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Vater-Blog „mann, Kinners“ „Ja, Sie dürfen mein Kind auch nackt sehen“

Oldenburg - Es war ein ganz normaler Elternabend im Kindergarten: Die „neuen“ Eltern stellen sich vor, wir lauschen den Veränderungen im Alltag der Frösche-Gruppe und senken wie ferngesteuert die Köpfe, wenn es darum geht, einen neuen Elternsprecher zu wählen. Auf dem Tisch liegen Süßigkeiten und Gebäck, die kindgerechten Stühle stanzen tiefe Täler in meine viel zu breiten Oberschenkel.

Und dann kam da diese Frage, die alles andere als alltäglich war, zumindest für mich. Sie war nicht unfreundlich formuliert und hatte auch an sich nichts Skandalöses an sich. Vielmehr war es der Fragensteller bzw. sein Geschlecht, das mich aufhorchen ließ: Ein junger Mann, vermutlich um die 18, der ein Freiwilliges Soziales Jahr in dem Kindergarten absolviert, erklärte, er wolle die Kolleginnen und Kollegen (Ja, es gibt auch männliche Erzieher in unserem Kindergarten: einen) zusätzlich unterstützen und den noch nicht „trockenen“ Kindern beim Wechseln der Windeln helfen. „Und da wollte ich Sie fragen“, begann er zögerlich, „ob das für Sie in Ordnung ist?“

Da war ich baff. Neben mir nickten die ersten Eltern mit den Köpfen, und auch ich begann schnell, meine Zustimmung zu signalisieren. Irgendwie schien es aber allen unangenehm zu sein. Unangenehm deshalb, weil die Antwort eigentlich eine Lappalie sein sollte. „Warum nicht?“ mochte man dem Jungen zurufen, immerhin ist er schon seit Monaten dabei, und alle anderen Erzieherinnen, Praktikantinnen und vermutlich auch FSJlerinnen wickeln doch auch, wenn es verlangt wird (und fragen nicht um Erlaubnis). Seine Frage wird er allerdings kaum gestellt haben, weil er sich mit unserer Zustimmung besser fühlt. Vermutlich musste er sie stellen. Weil er ein Mann ist.

Männliche Erzieher und der böse Verdacht

Mir fielen nach der Frage sofort Geschichten von Erziehern ein, die ich gelesen habe. In denen Männer berichten, wie sie von Eltern oder Kolleginnen argwöhnisch beäugt, misstrauisch beobachtet, oder sogar konkret verdächtigt wurden, nach dem Motto: „Was macht mein vierjähriger Sohn auf ihrem Schoß? Was machen Sie da mit meinem Kind?“ Solche Äußerungen werden eher die Ausnahme sein. Aber Erfahrungen mit überängstlichen Eltern wird man im Kindergarten schon gemacht haben, so erkläre ich mir zumindest die Frage des jungen Mannes.

Die panische Angst mancher Eltern, ihr Kind könne sexuell missbraucht werden, ist für mich unverständlich. Erst recht, wenn sie dazu führt, dass pauschal jeder Mann, der dem Kind zu nahe kommt, in den Dunstkreis des Kindesmissbrauchs geschoben wird. Diese Einstellung offenbart übrigens auch eine höchst fragwürdige Bewertung der Geschlechterrollen, nach dem Motto „Warum soll sich ein Mann sonst freiwillig den halben Tag mit kleinen Kindern abgeben?“

Missbrauchsfälle schüren Vorurteile gegenüber Männern

Ja, sexueller Missbrauch meines Kindes gehört zu den schlimmsten Dingen, die auch ich mir vorstellen kann. Aber muss ich daher überall einen potenziellen Täter sehen? Auch im Kindergarten? Klar, es gibt prominente Fälle von Kindesmissbrauch in Institutionen wie den Regensburger Domspatzen, in der Odenwaldschule oder in der Katholischen Kirche – sogar in Kindertagesstätten. Da hat man Schutzbefohlene, erwachsene Betreuer oder Lehrer, denen vertraut wird, und oben drüber ein Netz des Schweigens und Vertuschens. Furchtbare Geschichten, ohne Frage.

Ein Erzieher in einer Kita: Wieso müssen manche hier gleich an das Schlimmste denken?  Bild: Imago

Ein Erzieher in einer Kita: Wieso müssen manche hier gleich an das Schlimmste denken? Bild: Imago

Aber rechtfertigt das ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Männern, die mit Kindern zu tun haben? Im Leben nicht! Ein Mann, der gerne in einem Kindergarten arbeitet, soll das tun. Und er soll mein Kind in den Arm und auf den Schoß nehmen, es trösten und mit ihm spielen. In der Frösche-Gruppe meines Sohnes arbeitet auch ein Erzieher, der einzige im Kindergarten. Er bietet den Kindern etwas, was ihnen sonst oft fehlt: eine männliche Bezugsperson. Jemanden, der mit ihnen in der Werkstatt baut. Fußball spielt*. Und ihnen einfach zeigt: Umgang mit Kindern ist keine reine Frauensache. Auch Männer können Spaß mit Kindern haben. Ohne. Jeden. Hintergedanken.

*Ja, das können und machen Frauen auch – bei uns verhält es sich aber in der Realität noch anders

Christian Schwarz
Christian Schwarz Online-Redaktion
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