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NWZonline.de Mann, Kinners!

Lügen am Küchentisch – ohne rot zu werden

11.06.2019

Oldenburg Es ist Abendbrot-Zeit: Fynn und Eric mummeln an ihren Broten. Die Kruste ist mal wieder zu hart, ansonsten beißen sie aber beherzt zu. Es war ein langer und anstrengender Tag, die beiden haben tatsächlich einfach nur Hunger, der gestillt werden möchte.

Da fällt mein Blick auf eine Schale mit Kirschtomaten. Eine davon hat eindeutige Bissspuren. „Wer hat in die Tomate gebissen?“ frage ich bestimmt, aber freundlich. Vier große Kinderaugen schauen zunächst mich an, dann sich gegenseitig: „Ich nicht“, sagen beide gleichzeitig. Meine Frau sitzt mir gegenüber und grinst. Ich nehme sie dennoch aus dem Kreis der Verdächtigen. Aus Erfahrung.

Keine Tomate beißt in sich selbst

Das Dementi meiner zwei Söhne mag ich hingegen nicht ganz glauben. Immerhin verziehen sie keine Miene, während sie ihre Unschuld beteuern. „Leute, einer von euch wird’s gewesen sein“, fahre ich meine Untersuchung fort. „die Tomate hat kaum in sich selbst gebissen. Sagt mir bitte die Wahrheit!“ Weiterhin bleiben sie bei ihrem Standpunkt, nun aber schon mit einem Hauch Verzweiflung in der Stimme: „Wir waren das nicht!“

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Gut, ich will die zwei ja nicht wegen einer angebissenen Tomate vors Inquisitionsgericht zerren. Also komme ich ihnen entgegen und biete Milde im Austausch gegen Wahrheit: „Jungs, ich schimpfe ja gar nicht. Ich will nur wissen, wer das war.“ Eigentlich geht es mir nur darum, zu erklären, dass Lebensmittel nicht verschwendet werden sollen und man bitte beendet, was man angefangen hat – auch beim Abendbrot. Dafür ist die Identität des Täters eigentlich egal. Aber anlügen lassen möchte ich mich auch nicht.

...und dann war es plötzlich ein Vogel

Und da fängt Eric an, von seiner vorigen Taktik abzurücken. Er ist fast sieben Jahre alt und versteht inzwischen, dass ein reumütiges Geständnis ihm im Zweifel mehr bringt als ein betonköpfiges Festhalten an einer offensichtlich falschen Wahrheit. Doch dann sagt er: „Ein Vogel war’s! Der kam vorhin hier reingeflogen und hat die Tomate im Mund gehabt.“ Und wieder: Kein Mundwinkel verzieht sich. „Dann hab ich ihn gesehen und er ist weggeflogen. Die Tomate hat er fallen gelassen.“

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Fynn stimmt Erics Version prompt zu. Und lacht dabei laut. Er ist vier, das Pokerface braucht noch Übung. Da verflüchtigt sich mein Stolz, ein so vernünftiges Kind zu haben, das sich auch unangenehmen Situationen stellt und bei der Wahrheit bleibt. Eine wahrscheinliche Lüge verwandelt sich in eine offensichtliche. Immerhin haben sie sich nicht gegenseitig beschuldigt, das freut mich wiederum.

„Wohl kaum“, raune ich den beiden zu, fange aber im selben Moment an zu lachen. So wichtig ist es nun wirklich nicht, denke ich mir, werfe noch ein „Ihr Schlingel!“ hinterher und betone, dass ich ausgespuckte Essensreste nicht auf dem Tisch sehen möchte. Man nickt und isst weiter.

Offensichtliche Lügen und absurde Argumentation – und das alles nur, um seine Ziele durchzusetzen: Bei den Erwachsenen nennt sich so etwas wohl Populismus. Trump lässt grüßen. Und plötzlich sitzt die große Weltpolitik an unserem kleinen Küchentisch.

Dies ist ein Beitrag aus „Mann, Kinners“, dem Vater-Blog auf NWZonline.

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