarten!“

September 2020: Oma als Umweltsau

Herbstanfang: Am 22. September beginnt offiziell die neue Jahreszeit. Damit geht der heißeste Sommer seit Beginn der Zeitrechnung zu Ende. Von Juni bis September schwitzten wir bei 22 Grad im Schnitt. Fynn und Eric wissen schon lange, dass wir Erwachsenen „weniger Umweltverschmutzung machen“ müssen. Als meine Mutter die beiden mit dem gerade neu gekauften SUV abholt, empfangen sie sie mit der Frage „Oma, warum bist du so eine Umweltsau?“ Kurz fühlt sich die Oma beleidigt, denkt dann aber kurz über ihr Verhalten nach und stellt den SUV auf NWZ-Auto zum Verkauf. Seit dem Tag fährt Oma nur noch Fahrrad – im Hühnerstall.

Oktober 2020: Kotzen an Halloween

Es ist wieder Halloween-Zeit: Der ganze Vorort gruselt sich – die eine Hälfte aus Sympathie zu den Kindern, die sich als Hexen, Vampire oder Zombies verkleiden. Die andere Hälfte gruselt sich vor dem Brauch, zieht die Jalousien zu, schaltet das Licht aus oder hängt hasserfüllte „Hier nicht!“-Botschaften vor die Haustür. Unsere Nachbarschaft ist voller Kinder, und sind die Straßen rundherum auch in diesem Jahr wieder Kampfgebiet der Gruselarmee. (Lesen Sie auch: „Mann, Kinners“, zu Halloween: Diesen Häuserkampf werdet ihr nicht mehr los.)

Eric rennt als Monster verkleidet von Haustür zu Haustür. Er ist mittlerweile neun Jahre alt und körperlich in der Lage, drei große Tragetaschen, gefüllt mit Süßigkeiten, mit sich zu schleppen. Voller Stolz breitet er die Beute am Abend in unserem Hausflur aus. Fynn war leider nicht dabei. Er plagt sich mit einer Magen-Darm-Grippe herum. Beim Anblick der Schoko- und Fruchtgummi-Pracht übergibt er sich auf die Süßigkeiten. Eric wird jetzt auch innerlich zum Monster.

November 2020: Jedes Jahr die gleiche Leier

Der November ist kalt. Der November ist grau. Der November ist trist. Der November ist nass. Also alles wie immer.

Dezember 2020: Die Wahrheit kommt ans Licht

Es ist soweit: Eric (9) glaubt nicht mehr ans Christkind. „Papa, warum kommt das Christkind eigentlich zu uns, zu anderen aber der Weihnachtsmann? Wie transportiert ein so kleines Kind eigentlich die ganzen Geschenke? Warum dürft ihr an Heiligabend ins Wohnzimmer, aber wir nicht? Wieso bringt mit das Christkind ständig Geschenke, die nicht funktionieren – und an wen schickt ihr sie dann zurück? Ist das Christkind eigentlich Jesus oder ein Mädchen? Und warum ist es auch schon zu Oma und Opa gekommen und seitdem nicht älter geworden? Gibt es das Christkind eigentlich wirklich?“ Mit diesen Fragen wurde ich in der Weihnachtszeit so häufig konfrontiert, dass weder meine Fantasie noch meine theologische Bildung ausreichen, um zufriedenstellend zu antworten: „Das Christkind gibt es, wenn du daran glaubst“, antworte ich ausweichend. „Wenn ich nicht daran glaube, bekomme ich dann trotzdem Geschenke?“, fragt Eric zurück. Ich sehe kurz die Möglichkeit, viel Geld zu sparen, gebe dann aber zu: „Natürlich! Nur halt von deinen Eltern – und die gibt es wirklich.“

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