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NWZonline.de Mann, Kinners!

„Zu Mama“ – Wenn Papa nur das fünfte Rad am Wagen ist

19.10.2019

Oldenburg Eine Weile, bevor ich Kinder im Haus hatte, schaute ich immer mal wieder die „Tonight Show“ aus den USA. In einer Folge saß irgendein amerikanischer Schauspieler bei Moderator Jimmy Fallon. Der Gastgeber fragte nach dem Befinden, schließlich sei kürzlich das erste Kind zur Welt bekommen. Frei übersetzt antwortete der Schauspieler: „Mutter und Kind geht es hervorragend, sie lieben sich gegenseitig abgöttisch – und ich bin auch da.“ Hätte ich diesen Satz damals wirklich verstanden, ich hätte wohl nicht mehr gelacht.

Liebe Väter und vor allem die, die es noch werden wollen, bitte versteht diese Zeilen als Warnung. Kinder sind toll, Kinder sind eine Erfüllung, sie sind aber auch anstrengend, rauben Schlaf und mitunter den letzten Nerv – ihr kennt das ganze Blabla. Ich kannte es auch. Was mir aber vor der Niederkunft meiner beiden Jungs nicht so bewusst war, ist Folgendes: Der Mann trägt mit dem Tag der Geburt zwar den Titel Papa. Dies ist allerdings mehr eine Degradierung denn eine Beförderung. Der Herr des Hauses, um den sich bislang das Universum drehte (sehr individuelle Ansicht; Anmerkung der Redaktion), ist plötzlich nur noch das fünfte Rad am Wagen – wenn er denn überhaupt noch mitfahren darf.

Das gilt, und das war erwartbar, natürlich zum Teil für die Beziehung zur Gebärenden. Schließlich ist ihr Job als beste Ehefrau der Welt von der Aufgabe, die beste Mama der Welt zu sein, auf die nachfolgenden Plätze verwiesen worden. Das gilt, und das hat mich doch ziemlich überrascht, jedoch vor allem für das Verhältnis zum neuen Mittelpunkt des eigenen Universums, nämlich zum eigenen Kind.

Beispiele gefällig? Der Kleine legt sich beim Spielen lang. Ich stehe direkt daneben und biete dem heulenden Häufchen Elend Trost an. Reaktion: „Zu Mama!“. Oder: Die Müllabfuhr kommt gleich, der wöchentliche Unterhaltungshöhepunkt für meine Jungs. Schnell habe ich Jacke und Schuhe zur Hand, um ihnen einen Platz in der ersten Reihe zu ermöglichen. Aber: „Nein, Mama!“. Oder: Die beste Mama der Welt ist abends unterwegs. Also versuche ich den Kleinen für einen Besuch im Land der Träume zu gewinnen. Doch als ich mich neben ihn kuschele, schubst er mich weg. Er zeigt auf den Platz, auf dem ich gerade lag, und schaut mich vorwurfsvoll an: „Mama!!!“

Die Sache ist die: Ich habe lange Elternzeit genommen, ich verbringe einen Großteil meiner Freizeit mit der Familie und ich biete mich immer wieder an, wenn es ums Ausweinen, Trösten, Spielen oder sonstige Dinge geht. Aber es gibt Tage, da könnte ich mich auf den Kopf stellen und alle Rolf-Zuckowski-Lieder auswendig trällern während ich drei Katzenbabys mit den Füßen jongliere. Die Reaktion der Kinder wäre: „Zu Mama!“

Und ganz ehrlich: Das tut weh. Je nach Tagesform schwanke ich zwischen traurigem Schniefen, Wut und Resignation. Jeder künftige Papa sollte wissen, dass Vatersein kein Zuckerschlecken ist. Nicht weil der Schlaf weniger wird, die Windeln zum Himmel stinken oder das eigene Essen zu 50 Prozent aus Vorgekautem besteht. Sondern weil dieses Band, das die Natur zwischen eine Mutter und ihr Kind gespannt hat, so festsitzt und kaum Raum lässt für den Papa, sich gleichberechtigt mit einzuklinken. Damit emotional klarzukommen und seine neue Rolle in der Familie zu finden, ist vielleicht die schwierigste Aufgabe.

Nicht bei jedem Vater mag diese Erfahrung so extrem sein. Es gibt andere Beispiele. Und für die Fünftes-Rad-am-Wagen-Väter gibt es Hoffnung auf Besserung. Kürzlich konnte der Kleine nicht einschlafen, also durfte er noch kurz im Wohnzimmer spielen – und akzeptierte dabei, dass nur Papa dabei war. Ich legte mich aufs Sofa und las ein bisschen in einem Fußballmagazin. Irgendwann krabbelte der Kleine ganz von allein zu mir und kuschelt sich an mich, schaute mit mir zusammen ein paar Fußball-Fotos an – und schlief dann in meinem Arm ein. Es war ein wunderschöner, vertrauter Moment. Und ein Zeichen, dass Papas vor allem eines wissen müssen: Unsere Zeit wird kommen.

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