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Einsatz In Bremerhaven: Segelschiff „Seute Deern“ sackt auf Hafengrund ab

31.08.2019

Bremerhaven Bei Tageslicht wurde am Samstagmorgen deutlich, welche gravierenden Schäden die nächtliche Havarie des Bremerhavener Museumsschiffes „Seute Deern“ verursacht hat. Bis 23 Uhr neigte sich der knapp 62 m lange Holzsegler im Alten Hafen immer stärker auf die rechte Seite. Dann setzte der Rumpf im Schlamm des Hafenbeckens auf. Die „Seute Deern“ (Hochdeutsch „Süßes Mädchen“) liegt nun zwei Meter tiefer. Welche Bereiche im Schiffsinneren überflutet sind, lässt sich offenbar nicht genau sagen, denn ein Betreten der Bark ist aus Sicherheitsgründen verboten.

„Seute Deern“ ist Aushängeschild der Museumsflotte

Mit einem Großaufgebot waren am späten Freitagabend Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) zur Einsatzstelle geeilt. Zunächst gingen zur Erkundung der Lage noch mehrere Feuerwehrleute an Bord. Doch schon Minuten später rief die Einsatzleitung sie zurück. Bald darauf brach der Zugangssteg aus Metall unter der Last des sich neigenden Schiffes ab. Die „Seute Deern“ galt bislang als das Aushängeschild der Museumsflotte im Alten Hafen. Sie gehört dem Deutschen Schifffahrtsmuseum. Der schlechte Zustand des Großseglers, an dem inzwischen sogar schon Außenplanken geborsten sein sollen, führte in Bremerhaven auch politisch immer wieder zu Diskussionen um eine Sanierung der „Seute Deern“.

Experten werden nun beurteilen müssen, ob die Bark, auf der es erst im letzten Februar gebrannt hatte, noch zu halten ist. In einer gläsernen Werft sollte sie eigentlich unter den Augen der Öffentlichkeit saniert werden. Kostenpunkt: Über 30 Millionen Euro.

Eine schlechte Nachricht dürfte die Havarie der „Seute Deern“ auch für eine Arbeitsgruppe der Hochschule Bremerhaven sein, die das Schiff vor einigen Wochen mit einem Unterwasserroboter auf Schadstellen am Rumpf untersuchte. Seit Jahren dringen durch kleine Öffnungen erhebliche Mengen Wasser ein, die mit Hilfe starker Pumpen wieder ins Hafenbecken zurückgeführt werden müssen. Ob diese Pumpen zum Zeitpunkt der Havarie alle ordnungsgemäß funktionierten, ist unklar.

Bereits am frühen Samstagmorgen versammelten sich am Alten Hafen zahlreiche Bremerhavener, die einen Blick auf „ihr“ Wahrzeichen werfen wollten. Ob an der Bark ein wirtschaftlicher Totalschaden entstanden ist und ob eine Sanierung unter diesen Umständen noch in Betracht kommt, müssen wohl die kommenden Wochen und Monate zeigen.

SPD immer noch für Sanierung der „Seute Deern“

Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) sagte zum Geschehen: „Mit Rücksicht auf den Allgemeinzustand des Schiffes müssen wir die geplante Sanierung wahrscheinlich neu bewerten. Die ,Seute Deern‘ muss möglichst umgehend wieder aus der Schräglage heraus.“ Professorin Sunhild Kleingärtner, Direktorin des Deutschen Schifffahrtsmuseums meinte: „Ich bin entsetzt. Nun muss man eine Instandsetzung unter veränderten Voraussetzungen betrachten.“ Sönke Allers, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung sagte: „Die SPD war von Anfang an für eine Sanierung der ,Seute Deern´. Daran ändert auch dieser neuerliche Zwischenfall nichts.“ Für Prognosen, was dies für die anstehenden Sanierungsmaßnahmen bedeutet, sei es jetzt noch zu früh, sagte Konrad Otten vom Schifffahrtsmuseum.

Unterdessen liegt das Schiff nach wie vor schräg auf dem Grund des Hafenbeckens. Ein Sachverständiger und Experten des Schifffahrtsmuseums sondieren die Lage gemeinsam. An Bord darf nach wie vor niemand. Sollten sich Halterungen lösen oder brechen, könnte das Schiff weiter kippen. Die Feuerwehr löste noch in der Nacht Stahlseile zur „Seute Deern“, weil auf denen eine zu hohe Spannung lastete. Befürchtungen, die schweren Stahlmasten der Bark könnten aus dem hölzernen Rumpf herausbrechen, bewahrheiteten sich bislang nicht. Ölsperren im Alten Hafen sollen verhindern, dass das Wasser verunreinigt wird.

Heiner Otto Korrespondent / Redaktion Bremerhaven
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