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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Christian Stoll: Ein Mann, eine Mütze, eine Herzenssache

15.04.2019

Bremen Langsam baut es sich auf. Erzählt Christian Stoll. Er steigt in Berlin in den Zug, und dann sieht er da mal vereinzelt einen Werder-Schal. Einen Fan, der auch zum Spiel im Weserstadion will. In Hannover steigt Christian Stoll, den alle „Stolli“ nennen, dann um. Da sind schon deutlich mehr Werder-Schals am Start. Und dann steigt Stolli aus, am Hauptbahnhof in Bremen. Ganz viele Werder-Schals, und noch mehr auf dem Weg zum Osterdeich.

Fast alle kennen ihn. Er hat ja auch ein Erkennungszeichen, er ist der Stolli mit dieser Pudelmütze. Schön findet das Stolli, wie er erkannt und angesprochen wird. Unbezahlbar, sagt er, sei dieses Gefühl, das sich alles zwei Wochen langsam aufbaut, wenn er aus Berlin aufbricht, wo der gebürtige Bremer seit zehn Jahren lebt. Er sagt sogar: „Ich könnte in New York leben, da würde ich trotzdem alle zwei Wochen ‘rüberfliegen und diesen Job machen wollen.“ Sein Job bei Werder-Spielen im Weserstadion: Stadionsprecher. Seit 23 Jahren schon. Seit 19 Jahren an der Seite von Arnd Zeigler.

Mit Routine hat der Job wenig zu tun. Das darf er auch gar nicht, sagt Stolli, inzwischen 58 Jahre alt. Wenn’s Routine wird, sollte er aufhören. „Du musst brennen wie ‘ne Tanne“, das ist sein Leitmotto, das habe ihm mal der langjährige Sixdays-Chef Frank Minder mitgegeben, das beherzigt er. Immer. Stolli fällt das aber auch leicht, das zu beherzigen. Weil diese Sache da im Weserstadion, wo er für ein paar Stunden zwar nicht der Hauptdarsteller, aber doch ein wichtiger Entertainer einer großen Fußball-Show ist, für ihn „eine Herzensangelegenheit“ ist.

Zweimal gegen Bayern

Schon immer war Werder sein Herzensverein. Wird es wohl immer sein. Er war Chefredakteur bei Hitradio Antenne in Hannover, er war Sprecher bei Sechstagerennen und lange bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. In Berlin betreibt er jetzt eine Kommunikations- und PR-Agentur. Immer Volldampf, er hat so vieles gemacht, manchmal zuviel, da hat sein Körper ihm dann Stoppschilder gesetzt, die er nicht ignorieren konnte.

Werder ist für ihn immer so eine Art Anker geblieben. Was hat er nicht alles erlebt mit Werder. Was hat er geweint nach Kutzops verschossenem Elfmeter 1986, was hat er gefeiert nach diesem Wahnsinnssieg, der 2004 im Münchner Olympiastadion Werder die Meisterschale brachte. Und jetzt könnte ja wieder so ein Superspiel gegen die Bayern kommen. Am Mittwoch nach Ostern, Pokal-Halbfinale Werder gegen Bayern. Ein paar Tage vorher schon das Ligaspiel gegen Bayern in München. Eine Konstellation, die ein wenig an jene vor zehn Jahren im April erinnert, als Werder andauernd Superspiele gegen den HSV hatte.

Ja, dieses Gefühl von besonderen Tagen sei jetzt ein bisschen wieder da, sagt Christian Stoll. Er stellt sich vor, wie Werder dem Branchenprimus innerhalb weniger Tage sowohl Meisterschaft als auch Pokaltriumph vermasselt. Diesem Verein, den er nicht lieben kann, er liebt ja den SV Werder. Bestaunen kann er den FC Bayern aber schon, das geht, anders als beim HSV. Bayern sei nun mal der erfolgreichste deutsche Verein. Als Junge, da habe er so sein wollen wie Gerd Müller. Wurde er nicht. Aber die Rolle, die er bekam im Fußballbetrieb, die: ja, die ist auch nicht schlecht.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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