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NWZonline.de Mann, Kinners!

Meine Kinder muss im Restaurant niemand hassen

15.09.2019

Oldenburg Optimisten sehen das Glas halbvoll. Pessimisten sehen das Glas halbleer. Und Eltern sehen das Glas jeden Moment auf den Boden fallen. Der Spruch ist witzig gemeint und wird in Haushalten mit kleinen Kindern tagtäglich belegt. Zwar ist unser Küchenboden nicht ständig mit Glasscherben belegt. Das ist aber mehr dem elterlichen Eingreifen zu verdanken als der Achtsamkeit der Kinder. Da lehnen sich die Jungs wild gestikulierend auf den Tisch, neben ihnen das Glas – und der Ellbogen droht jeden Moment auszuschwenken.

Und das ist nicht alles, was das gemeinsame Essen zu einer nervenaufreibenden Veranstaltung werden lässt. Die neuesten Witze und Schimpfwörter müssen ausprobiert und der Stuhl mindestens fünfmal pro Mahlzeit verlassen werden, um das Tagesgeschehen nicht nur verbal, sondern auch mit vollem Körpereinsatz wiederzugeben, und nicht zuletzt wird auch die Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme generell – oder zumindest bestimmter Lebensmittel von der Paprika bis zu „diesen komischen kleinen grünen Punkten“ im Essen – in Frage gestellt.

Im Restaurant läuft’s anders als am Abendbrottisch

Abendbrot ist Kampf. Und diesen Kampf muss man ja nicht noch in die Öffentlichkeit tragen. Keine Frage: In einem Restaurant muss dieser Lautstärkepegel gesenkt, dieser Bewegungsdrang gedrosselt und diese Diskussionsfreude gebremst werden. Bei uns klappt das eigentlich meistens ganz gut. Die Kinder haben es verstanden, dass im öffentlichen Raum andere – striktere – Regeln gelten als zu Hause.

Und wenn dann doch mal eine Wortmeldung mit gelöster Handbremse ertönt, erinnern wir Eltern freundlich, aber bestimmt an diese Regeln. Was den Bewegungsdrang angeht, freuen wir uns natürlich über einen Spielplatz oder zumindest eine große Wiese in der Nähe. Aber selbstverständlich wird im Restaurant nicht gerannt!

Zu Diskussionen ums Essen kommt es meistens gar nicht, denn Fynn (5) isst ohnehin fast alles – und für Eric (7) gibt es immer einen Kinderteller, der zu ihm passt: Pommes mit Würstchen, Pommes mit Chicken Nuggets, Pommes mit Pommes. Gesund ist was anderes, aber das Kind muss ja irgendwie überleben.

Es gibt eben auch andere (kleinere) Menschen

Trotz allem bleibt es dabei: An unserem Tisch geht es anders zu als an den meisten anderen, an denen nur Erwachsene sitzen. Und das mag nicht jeder. Einerseits ist es ja auch verständlich: Wer in einem Restaurant oder Café sitzt, möchte in Ruhe etwas essen und trinken. Man hatte einen harten Tag, hat sich auf die Mahlzeit gefreut und bezahlt dafür auch noch eine nicht unerhebliche Menge Geld. Auf der anderen Seite müssen wir alle damit leben, dass es eben andere Menschen gibt (das hat ja auch seine Vorteile, z.B. wenn man Hilfe braucht oder jemanden zum Schnacken sucht). Und gerade kleinere Menschen „funktionieren“ eben nicht so, wie es Erwachsene gerne hätten.

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Meine Frau berichtete neulich von einem Besuch im Eiscafé, bei dem unser Jüngster sich die ganze Zeit hervorragend verhalten habe, nur in der Aufbruchstimmung am Ende eine kleine Pirouette im Gang drehte – und dabei wohl auch ein wenig lauter war (Ein. Wenig. Lauter. Er hat nicht geschrien, nicht gegrölt und nicht gejault). Einige ältere Gäste, die an einem Tisch nebenan gesessen hatten, schüttelten daraufhin demonstrativ den Kopf. Meine Frau bat – nicht weniger demonstrativ und mit sarkastischem Unterton – um Entschuldigung. „Wir haben auch einen Enkel, der würde so etwas nicht machen“, meckerte einer der Gäste. Natürlich nicht. Denn die eigenen Kinder und Enkel sind ja über jeden Zweifel erhaben.

Für einen Moment einfach mal nur Kind sein

Jetzt hat mein Sohn dort keine Teller zerschlagen, keine Erwachsenen beleidigt und seinen Besuch nicht mit einem lauten Rülpsen ins Gesicht der anderen Gäste beendet: Er war für einen Moment einfach nur Kind. Wen das stört, der soll zu Hause bleiben. Oder nach Rügen fahren, wo in „Oma’s Küche“ ab 17 Uhr keine Kinder mehr erlaubt sind. Dort hat man dann seine Ruhe – und kann sich über die Erwachsenen am Nebentisch aufregen. Einfach nur essen und klönen ist ja auch langweilig.

Dies ist ein Beitrag aus „Mann, Kinners“, dem Vater-Blog auf NWZonline.

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