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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Maritim

Premieren-Fahrt bei Sonnenschein

08.10.2018

Weener /Westoverledingen Die Herbstsonne meint es gut an diesem Morgen. Malerisch liegt die Ems um kurz vor 9 Uhr da. Seit sechs Jahren trifft sich hier, am Deich am Schleusenweg, eine Handvoll Weeneraner täglich zum Gassigehen mit ihren Hunden. An diesem Samstag schauen die Männer und Frauen neugierig und auch skeptisch aufs Wasser. Fährt die Friesenfähre? Fährt sie nicht?

An eine problemlose offizielle erste Fahrt der Friesenfähre mag nach dem langwierigen Hickhack um Genehmigungen und Zuwegungen aber niemand so recht glauben. „Das einzige, was hier klappt, sind die Türen“, frotzelt Roger Lang. Für Bernd Hinkeldey ist die Friesenfähre ohnehin nur „eine Beruhigungsmaßnahme“ – ein „Ersatz“ für die im Dezember 2015 zerstörte Friesenbrücke könne sie nicht sein. Bis zu zwölf Personen soll das Schiff mitnehmen können. Er frage sich, was passiere, wenn große Gruppen die Fähre nutzen wollen und es dann zu Staus komme, so Hinkeldey.

Dieses Risiko besteht um 8.50 Uhr noch nicht. Nur zwei Fahrradfahrer – Ingeborg Wiegmann aus Weener und ihr Enkel Marvin Bergström – warten am Anleger. Schnell nähert sich die Fähre. Die Hundebesitzer wenden sich allmählich zum Gehen.

„Unendlich erleichtert“ sei er, sagt Eberhard Lüpkes, dass das Schiff nun endlich seinen Betrieb aufnehmen könne. Immer wieder habe er als Geschäftsführer der zuständigen Betreibergesellschaft den Satz gehört „Dat word nix“ – doch nun könne man tatsächlich noch ein paar Fahrten in diesem Jahr machen. „Für viele Leute ist das ein großer Gewinn“, betont er. Zudem werde es „ein echtes touristisches Highlight“ – schließlich gehe die Fahrt später an der größten Eisenbahndrehbrücke Europas vorbei.

Die Betriebserlaubnis für die Fähre gilt bis Ende Oktober, erst nach der Winterpause im April 2019 geht es weiter. Daran will jetzt noch keiner denken. „Top Wetter – was will man mehr?“, fragt Weeners Bürgermeister Ludwig Sonnenberg, als er mit seiner Frau an Bord geht. Zu weiteren Premieren-Fahrgästen gehören neben den Pendlern und Lüpkes auch Fernseh- und Zeitungsreporter.

Ohne staatstragende Worte geht es um 8.54 Uhr los, flussaufwärts Richtung Marker Sieltief (Mitling-Mark). Hinsetzen mag sich niemand, die Bänke sind klitschnass. Kapitän Hans-Gerhard Bleeker aus Esklum wischt noch mal mit einem Lappen über die hölzernen Sitzflächen. Der 69-Jährige hat, wie er sagt, einst Megaliner über die Weltmeere geschippert. Die Friesenfähre ist ein paar Nummern kleiner. Der Motor der von der Meyer-Werft und der Reederei Schulte & Bruns initiierten Fähre schnurrt leise. Vorbei an Deichen und durch die kaputte Friesenbücke geht die Fahrt mit etwa 15 Stundenkilometern. Um 9.06 Uhr legt das Boot wieder an – mit einem kräftigen Rumms. Es braucht drei „Anläufe“, bis es Bleeker gelingt, einen Metallstab in ein Loch am Anleger zu manövrieren. Dann liegt die Fähre fest „vor Anker“.

Am Marker Sieltief wird die Fähre von niemandem erwartet. Ingeborg Wiegmann und ihr Enkel schieben ihre Räder von Bord. Die anderen Fahrgäste kehren mit dem Kapitän wieder um. In Weener stehen schon die nächsten Radfahrer bereit – der Probebetrieb geht weiter.

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