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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Maritim

Mosaic-Expedition In Der Arktis: Polarstern-Mission neigt sich Ende zu

11.08.2020

Bremerhaven Jahrelang war die einjährige Drift in der Arktis des deutschen Forschungsschiffes „Polarstern“ mit Heimathafen Bremerhaven genauesten geplant worden. Für größere und kleinere Katastrophen waren am Alfred-Wegener-Institut (AWI) Notfallpläne ausgearbeitet worden. Doch dann passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte: die Corona-Krise. Eine Zeit lang musste befürchtet werden, dass die im September begonnene „Mosaic“-Expedition abgebrochen wird. „Das gesamte Logistikkonzept ist uns um die Ohren geflogen“, sagt Expeditionsleiter Markus Rex rückblickend.

Doch AWI-Wissenschaftler Rex hielt stets am Rückkehrtermin 12. Oktober 2020 fest. Und das Team schafften es mit einem Notfallplan tatsächlich, dass die Expedition fortgesetzt werden konnte. Inzwischen sei die Epidemie kaum noch Thema. „Corona haben wir fast schon vergessen an Bord“, so Rex.

Aufwendiger Personalwechsel

Zwei Monate vor der Rückkehr der „Polarstern“ ist am vergangenen Wochenende das Team an Bord ein letztes Mal ausgetauscht worden.

Ein russischer Eisbrecher war Anfang August in Bremerhaven gestartet, um die neue Mannschaft und Wissenschaftler zur „Polarstern“ zu bringen. Die Neuzugänge hatten wegen der Corona-Epidemie zwei Wochen in Quarantäne verbracht.

Die Gesamtkosten der Mission belaufen sich auf 140 Millionen Euro. Deutschland übernimmt davon die Hälfte.

Arbeit in der Polarnacht

Am 20. September 2019 war die „Polarstern“ vom norwegischen Tromsø aus gestartet. Kurz darauf driftete sie monatelang teils dicht am Nordpol mit einer riesigen Eisscholle mit, auf der ein Forschungscamp aufgebaut worden war. Rund die Hälfte der Zeit mussten die Wissenschaftler in der dunklen Polarnacht arbeiten. Ende Juli ist die Scholle in der sommerlichen Arktis in viele Einzelteile zerbrochen. Das Camp auf dem Eis war kurz zuvor abgebaut worden.

Die „Polarstern“ ist noch einige Wochen für Messungen in der Region unterwegs, allerdings weiter nördlich. „Wir wollen so lange bleiben, bis die Arktis wieder anfängt zuzufrieren. Das ist eine wichtige Phase im Eiszyklus“, sagt Rex. Ende September wird die „Polarstern“ schließlich ihre Rückfahrt antreten.

Reise der Superlative

„Mosaic“ ist eine Reise der Superlative: Über 70 wissenschaftliche Institute aus fast 20 Ländern sind mit Hunderten Forschern beteiligt. Die Wissenschaftler an Bord wurden während der Reise mehrfach per Schiff ausgewechselt, zuletzt am Wochenende.

Institute in aller Welt setzen große Hoffnungen auf die Ergebnisse der Expedition: Mit den Messungen und Experimenten im Nordpolarmeer soll der Klimawandel besser verstanden werden. Die Expeditionsteilnehmer beobachten dafür genauestens die Austauschprozesse zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre. „Man kann jetzt schon sagen, dass die gewonnen Daten es erlauben werden, die sehr komplexen Prozesse im Klimasystem besser zu verstehen“, betont Rex.

Der Wissenschaftler veranschaulicht seine Arbeit mit dem Bild einer Uhr: „Wer anfängt, jedes Zahnrädchen genauestens zu untersuchen und das Uhrwerk lange studiert, kann am Ende eine Uhr nachbauen“, sagt Rex und fügt hinzu: „Wir wollen das Klimasystem nachbauen.“

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