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NWZonline.de Mann, Kinners!

Die unendliche Reise mit einem Bobby-Car

15.09.2019

Oldenburg Bald ist es Zeit fürs Abendbrot. Laut Google Maps sind es vom Spielplatz bis nach Hause 589 Meter. Ein Katzensprung. Leider habe ich keine Katze dabei. Dafür den Kleinen (bald zwei Jahre alt) – und sein Bobby-Car. Ein Protokoll.

17.30 Uhr: „Wir wollen nach Hause!“ – „Nein!“ Er spricht noch nicht viel. Aber wenn, dann besteht eine 83-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass ein „Nein“ seinen kleinen Mund verlässt.

17.31 Uhr: „Heiuah!“ – „Äh, wie meinen?“ – „Heiuah“ (zeigt auf die Rutsche). „Ach so, einmal? Na gut, einmal noch!“

17.36 Uhr: „Heiuah!“ – „Nee, das waren jetzt schon sechs Mal, jetzt geht’s nach Hause, ja?“ – „Nein!“ Ich atme tief durch. Dann die Eingebung. „Wir gehen zu Mama!“ – „Mama!!!!“. Ich seufze. Besonders frustrierend: Würde die beste Mama von allen „Papa“ als Motivationshilfe nehmen, käme meist nur „Nein!“

17.37 Uhr: Der Kleine setzt sich aufs Bobby-Car und rutscht los. Gleich ein schönes Salamibrot, denke ich.

17.38 Uhr: Nach zwölfeinhalb Metern ist die Fahrt erst einmal wieder zu Ende. Der Kleine reckt die Hand und macht seine nervigen Haben-wollen-Geräusche. Ach ja, die verfluchte Bobby-Car-Leine. Schlaue Produktentwickler sind einst auf die Idee gekommen, dass man die Rutschautos ja auch ziehen könnte. Also führe ich einen zwei Meter langes Seil mit einem Haltegriff an dem einen und einem Haken am anderen Ende mit mir. Letzteren platziere ich unter dem fröhlichen Gequietsche meines Sohnes vorne an der vorgesehenen Vorrichtung des Bobby-Cars. Der Kleine setzt sich drauf, nimmt die Füße hoch und ich ziehe. Ab nach Hause, das Salamibrot wartet.

17.40 Uhr: Die Ich-will-das-anders-Geräusche (Nicht zu verwechseln mit den Haben-wollen-Geräuschen, die Differenzierung ist nur etwas für Kenner) erreichen mein Ohr nach 25 Metern. Das Problem an der tollen Bobby-Car-Leine ist, dass die potenziellen Passagiere für diese Konstruktion genau in dem Alter sind, in dem sie alles selbst machen wollen. Heißt: der Kleine will ziehen und tut es dann auch.

17.41 Uhr: Das weitere Problem an der Bobby-Car-Leine ist: Wenn niemand das Auto lenkt, während man es mit dem Seil zieht, manövriert es überall hin, nur nicht dorthin, wo es hin soll. Ich selbst darf nicht lenken, das erzeugt beim Kleinen nämlich das Ablehn-Geräusch. Dass das Bobbycar ihm aber nicht folgen will, hat allerdings das in seiner Nervigkeit nicht weniger anstrengende Ärger-Geräusch zur Folge. Den Spielplatz kann ich immer noch sehen, das Salamibrot noch lange nicht.

17.42 Uhr: Papa ist ja ein Fuchs. Ich binde die Leine einfach vorne am Lenkrad fest, so dass dieses sich entsprechend der Zugrichtung mitbewegt und das Bobby-Car somit meinem Sohn folgt. Tolle Idee, denke ich. Blöde Idee, denkt mein Junior, denn so hängt das Auto ja gar nicht mehr ordentlich am Haken, was er entsprechend wortgewandt kommentiert (siehe: Ablehn-Geräusch).

17.47 Uhr: Mit Überredungskünsten, die für Frieden im Nahen Osten sorgen könnten, überzeuge ich den Kleinen noch einmal von der Du-sitzt-drauf-und-ich-ziehe-Variante. Ich stapfe hungrig drauf los. Nach 30 Metern plötzlich Widerstand an der Leine, dazu ein Knistern und überraschtes Wimmern: Der Kleine hat sich selbst ins Gebüsch gelenkt. Erste Schaulustige treten in die Vorgärten.

17.49 Uhr: Lieber die Sicherheitsvariante: Ich gehe beim Ziehen rückwärts und versuche meinen Sohn mit Lenkanweisungen zwischen den Grundstücksbegrenzungen und dem Bordstein auf dem Gehweg zu halten. Manchmal hilft nur ein beherzter Zug an der Leine, um das Bobby-Car etwas ruppig wieder auf die Spur zu bringen. Mmmmh, Salami.

17.53 Uhr: Das Ich-will-das-anders-Geräusch ist wieder da. Der Kleine stellt sich vor mich und reckt beide Arme. Stelle mich stur. Habe keine Lust, Kind und Bobby-Car nach Hause zu tragen. „Nein!“, sage ich. Das kann ich nämlich auch.

17.56 Uhr: Die drei Minuten Gejammer sitze ich auf einer Backe ab. Nun wendet sich der Kleine wieder dem Bobby-Car zu.

18.06 Uhr: Sitze nun schon einige Zeit auf dem Bordstein. Mein Sohn hat Bobby-Car und Leine zwar wiederentdeckt, aber nicht als Transportmittel, sondern als Spielzeug: Haken vorne dran, Haken hinten dran, die Leine auf- und abwickeln, usw. Versuche mich, an den Geschmack von Salami zu erinnern.

18.09 Uhr: Der Kleine will wieder selbst ziehen. Also Leine am Lenkrad anbinden, immer wieder erklären, dass das Auto anders nicht gelenkt werden kann, dann geht es endlich weiter.

18.11 Uhr: „Hoch!“ Er reckt wieder die Arme. „Nein!“ Ein paar Tränen bei ihm.

18.13 Uhr: Weitere Experimente mit Bobby-Car und Leine. Diesmal werden der Bobby-Car-Anhänger und Blätter vom Gebüsch mit einbezogen. Ein paar Tränen bei mir.

18.14 Uhr: Der Hunger gewinnt gegen meinen Stolz, ich ziehe wieder die Mama-Karte. Es geht vorwärts.

18.16 Uhr: Das letzte Stück ist schnurgerade und gut ausgebaut. Also versuche ich es mit Action: Ziehen im Laufschritt. Der Kleine quietscht vor Freude. Auch als er etwas ungestüm lenkt und das Bobby-Car auf zwei Rädern gerade noch wieder den Weg in die Waagerechte findet.

18.18 Uhr: Wir sind zu Hause. Vergrabe die Bobby-Car-Leine im Garten und begebe mich zum Abendbrottisch. Mein Großer grinst mich an: „Papa, ich hab‘ die letzte Salami aufgegessen“. Weitere Erinnerungen fehlen.

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