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NWZonline.de Mann, Kinners!

Revanche für den Muttertag – mit Bier und Prügelei

30.06.2019

Oldenburg An jedem zweiten Sonntag im Mai rufen die Deutschen einen maternalen Ausnahmezustand aus: den Muttertag. In Kindergärten und Grundschulen wird gebastelt und gemalt, was das Zeug hält. Blumenläden schieben Überstunden, in den Marketing- und Produktionsabteilungen von Pralinenherstellern gilt eine Urlaubssperre. Das ganze Land huldigt den Leistungen, den Entbehrungen und der Hingabe von Frauen, die Kinder zur Welt gebracht und sie – im Idealfall – auch gut auf das Leben vorbereitet haben.

Zu Recht! Müttern gebührt dieser Dank, und es ist gut, dass es einen Tag gibt, an dem kleine und große Kinder diesem Ausdruck verleihen – wobei niemandem ein Zacken aus der Krone fällt, dies auch an einem der 364 anderen Tage zu tun.

Weltuntergang am Vatertag?

Nun steht also der Vatertag bevor: am 30. Mai in diesem Jahr. Weltuntergang, wenn man einem Schlager von Will Glahé aus dem Jahr 1954 Glauben schenken mag. An diesem Tag werden Männer, vor allem junge, wieder durch die Lande ziehen. Wir werden Nachrichten von Unfällen und Prügeleien hören, wenn wir sie denn hören können, bei all dem alkoholgeschwängerten Gegröle seitens des Bollerwagen-Trecks. Respekt oder Dank für erzieherischen Einsatz und väterliche Liebe? Fehlanzeige!

Historisch gesehen ist der Vatertag ein Versuch, Männern, denen jahrhundertelange Privilegien und Herrschaft über die Frau nicht ausreichen, einen Ausgleichstag für den Muttertag zu schenken. Einen Tag, an dem endlich der Mann im Mittelpunkt steht. Und der – ganz Mann – natürlich begossen wird.

Doch ist es tatsächlich so? Woher kommt der Vatertag? Was hat der Himmelfahrtstag damit zu tun? Wird tatsächlich nur gesoffen? Und wer feiert den Tag überhaupt?

Zu Ehren eines alleinerziehenden Vaters

Tatsächlich soll der Vatertag eine Reaktion auf die Einführung des Muttertags gewesen sein: Eine US-Amerikanerin soll die Idee zu Ehren ihres Vaters vorangetrieben haben, der sechs Kinder allein großgezogen hat. Das war 1909, zwei Jahre, nachdem erstmals der Muttertag, wie wir ihn heute kennen, begangen wurde – ebenfalls in den USA. Offizieller Feiertag wurde der Vatertag dort jedoch erst im Jahr 1974 – der Muttertag bereits 1914. 60 Jahre Unterschied, die von der Rolle des Vaters in der Gesellschaft künden: Was braucht der Vater einen Ehrentag, wenn Kinder ohnehin allein Sache der Mutter sind?

Zum Muttertag gibt’s eine große Show im MDR (hier mit Ireen Sheer, Peggy March, Lena Valaitis und Graham Bonney). Am Vatertag wird viel Bier getrunken.

Im Herkunftsland USA, aber auch in vielen anderen Ländern, feiern Väter am dritten Sonntag im Juni, in Deutschland an Christi Himmelfahrt, und der ist meistens im Mai, sehr selten auch im April oder Juni. Warum an diesem Tag?

Seit den 1930er-Jahren ist Christi Himmelfahrt in Deutschland offiziell als Vatertag anerkannt. Da hatten Wanderungen, „Herrenpartien“ und Saufgelage an diesem Tag schon eine lange Tradition. Bereits im Mittelalter soll der Tag als Vatertag gegolten haben – da Jesus in der Himmelfahrt zu seinem Vater aufsteigt. In der Bibel heißt es, Jesus habe seine Jünger nach der Auferstehung 40 Tage lang über das Reich Gottes gelehrt und sei dann in den Himmel aufgefahren, um „zur Rechten Gottes“ zu sitzen.

Die Probleme der Kirche mit den Vatertagsritualen

Und so hatten die Kirchen ihre Probleme mit den feuchtfröhlichen Ritualen – waren sie doch viel zu weit weg von der christlichen Bedeutung des Tages. Klagen darüber soll es schon im 17. Jahrhundert gegeben haben. Wie steht ein Mann des Glaubens heute zum Vatertag und den zum Teil fröhlichen Trinkgelagen? Nachfrage beim evangelischen Pfarrer Matthias Hempel aus Oldenburg: „Das ist eine Spezialkultur, die sich mir persönlich nicht erschließt“, sagt der 55-Jährige. „Ich sehe den Tag eher als Familientag und nicht so exklusiv.“ Aber: Wer sich die Kante geben wolle, dem stehe das selbstverständlich frei: „Solche Rituale sind nicht unbedingt logisch, aber tradiert.“ Gesoffen wurde eben schon immer.

Lesen Sie auch: Kinners, ihr seid doch gar keine Papas! (aus dem Tussiblog von NWZonline)

Doch der alkoholisierte Marsch durch Feld und Wiese habe auch eine Gemeinsamkeit mit dem ursprünglichen Gedanken von Christi Himmelfahrt: „Wir gehen raus in die Natur, sind gemeinsam unterwegs und nutzen die Möglichkeiten des schönen Wetters“, sagt Hempel – Himmelfahrtsgottesdienste werden oft auch unter freiem Himmel gefeiert. Der Pfarrer ist übrigens selbst dreifacher Vater. Auch er ist nach dem Gottesdienst gerne unterwegs. Und, trotz aller Prügeleien, Unfälle und Alkoholleichen: „Ich finde es gut, dass wir noch miteinander unterwegs sind. Es gibt noch solche Traditionen. Das ist grundsätzlich zu begrüßen.“

Beliebte Straftaten am Vatertag

neuer Vater-Blog „Mann, Kinners“

„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“ – das geflügelte Wort kennt jeder. Und jeder Vater kann dazu seine Geschichte erzählen.

Im Internet-Blog „Mann, Kinners“ schreiben ab sofort die NWZ-Redakteure Patrick Buck, Björn Buske und Christian Schwarz über ihren Alltag als Väter junger Kinder.

Einmal wöchentlich erscheinen hier neue Beiträge zum Schmunzeln, Mitfühlen und manchmal auch zum Aufregen.

Aber ist es eigentlich wirklich so schlimm? Sind Einsätze von 60 Polizisten, die ein Dutzend prügelnde Streithähne voneinander trennen mussten – wie im Vorjahr in Ganderkesee – nur die Spitze eines Eisbergs? Zumindest gilt am Vatertag erhöhte Wachsamkeit bei den Polizisten im Oldenburger Land: Insbesondere Delikte wie Körperverletzungen, Angriffe auf Beamte, Zechprellereien, Beleidigungen, Bedrohungen, Hausfriedensbrüche und Drogenmissbrauch kämen überdurchschnittlich vor, wie ein Oldenburger Polizeisprecher mitteilt. Allerdings sei das auch Pfingsten oder am 1. Mai so. Die Mischung aus Alkohol und frischer Luft scheint nicht nur am Vatertag explosiv zu sein.

Großeinsatz der Polizei am Vatertag 2018 in Hoykenkamp. Bild: Nonstopnews

Die Gruppe der Tatverdächtigen ist jedoch klar umrissen: männlich, zwischen 18 und 50 Jahre alt, sagt die Polizei. Das verwundert am Vatertag nicht wirklich. Jugendliche und junge Männer träten besonders durch Sachbeschädigungen in Erscheinung. Eine erhöhte Unfallrate kann die Polizei hingegen nicht bestätigen. Im Gegenteil: Die Zahl der Unfälle sei verglichen mit den restlichen Tagen des Jahres sogar unterdurchschnittlich. Wer mit dem Bollerwagen unterwegs ist, kommt zumindest nicht in die Versuchung, mit dem Auto zu fahren.

Ein tödlicher Feiertag

Bei der Zahl der alkoholbedingten Unfälle sieht es anders aus: Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts ist der Vatertag bundesweit regelmäßig – mit Neujahr – einer der beiden gefährlichsten Tage im Jahr. Die Zahl ist oft viermal so hoch. Und das muss nicht einmal mit alkoholisierten Autofahrern zu tun haben. Denn auch von schwankenden Bollerwagen-Jüngern kann eine Gefahr für den Straßenverkehr ausgehen – warnt zumindest die Deutsche Verkehrswacht.

Die Zahlen sind für Männer generell nicht schmeichelhaft. Und wer sich jemals bei einem Volksfest nach Mitternacht mit nüchternem Auge umgesehen hat, weiß: Alkohol und Testosteron können wie heißes Öl und Wasser sein. Das ist am Vatertag nicht anders. Erst recht, wenn der Alkoholkonsum schon beim Frühschoppen beginnt.

Getränke-Gastronomie profitiert am Vatertag

Und doch ist nicht jede Herrentour eine Zusammenkunft potenzieller Kandidaten für die Ausnüchterungszelle. Aber: „Es profitieren besonders Gastronomiebetriebe, die vor allem Getränke anbieten.“ Das sagt Hildegard Kuhlen, Geschäftsführerin des Dehoga-Bezirksverbands Weser-Ems. „Im Gegensatz zu Pfingsten, wo meiner Beobachtung nach mehr gegessen wird.“

Lese-Tipp:Weitere Termintipps für den Vatertag finden Sie im Veranstaltungskalender

Die Vorurteile scheinen sich zu bestätigen: Am Vatertag wird gebechert, tödliche Unfälle und eine Häufung von Straftaten sind die Folge. Und das alles nur, weil Männer den Frauen einen den Müttern gewidmeten Ehrentag nicht gönnen wollen: eine „Revanche für den Muttertag“ vermutet Pfarrer Hempel. Ist das der Vatertag?

Männer und Väter können zumindest auch anders: Sie machen Fahrrad-Ausflüge mit den Familien, nutzen das lange Wochenende für Kurzurlaube oder bleiben einfach zu Hause – und basteln mit den Kindern schon mal an der Karte für den nächsten Muttertag.

Dies ist ein Beitrag aus „Mann, Kinners“, dem Vater-Blog auf NWZonline.

Christian Schwarz Redakteur / Online-Redaktion
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