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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Mein Werder

Der Pizarro-Plan

15.02.2019

Bremen In Kürze dürfte Claudio Pizarro den nächsten Rekord knacken. Ein Treffer noch in der Bundesliga, und Pizarro wird den Titel „Ältester Torschütze der Bundesliga“ tragen. Noch liegt Mirko Votava in dieser Kategorie vorne, im August 1996 erzielte Votava für Werder ein Tor beim 1:2 gegen Stuttgart, er war damals 40 Jahre und 122 Tage alt. Der ewige Pizarro ist aber nun schon 40 Jahre und 133 Tage auf der Welt. Und dass er bis zum Ende der Saison noch mindestens einen weiteren Treffer erzielt, bezweifeln wohl nicht mal missgünstige Fans des HSV.

Der ausländische Spieler mit den meisten Toren in der Bundesliga ist Pizarro schon seit einiger Zeit. Und als erfolgreichster Werder-­Schütze hat er Marco Bode schon vor Längerem auf den zweiten Rang verwiesen. Die Frage ist also, welche weiteren Rekorde er im Laufe seiner Karriere noch knacken wird. Was unweigerlich zu der nächsten Frage führt, nämlich wie lange diese verdammt lange Karriere noch dauern wird.

Im Moment weiß das wohl niemand. Egal, ob Sportchef Frank Baumann oder Trainer Florian Kohfeldt befragt werden, oder Pizarro selbst. Abgesprochen war vor der Saison, dass es die letzte sein wird, zumindest bei Werder. Je weiter die Saison aber voranschreitet, desto größer werden die Zweifel, ob es bei dieser Absprache bleibt. Pizarro hängt, auf seine Zukunft in Bremen angesprochen, mittlerweile ein „man weiß es nicht“ an. Und so ist es wohl auch: Alles ist offen.

„Kein Zeitdruck“ bei möglicher Verlängerung

Im Frühjahr soll es eine erste Gesprächsrunde geben. „Ende März, Ende April“, umschreibt Baumann den zeitlichen Rahmen des Termins. „Dann werden wir uns zusammensetzen und überlegen.“ Eine Tendenz sei nicht abzusehen, von beiden Seiten nicht. Die Gespräche seien „komplett ergebnisoffen“, sagt Baumann. Und: „Es gibt keinen Zeitdruck.“ Im vergangenen Jahr habe es auch eine späte Entscheidung gegeben, erst Ende Juli wurde die Rückkehr Pizarros verkündet.

Sportlich hat sich dieser Transfer spätestens nach seinem Tor in der Verlängerung des Pokalspiels gegen Borussia Dortmund gelohnt, das nicht nur von ausgesprochener Schönheit und Eleganz war, sondern auch so anspruchsvoll, dass nicht viele Spieler in diesem Land es erzielt hätten. Nicht zu vergessen sein Elfmeter im Elfmeterschießen, auch der erforderte Nervenstärke, die nicht jeder aufbringt. Zwei Tore in 16 Einsätzen, dazu zwei Vorlagen verzeichnet die Statistik der Liga. Sehr passabel, zumal in nur 401 Minuten erzielt, meist bleibt ihm ja nur die Jokerrolle. Im Pokal sind es zwei Tore in drei Spielen, 110 Minuten Einsatzzeit insgesamt.

Über die Zukunft Pizarros entscheidet in erster Linie Pizarro, sagen sie bei Werder: Ob er im Einklang ist mich sich und seiner Rolle. Er muss zum einen entscheiden, ob sein Körper fit genug ist für eine weitere Saison Bundesliga. Und, zweitens, ob er weiterhin leben kann mit dem Job des Reservisten und Teilzeit-T­rainers für die jüngeren Spieler. Von Letzterem ist auszugehen, Pizarro macht jedenfalls einen ganz zufriedenen Eindruck. Wie sich sein Körper anfühlt, weiß nur er allein. Größere Verletzungsprobleme hat er in der laufenden Saison jedenfalls nicht.

Es gibt, Stand jetzt, also einiges, was für eine weitere Vertragsverlängerung spricht. Als Spieler für besondere Momente ist Pizarro eine attraktive Option. Sein Spielverständnis, seine Fähigkeit, gefährliche Situationen selbst zu kreieren oder zu vollenden, all das tut dem Bremer Spiel gut. Und würde ihm weiterhin guttun. Es ist, das sagen alle im Klub, insgesamt wesentlich besser gelaufen, als es sich die Verantwortlichen vergangenen Sommer erhofft haben. In erster Linie sollte die Mannschaft von Pizarros Erfahrung profitieren, tatsächlich spielt er auch sportlich eine bedeutende Rolle.

Talente drängen auf Spielzeit

Werder behandelt Pizarro mit dem größtmöglichen Respekt, so soll es auch bei der Frage zu seiner Zukunft sein. In der Vergangenheit war das einmal nicht der Fall, im Sommer 2017. Alexander Nouri wollte Pizarro nicht mehr und sortierte ihn aus. Nicht jedem im Verein hat die Art und Weise gepasst, aber der damalige Trainer hatte es so entscheiden, alle haben es akzeptiert. Für die Geschichte, wie es zu Pizarros Rückkehr im Sommer kam, spielt das eine wesentliche Rolle. Sein Ende in Bremen sei die beste Motivation gewesen, sich vergangenen Sommer in die Form zu bringen, dass Werder Pizarro ein weiteres Mal verpflichtete, erzählt man im Klub. Pizarro selbst hat damals die Initiative ergriffen und Werder kontaktiert, um über eine Rückkehr zu verhandeln. Im weitesten Sinne ist es also auch Nouris Verdienst, dass Pizarro nun in der Form ist, in der er ist.

Es gibt, bei allem, was für Pizarro spricht, natürlich auch ein paar Aspekte, die gegen eine Weiterbeschäftigung sprechen. Da wäre die Rückkehr von Fin Bartels, der noch im Laufe dieser Saison zur Mannschaft stößt und damit einen weiteren Kaderplatz bei Werder einnimmt. Und die Entwicklung der jungen Talente Milot Rashica, Johannes Eggestein und Josh Sargent ist derzeit so rasant, dass sie immer mehr Spielanteile bekommen werden. Im Umkehrschluss dürfte das bedeuten, dass die Anteile Pizarros kleiner werden. Das ist schon jetzt zu beobachten.

Es wird auch darum gehen, welche personellen Änderungen für den Sommer insgesamt geplant sind. Die Anzahl der Stürmer, die ein Kader braucht, ist begrenzt. Das werden die Verantwortlichen bei der Zusammenstellung der Mannschaft für die kommende Saison im Blick haben und haben müssen. Vielleicht wird ein Stürmer verpflichtet, den es in der Art im Kader bisher nicht gibt. Dann wäre ein weiterer Platz besetzt. Auch das wird bei der Entscheidung über Pizarros Zukunft eine Rolle spielen.

Aber dann ist da noch ein Faktor, der für Pizarro spricht, der Wohlfühlfaktor der Zuschauer. Pizarro ist derzeit der vielleicht einzige Spieler der Bundesliga, dessen Einwechselung stets ein akustisches Signal vorausgeht. Auf dem Weg von der Eckfahne, wo sich die Reservisten warmlaufen, bis zur Bank, wird er von einem Jubelchor der Zuschauer begleitet, der nach und nach das ganze Stadion erfasst. Auch Menschen, die vor dem Fernseher sitzen, wissen deshalb ohne es genau zu sehen, wann der Moment des Claudio Pizarro kommt. Das ist vielleicht kein weiterer Rekord, aber zumindest verschafft es ein gutes Gefühl. Und das ist auch etwas wert.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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