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NWZonline.de Mann, Kinners!

Morgenstund hält jetzt echt mal besser den Mund

04.09.2019

Oldenburg „Ja! Gleich!“, schallt es nun zunehmend genervt aus dem Kinderzimmer. Legosteine klackern, dann erhebt sich mit großem Getöse das selbstgebaute Flugzeug in die Luft. „Jetzt bitte, Fritz!“, höre ich aus meinem Mund, „wir wollen doch nicht schon wieder zu spät zum Kindergarten kommen!“ Und weiß im selben Moment doch, dass wir es heute wohl wieder nicht schaffen werden. Die Kollegen im Büro werden sich bedanken.

Wenn sich die Kinder zunehmend selbst beschäftigen können und auch mal für sich allein spielen ist eigentlich für Eltern der Champagnerkorken-Tag. Ohne schlechtes Gewissen, dass man seinem Kind eigentlich doch mehr Aufmerksamkeit schenken wollte, kann man zu Hause so spannende Projekte angehen wie Abspülen, Wäsche waschen oder sich mit der Steuererklärung vergnügen. Die Kehrseite der Medaille: Spielzeit ist immer! Und besonders gerne und intensiv dann, wenn die Erwachsenen mal wieder mit ihren Terminen und Verpflichtungen nerven.

Noch fünf Minuten, Vaddi!

Rückblick: Begonnen hatte alles um etwa sechs Uhr. „Genug geschlafen“, war die Feststellung im Kinderzimmer und Fritz stattet mir einen ersten Besuch im Schlafzimmer ab. Dort will aber noch niemand spielen. Leicht beleidigt zieht er ab und dreht in seinem Zimmer die Kinderlieder-CD auf (Dazu gab es hier schonmal was: Wie meine musikalische Früherziehung (fast) versagte).

Viertel vor sieben: So langsam schleppe auch ich mich aus dem Bett, schlafen kann ich sowieso nicht mehr. Und fast zeitgleich beginnt das morgendliche Ringen. „Fritz! Frühstück! Dein Kakao ist fertig!“, rufe ich ins Kinderzimmer. Zurück kommt zunächst: Nichts. Der dritten Aufforderung folgt Fritz dann und es beginnt der entspannteste Teil des Morgens.

Viertel nach sieben: Während wir unsere Brote essen, erzählt Fritz begeistert von seinen Vorhaben für den Kindergarten heute. Mit dem netten Mädchen spielen, vom großen Gerüst springen und das am Tag zuvor gebaute Auto reaktivieren, das steht auf der Agenda. „Ok, dann putzen wir gleich ordentlich die Zähne, ziehen dich an und dann geht’s los“, werfe ich voller Vorfreude in den Raum. „Ja“, antwortet Fritz. Doch in Gedanken ist er so gar nicht bei mir. Das Spielzeug im Kinderzimmer ruft wieder.

Halb acht: Ich packe in der Zwischenzeit seinen und meinen Rucksack: Beide bekommen ein zweites Frühstück und was zu Trinken. Ich nehme noch Laptop und Kopfhörer mit, Fritz ein paar Wechselklamotten. Ich verstaue alles im Auto, nehme noch einen kräftigen Schluck koffeinhaltigen Raketentreibstoffs aus der Tasse und will jetzt so langsam mal los. „Hast du die Zähne schon geputzt?“, rufe ich. Die Antwort bleibt aus. „Fritz, kommst du bitte“. Wieder nichts.

Die Zündschnur wird kürzer

20 vor acht: Inmitten von Legosteinen und dem allgemeinen Chaos im Kinderzimmer sitzt Fritz so friedlich wie man es sich nur vorstellen kann und legt letzte Hand an sein neu gebautes Flugzeug. „Kommst du jetzt bitte mit?“, höre ich eine zunehmend genervte Stimme fragen. Es ist meine eigene. „Aber ich muss das zuerst noch fertigmachen“, lautet die ebenso zunehmend genervt herausgepresste Antwort. Mein leicht durchschaubarer Versuch, das Ganze abzukürzen („So ein Flugzeug darf auch nicht zu schwer werden“) wird abgeblockt. Schließlich schultere ich das Kind unter dessen Protest und verschleppe Fritz ins Badezimmer. Ich versuche, ihn auf seinen Hocker am Waschbecken zu stellen.

Fritz greift zu einer lange bewährten Gegenmaßnahme, der guten alten „Nasser Sack“-Taktik. Nun stehe ich dort also, das Kind halb auf, halb neben dem Arm hängend und mosernd. In der anderen Hand die Zahnbürste. „Karius und Baktus müssen doch noch weg“, versuche ich mein Handeln zu rechtfertigen. Kein Argument. Also schrubbe ich seine Zähne so gut ich es hinkriege. Der Dank: Ein wütend ausgestoßenes „Mann! Lass mich!“ in meine Richtung, während Fritz schnellen Schrittes wieder vom Bade- ins Kinderzimmer flüchtet.

Fünf vor acht: Der Zeitplan ist längst obsolet und gerade jetzt gibt Fritz nochmal alles: Das Frühstück geht seinen natürlichen Weg und landet in der Windel. Einsatz für Papa! Nachdem das Untergeschoss renoviert wurde, schnappe ich mir Fritz und bringe ihn zur Haustür. Nur noch schnell Schuhe und Jacke an und los. Das gilt für uns beide. Sobald Fritz ausgestattet ist, entfleucht er erneut, dieses Mal immerhin in Richtung Auto.

Ich kippe noch den letzte Schluck Kaffee runter, ziehe auch mir Schuhe und Jacke an, knipse alle Lichter aus, schließe die Fenster und eile zum Auto. Dort steht Fritz vor der Tür und ist ungnädig. Aufmachen soll ich die Tür gefälligst. Wir wollen doch endlich zum Kindergarten, verflixtnocheins. Und da kann Fritz nicht auf die Befindlichkeiten eines älteren Mannes wie ich es bin Rücksicht nehmen. Geht’s jetzt langsam mal los? „Ja, gleich!!!“

Dies ist ein Beitrag aus „Mann, Kinners“, dem Vater-Blog auf NWZonline.

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